Wenn man mir das von Rom oder Neapel erzählte , so würde ich es unbedingt glauben und begreiflich finden . « » O , glauben Sie mir , Herr Graf ! « bat das Mädchen . » Glauben Sie meinen Worten : ich habe Ihnen die reinste Wahrheit gesagt . « » Gewiß glaube ich Ihnen ; aber Sie müssen mir noch einige Fragen ebenso wahr beantworten . - Als er Sie entließ , was geschah da weiter mit Ihnen ? « » Ich wurde in ein anständiges Zimmer gebracht , und am andern Tage gab man mir gute Kleider , einen Paß und eine Instruktion , die ich auswendig lernen mußte . Darin stand , wie ich mich fortan zu nennen , sowie Vorschriften in Betreff der Berichte , die ich über meine Herrin zu erstatten habe . « » Und wem mußten Sie anfänglich diese Berichte machen ? « » Das weiß ich nicht ; an einer mir bezeichneten Straßenecke fand ich einen dicht verschlossenen Wagen , der mich in ein Haus brachte , wo man mich in eine dunkle Stube führte , und wo Jemand aus dem Nebenzimmer mit mir sprach . « » Keine schlechten Vorsichtsmaßregeln ! - Und dort erhielten Sie auch den Befehl , hier in diesem Zimmer den Herzog zu erwarten ? « » Ja , Herr Graf . « » Aber ich vergaß das Wichtigste zu fragen . Wie wurden Sie in Ihren jetzigen Dienst eingeführt ? - Der war doch , wenn ich mich recht erinnere , einer Anderen zugedacht . Ich selbst empfahl ja den Schützling eines Freundes . « » Das geschah auf eine eigene Art , « entgegnete das Mädchen ; » ich fand bei der Instruktion einen versiegelten Empfehlungsbrief an einen vornehmen Herrn , den ich persönlich abgeben mußte , worauf ich ein anderes Schreiben erhielt , das mich nachher zu Fräulein Eugenie von S. wies , die mich in ihren Dienst genommen . « » Und wer war jener vornehme Herr ? « fragte der Graf in großer Spannung . » Kennen Sie ihn vielleicht ? « » O ja , sehr gut ; ich sehe ihn öfters . Er besucht auch zuweilen das gnädige Fräulein . « » Sein Name ? « » Es ist der Herr Baron von Brand . In seinem Hause erhielt ich , wie gesagt , einen Empfehlungsbrief an meine Herrin . « » Das ist seltsam ! « rief einigermaßen bestürzt Graf Fohrbach . » Ganz richtig , der Baron bat mich , Ihnen eine Stelle zu verschaffen , und ich sprach für Sie , - auch er . - Das ist eine ganz sonderbare Geschichte . - Und von wem der Brief war , den Sie dem Baron brachten , wissen Sie nicht ? « » Nein ; aber soviel erinnere ich mich , daß er mit einem großen Wappen gesiegelt war . « Der Graf dachte längere Zeit nach , wobei er , wie in großer Unruhe , im Zimmer auf und ab schritt . Endlich aber wandte er sich wieder zum Fenster hin und stellte sich abermals dicht vor das Mädchen . - » Die Sache ist sehr ernst und wichtig , « sagte er zu ihr ; » thun Sie mir den einzigen Gefallen und nehmen Sie die ganze Kraft Ihres Gedächtnisses zusammen , gehen Sie in Gedanken nochmals jenen Abend durch , den Sie im sogenannten Fuchsbau verlebten , namentlich aber jene Augenblicke , wo Sie vor ihm im Zimmer standen . - Ueberlegen Sie sich genau , ob Sie nicht irgend einen kleinen Umstand vergessen , zum Beispiel irgend ein Wort , das er sagte , irgend eine Bewegung , die er machte . - Ueberhaupt haben Sie mir noch nicht erzählt , wie er zu sprechen pflegte , ob er laut oder leise , ob kräftig und energisch , oder was man bei uns geziert nennt . Es ist mir das sehr wichtig . « » Nein , er sprach nicht geziert , « entgegnete sie , » sondern laut und deutlich , dabei kräftig wie Jemand , der gewohnt ist , zu befehlen . « » Und sonst fällt Ihnen nichts mehr bei ? « » Warten Sie einmal , « erwiderte das Mädchen , indem sie die Augen mit der Hand bedeckte und dann hinauf an die Decke schaute . » Ich besinne mich da auf etwas , aber es ist zu unbedeutend . « » Bei diesem Vorfall ist nichts unbedeutend . « » Ich habe Ihnen schon gesagt , wie ich glaube , daß ich vor ihm ohnmächtig niedersank . Er hob mich in die Höhe , und als ich wieder zu mir selbst kam , umwehte mich ein eigenthümlicher Duft . « » Ein eigenthümlicher Duft ! « rief der Graf in der höchsten Spannung . » Wie war es ? - Sprechen Sie ! - sprechen Sie ! « » Es war ein scharfer Duft , « sagte das Mädchen , das etwas erschreckt schien von der Heftigkeit des Grafen . » Es war ein Duft wie von lauter Rosen . « » Ah ! « schrie Graf Fohrbach , indem er in die Höhe fuhr , als habe er etwas ganz Erschreckliches gehört . - » Ah ! - - Coeur de rose . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - » Nun wissen Sie Alles , « sprach ängstlich das Mädchen nach einer kleinen Pause . - » Was soll ich nun weiter thun ? - Ich bin jetzt gänzlich in Ihre Hand gegeben , Herr Graf , « setzte sie schmerzlich hinzu . » Sie können mich nach beiden Seiten hin verderben : durch eine Anklage bei meiner Herrin , und dadurch , daß Sie von dieser räthselhaften Geschichte etwas laut werden lassen . Dort steht meine Ehre , meine Zukunft , hier