, weil ich nicht Herr darüber bin , während Du mir Deine wahre Meinung und die wahren Gründe der Aufregung verbirgst , in der Du Dich befindest . So sollte es zwischen mir und Dir nicht sein ! Da sprang Davide plötzlich von ihrem Sessel auf , fiel vor Seba auf die Kniee , und ihr Gesicht in ihrem Schooße verbergend , während sie den Leib der Tante mit beiden Armen umschlang , fing sie zu weinen an . Was soll das , Kind , was soll das ? rief Seba , während sie das junge Mädchen zu sich empor zu ziehen versuchte . Aber dieses blieb in seiner gebückten Stellung vor ihr liegen und sagte schluchzend : Vergib mir , vergib mir ! Ich hätte Dir es ja lange sagen müssen , daß ich Alles , Alles weiß ! Ach , Du ahnst es nicht , wie unglücklich ich darüber war ! Ich .... Sie konnte vor Schluchzen nicht sprechen , ihr Zustand wurde für Seba immer räthselhafter , und im Innersten beunruhigt , fragte sie lebhaft : Worüber bist Du unglücklich , was fehlt Dir ? Was hast Du , Kind ? Ich konnte Dich eine Zeit lang gar nicht mehr lieben ! Ich ... Sie warf sich der Tante mit beiden Armen um den Hals , und ihr Gesicht an Seba ' s Busen lehnend , sagte sie kaum hörbar : Ich verachtete Dich ! - Seba zuckte erschreckend zusammen , das Wort versagte sich ihr . Du verachtetest mich ? fragte sie endlich langsam , als falle es ihr schwer , den ganzen Vorgang zu verstehen . Weil Paul Dein Sohn ist ! entgegnete Davide und sank , sich von der Brust der Tante aufrichtend , auf einen der Sessel , nieder , die am Tische standen , ihr Antlitz in ihren Händen verbergend . Seba blieb ruhig stehen . Ein schwerer Schmerz ging durch ihre in Leid wie in Geduld geprüfte Seele und fand seinen Ausdruck in dem stillen Seufzer , der über ihre Lippen glitt . Sie begriff nicht , was ihre Pflegetochter eben zu dieser Vermuthung gebracht , oder wer ihre Phantasie auf diesen Weg gewiesen haben konnte . Aber es war ihr zu Muthe , wie dem Wanderer , dem sich an einem völlig hellen Tage plötzlich die Sonne verhüllt . Aus ferner Zeit stieg die Erinnerung wie ein dunkles Gewölk unheimlich vor ihr auf und warf ihren düstern Schatten über die ruhige Sicherheit , in welcher sie sich seit Jahren bewegte . Es fröstelte sie , sie fühlte sich krank , sie hätte weinen mögen ; indeß die Thränen sind wie falsche Freunde , sie versagen dem plötzlichen , dem überwältigenden Schmerze ihre Hülfe und ihren Trost , und wie immer gewann die Liebe für die Andern in Seba ' s Brust den Sieg . Nicht an sich durfte sie denken , nicht an ihr Empfinden . Sie hatte Davide zu beruhigen , sie hatte das Kind zu trösten , das in ihr seine Mutter liebte , das irre geworden war an ihr - und wie durfte eine , wenn auch noch so späte und unerwartete Folge ihres eigenen Thuns sie überraschen und ihr als eine unverdiente Härte erscheinen ? Sie trat leise an Davide heran , legte ihre Hand auf des jungen Mädchens Schulter und sagte : Beruhige Dich , mein Kind , denn Du irrtest ! Paul ist nicht mein Sohn ! Aber wer brachte Dich auf die Vermuthung ? Davide blickte die Tante mit einem Ausdrucke an , der die ganze Verwirrung ihrer Empfindungen verrieth , und diese mußte ihre Frage wiederholen , ehe sie abgebrochen und leise die Worte hervorstieß : Als ich noch ganz klein war , hat meine Wärterin es einmal zu Deiner damaligen Jungfer gesagt ! Was hat sie gesagt ? Besinne Dich ! forschte Seba ernsthaft , um nur die Gedanken der Aufgeregten zu sammeln . Deine Jungfer wunderte sich , daß Du Dich nicht verheirathet hättest , und .... Und ? wiederholte Seba , da Jene wieder in das Stocken gerieth . Und die Wärterin sagte , Du hättest schlimme Erfahrungen gemacht , Du hättest einen vornehmen Herrn geliebt .... Sie hielt auf ' s Neue inne und fing wieder zu weinen an . Da nahm Seba ihre Hand und sprach mit der ganzen Bestimmtheit , deren ihre ernste Seele fähig war : Wenn Du den Muth hattest , mir in Deinem Herzen auf das unbestimmte Wort einer Dienerin hin zu mißtrauen und mich , wie Du sagtest , zu verachten , so wirst Du Dich auch überwinden müssen , vor mir auszusprechen , was ich wissen will und muß ! Nimm Dich zusammen und antworte - was hast Du gehört ? Was glaubst Du von mir ? Davide wurde bleich . Sie kannte diesen Ton in der Stimme ihrer Tante und war gewöhnt worden , ihm unbedingt zu gehorchen , denn Seba war der Ansicht , daß strenge Unterordnung unter einen fremden Willen das Kind am leichtesten zur einstigen Selbstbeherrschung vorbereitet ; daß derjenige , welcher von je her gewöhnt wird , unbedingt zu gehorchen , sich auf einen augenblicklichen , bestimmten Befehl schnell zu überwinden , später auch dahin gelangt , sich selber zu bemeistern , wenn es Noth thut - und sie konnte an ihrer Pflegetochter eben in dieser Stunde die Richtigkeit ihrer Meinung erproben . Bewegt , aber dem befehlenden Anrufe nachgebend , sprach sie : Sie sagten , ein vornehmer Herr hätte Dich verführt und Dich verlassen , und als dann Paul mit Einem Male hieher kam , als ich sah , wie Du ihn liebtest , da .... Nun ? fragte Seba . Da dachte ich mir , er sei Dein Sohn ! Es entstand eine kurze Pause , Seba verzog keine Miene . Davide hörte ihr eigenes Herz klopfen . Es wäre ihr eine Wohlthat gewesen , hätte sie jetzt das Rollen eines Wagens vernommen , wäre Paul jetzt eingetreten . Es blieb aber Alles