meinen Händen . « Er hatte diese Drohung in innerster Erregung gesprochen ; aber ihre Wirkung auf Hoppenmarieken war nur gering . Sie schüttelte bloß den Kopf , und ohne sich im übrigen im geringsten eingeschüchtert zu fühlen , wiederholte sie nur immer : » Gnäd ' ge Herr , de junge Herr ! « und salutierte dabei mit ihrem Hakenstocke , zum Zeichen , daß man sich auf sie verlassen könne . Es war dies auch besser und bedeutete mehr , als wenn sie bekräftigungshalber ihre Schwurfinger erhoben hätte . Dann griff sie wieder nach der Kiepe , lehnte den Rat , der ihr noch gegeben wurde , » sich wo möglich an die Westfalen zu machen « , mit der Bemerkung ab : » Ne , ick geih to de lütten Franzosen ; de passen nich upp « , und verließ einen Augenblick später das Zimmer . Erst als sie zwischen den zwei Auffahrtspfeilern war , machte sie noch einmal mit militärischer Promptheit kehrt und grüßte nach dem Eckfenster hinauf . Wußte sie doch ganz bestimmt , daß der alte General ihr nachgesehen habe . Dieser lachte denn auch , nahm seinen kleinen Meerschaum in die Linke und warf ihr mit der Rechten Kußfingerchen zu . » ' s bleibt doch ein Prachtexemplar , Vitzewitz « , sagte er . » Ich wollte , ich hätte so was in Groß-Quirlsdorf . « Berndt schwieg und stützte den Kopf . Nach einer Weile sagte er : » Bamme , Sie sind ein Menschenkenner . War es nicht gewagt , unser Spiel auf diese Karte zu setzen ? Können wir ihr trauen ? « » Unbedingt . « » Und warum ? Weil ihr altes Hexenherz an Lewin hängt ? « » Vielleicht auch deshalb . Etwas muß das Herz haben . Und je weniger es hat , desto fester hängt es dran . Es stirbt dafür . Gut oder böse macht keinen Unterschied . « Berndt nickte . » Aber « , fuhr Bamme fort , » das ist es nicht , weshalb ich ihr traue . Ich trau ihr , weil sie klug ist . Wissen Sie , was sie jetzt denkt ? « » Nun ? « » Die Franzosen werden nicht ewig im Lande Lebus bleiben , aber die Vitzewitze noch lange . « » Und ? « » Und Bündnisse schließt man nur mit Dauermächten . Auch wenn man Hoppenmarieken heißt . « Zweiundzwanzigstes Kapitel Im Weißkopf In denselben Stunden , in denen der über Lewins Gefangenschaft Auskunft gebende Brief den Weg von Frankfurt nach Hohen-Vietz hin machte , machte Lewin in Person den Weg von Frankfurt nach Küstrin . Nur die Breite des Flusses lag zwischen ihnen , und der alte Rysselmann , wenn er schärfer zugesehen hätte , hätte die französischen Eskorte-Mannschaften erkennen müssen , die drüben am neumärkischen Ufer ihre Straße zogen . Es waren Voltigeurs , ausgesuchte Leute , die man unter den Befehl eines alten , schon in Spanien gedienten Sergeanten gestellt hatte . Und solche Vorsichtsmaßregeln waren mit gutem Grunde getroffen worden , denn hatten es die Russen auch tags zuvor an gutem Willen und jedenfalls an Worthalten fehlen lassen , so waren sie doch in der Nähe , durchschwärmten die Neumark und machten sich recht eigentlich eine Aufgabe daraus , kleine feindliche Kommandos wegzufangen . Das erheischte nur geringe Opfer und machte von sich reden . Dieser Sachlage waren sich die Begleitmannschaften auch voll bewußt und ließen es , um schlimmsten Falles nicht ohne Fürsprache zu sein , an Aufmerksamkeit gegen ihren Gefangenen nicht fehlen . Mußten sie doch fürchten , jeden Augenblick selber Gefangene zu werden . Aber ihre Befürchtungen erfüllten sich nicht ; die Kosaken , nach denen auch Lewin von Zeit zu Zeit ausgesehen hatte , kreuzten nirgends ihren Weg , und nachdem um Mittag die Kirch-Göritzer ausgebauten Häuser und bald darauf auch die Pulvermühlen von ihnen passiert worden waren , trafen sie Punkt zwei vor der Festung ein und lieferten ihren Gefangenen auf dem alten Küstriner Schloßhof ab . General Fournier d ' Albe tat ein paar Fragen , die trotz aller Kühle doch Teilnahme verrieten , musterte die schlanke Gestalt Lewins und gab dann Befehl , ihn auf dem » Weißkopf « unterzubringen . Lewin erschrak , als er diesen Namen hörte . Der » Weißkopf « war ein auf Bastion Brandenburg stehender Rundturm , eigentlich nur das mannshohe Fundament eines solchen , von dem die Sage ging , daß es zwei , drei Tage vor der Hinrichtung Kattes als Schafott für diesen aufgemauert worden sei . Dies alles war nun freilich durch einige lebusische Spezialhistoriker , darunter auch unser Seidentopf , als nicht stichhaltig nachgewiesen worden ; aber stichhaltig oder nicht , die bloßen Vorstellungen , die sich in Folge dieser Sage an eben diese Örtlichkeit knüpften , reichten gerade hin , den Gedanken eines vor einem Kriegsgericht Stehenden eine sehr trübe Richtung zu geben . Und nach diesem » Weißkopf « hin wurde Lewin nun wirklich abgeführt . Ein Gefreiter und zwei Mann nahmen ihn in ihre Mitte , und unser Gefangener fürchtete schon , den Rest des Tages und vielleicht auch die Nacht in einem kellerartigen Gewahrsam zubringen zu müssen , als er im Näherkommen zu seinem Troste wahrnahm , daß auf dem mannshohen Unterbau des Turmes noch ein nicht unfreundlich aussehendes , aus Fachwerkwänden aufgeführtes Turmhäuschen stand , an das sich von außen her eine Holztreppe lehnte , acht oder zehn halb ausgebrochene Stufen . Und vor diesen Stufen hielt jetzt das Kommando . Der Schlüssel zu der kleinen eisenbeschlagenen Obertür fehlte , fand sich indes schließlich , als der Kastellan vom Schloß her herbeigeholt worden war , der nun öffnete und den Gefangenen eintreten ließ . Der Alte , solange der Gefreite da war , zeigte sich einsilbig und mürrisch genug ; Lewin aber , aller mangelnden Menschenkenntnis unerachtet , konnte doch leicht erkennen , daß dieses einsilbig mürrische Wesen nur äußerlich angenommen war . Er durfte sich