seltsame Erhöhung oder runder Wulst zutage , ein hügelartiger Auswuchs des Knochens , und auf dieser einsam ragenden Extrakuppe ein stehengebliebenes Wäldchen grauer Haare , was einen höchst lächerlichen Anblick gewährte . Die zornige Verlegenheit des also Beschaffenen bewies , daß dieses sein Geheimnis und seine schwache Seite war ; aber Heinrich hatte ihm , als er dies gesehen , unwillkürlich die Zipfelmütze so blitzschnell wieder aufgesetzt und geriet selbst in so harmlose Mitverlegenheit , daß der Alte sich halb schmunzelnd , halb murrend zufriedengab und überdies etwas nachdenklich wurde . Heinrich hatte indessen lange nicht soviel Geld besessen wie jetzt , und er beschloß , ehe dasselbe zu Ende gehe , sich neues zu erwerben und , was im großen nicht hatte gelingen wollen , allmählich im kleinen zu versuchen . Da seine guten Studienblätter alle verschwunden waren , so machte er sich daran , welche aus dem Stegreif zu schaffen , und fabrizierte in kurzer Zeit eine Anzahl flüchtiger , aber bunter und kecker Skizzen , ohne An dacht und Liebe , denen man es auf den ersten Blick ansah , daß sie nicht im Freien , sondern in der Stube entstanden . Über dieser herzlosen Beschäftigung stand natürlich alles tiefere und innere Streben und Sein vollends still , wie denn auch , da kein Buch mehr in seinem Besitze war und er sich aus den Hörsälen zurückgezogen , seine Selbstbildung von dieser Seite unterbrochen war , indessen er sich in einer anderen Schule befand , wo der Alte Professor war ; denn man kann nicht alles zumal treiben . Der Alte empfing ihn aber ganz vergnügt mit den neuen Sachen , die ihm sehr in die Augen sprangen ; er nahm ihm ab , was er ihm brachte , war aber nach einiger Zeit verwundert , daß er hievon auch nicht ein Stück verkaufte und der Käufer , welcher die guten Sachen alle geholt hatte , plötzlich wegblieb . Er teilte dies seinem Schützling mit , schob aber die Schuld auf die Wunderlichkeit und den Eigensinn der Leute und forderte Heinrich auf , nur nicht nachzulassen , sie wollten einmal auf den Vorrat arbeiten , bis sich neue Käufer finden würden . Heinrich konnte das aber nicht länger mit ansehen und sagte dem Alten , daß er wahrscheinlich nie einen Fetzen von dieser neuen Art verkaufen würde und daß er sein Geld , so wenig es sei , wegwerfe . Ganz verblüfft verlangte der Alte eine deutlichere Belehrung , und Heinrich setzte ihm , so gut es ging , auseinander , welcher Unterschied zwischen diesen und den früheren Sachen bestehe , wie jene eben etwas Gewordenes , diese etwas Gemachtes seien , jene ohne des Künstlers besonderes Verdienst von einem ganz bestimmten Stoff und Wert , diese dagegen vollkommen wertlos . Er sei nun sogar froh , setzte er hinzu , daß diese Industrie vollständig mißlungen , und um sein Gewissen vollständig zu beschwichtigen , zog er seinen Geldbeutel , der die zehn Gulden enthielt , und anerbot dem Alten , ihm wieder zu ersetzen , was er ihm für die liederlichen Arbeiten gegeben . Denn er hatte jetzt vollständig das Schmähliche einer hohlen herzlosen Tätigkeit empfinden gelernt , die , ohne nur eine ordentliche ehrliche Handarbeit zu sein , sich den Schein eines edleren Berufes gibt . Der Alte hörte aufmerksam zu , nahm eine Prise über die andere , lächelte dann schlau und vergnügt , indem er das angebotene Geld sogleich einstrich , und streichelte dem Jungen die Backen , welcher Liebkosung sich dieser sachte entzog . Er hatte den Ersatz unwillkürlich angeboten und war jetzt doch etwas betroffen , denselben angenommen zu sehen , da seine kleine Barschaft dadurch stark abnahm , ohne nun weiter zu wissen , was er tun sollte . Der Alte aber nahm ihn bei der Hand und sagte » Nur munter , Freundchen ! wir wollen sogleich eine Arbeit beginnen , die sich sehen lassen kann und wird ! letzt sind wir gerade auf dem rechten Punkt , da darf nicht gefeiert und nicht gemault werden ! « Und er führte und schob ihn in ein noch dunkleres Verlies , das hinter dem Laden lag und sein Licht nur durch eine schmale Schießscharte empfing , die in der feuchten schimmligen Mauer sich auftat . Als Heinrich sich einigermaßen an diese Dunkelheit gewöhnt , erblickte er das Loch angefüllt mit einer Unzahl hölzerner Stäbe und Stangen , ganz neu , rund und glatt gehobelt , von allen Größen lastweise an den Wänden stehend . Auf einer verjährten , längst erloschenen Feueresse , welche das Denkmal irgendeines Laboranten war , der vielleicht vor hundert Jahren in diesem Finsternis sein Wesen getrieben , stand ein tüchtiger Eimer voll weißer Leimfarbe inmitten mehrerer Töpfe mit anderen Farben , jeder mit einem mäßigen Streicherpinsel versehen . » In vierzehn Tagen « , lispelte der Alte , abwechselnd schreiend , » wird die Braut unseres Kronprinzen in unserer Residenz ihren Einzug halten ; die ganze Stadt wird geschmückt und verziert werden , Tausende und Abertausende von Fenstern werden mit Fahnen in unseren und den Landesfarben der Braut versehen ; Kattunfahnen von jeder Größe werden die nächsten zwei Wochen die gesuchteste Ware sein , habe schon zweimal in meinem Geschäft den Witz mitgemacht und jedesmal ein gut Stück Geld verdient ; wer der erste , Schnellste und Billigste ist , der hat den Zulauf . Darum frisch dran , keine Zeit zu verlieren ! Habe schon seit zwei Wochen vorgesehen und Stöcke machen lassen , weitere Lieferungen sind bestellt , das Kattunschneiden und Nähen wird ebenfalls beginnen , Ihr aber , Schweizermännchen , müßt die Stangen anstreichen . Bst ! nicht gemuckst ! Hier für diese großen gebe ich einen Kreuzer das Stück , für diese kleineren einen halben , von diesen ganz kleinen aber , welche für die Mauslöcher und Blinzelfenster der Armut bestimmt sind , müssen vier Stück auf den Kreuzer gehen ! Jetzt aber paßt auf , wie das zu machen ist ,