Ihr müßt also Euer Geschick schon so nehmen , wie es einmal liegt und es bis an Euer Lebensende tragen . « Er ging an dem Totschläger vorüber , gab ihm den silbernen Ring , da dieser bei näherer Betrachtung ihm nichts Merkwürdiges gezeigt hatte , zurück und entfernte sich . Der Geächtete stand betroffen , sann über die Verjährung und konnte darin durchaus keinen Sinn finden . » Also « , sagte er endlich , » meine Gedanken an die Missetat muß ich behalten und bis in jene Ewigkeit mit hinüberschleppen ; aber wenn ich mit meinem Fell die Sache büßen will , so geht das nicht mehr an , weil dreißig Jahre vorüber sind ! « - Ein Lärmen , der ganz in der Nähe entstand , unterbrach sein Nachsinnen und machte ihn aufmerksam . Kaum zwanzig Schritte vom Kreuzwege kamen auf dem Wege vom Oberhofe Menschen gelaufen und andere begegneten ihnen , die vom Hofe des Eidams gegangen kamen . - » Wißt ihr ' s schon ? « fragten die vom Oberhofe überlaut . - » Was denn ? « versetzten die anderen . Ihren Weg eiligst nach dem Jürgenserbe fortsetzend , riefen die vom Oberhofe : » Der Hofschulze hat eine Überfahrung12 ! « » Das wäre der Henker ! « riefen die ersten und liefen nach dem Oberhofe zu . Der Patriotenkaspar fletschte die Zähne , sprang wie unsinnig auf dem Mordplatze umher und schrie : » Heisa ! Heisa ! So ist ' s recht . Die Tochter machte ich dir zur Hur ' , den Jungen zu Brei , und dich macht ' ich nun zunicht ' ! Ihr sollt erfahren , was es heißt , geringere Leute verachten ! Könnt ' ich jetzt mein Protokoll aufgenommen kriegen , wäre ich ganz zufrieden ! « Viertes Kapitel Der Hofschulze kommt wieder zu sich und Lisbeth schreibt an den Diakonus Auf der Kammer , worin er das Schwert Karls des Großen verwahrte , saß oder lag der Hofschulze blaß und halb betäubt neben der eisenbeschlagenen Kiste . In diesem Zustande war er von einer Magd , die vor der Kammer vorbeiging , gefunden worden , kurz nachdem er sich die Treppe hinaufbegeben hatte . Sie war erschreckt hinuntergesprungen und hatte von dem Vorfalle Lärmen gemacht , den einige Vorübergehende weitertrugen . Die Magd kehrte mit Essig zurück und bestrich ihres Brotherrn Schläfe . Das einfache Mittel brachte ihn auch bald wieder zu sich selbst , denn der Schlagfluß war eine Vergrößerung des Unfalls , der den alten Bauer betroffen hatte . Er war nur von einem Schwindel und von jener Betäubung befallen worden , wie sie die Folgen eines plötzlichen großen Schrecks zu sein pflegen , besonders bei alten Leuten . Als er von dem scharfen Geruche des Essigs wieder erwachte , hob er sich , ohne daß ihn das Mädchen zu unterstützen brauchte , sogleich strack auf seine Füße , fuhr mit der Hand über die Stirn und warf seinen ersten Blick in die Kiste , deren Deckel aufgeklappt war . Mit einer Mischung von Entsetzen und Kummer kehrte aber der Blick des alten Mannes in sich zurück ; er klappte hastig den Deckel zu , als wollte er den Verlust seines Teuersten jedem Auge verbergen und trieb die Magd an , ihn zu verlassen . Diese fragte zwar , was dem Baas zugestoßen sei , erhielt jedoch keine andere Antwort von ihm , als daß ihn eine plötzliche Schwäche , vielleicht von dem vielen Pläsier , welches gestern und heute gewesen , angewandelt habe . Als er auf der Kammer allein war , stand der Hofschulze erst eine geraume Zeit mit übereinandergeschlagenen Händen ohne sich zu regen , da . Dann setzte er sich auf die Kiste und nahm seinen Kopf in beide Hände , um alle Winkel des Gedächtnisses zu durchforschen . Darauf erhob er sich , öffnete abermals die Kiste , wie wenn er es nicht für möglich halte , daß das Schwert daraus habe verschwinden können , ließ aber augenblicklich den Deckel zufallen , da er wohl sah , daß er nur in die Leere blicke , und stöhnte wie ein verwundeter Stier . Nach diesem begann der Alte ein stummes eifriges Suchen in der Kammer . Er kehrte jedes Gerät um , er durchspürte jeden Winkel , er leerte alle Kisten und Kasten aus , welche dort vor und hinter dem Saatlaken umher standen . Kein Platz blieb undurchforscht , aber alle diese Mühe war vergebens , denn das Schwert zeigte sich nirgends . Indem hörte er unten die Stimme seines Eidams und seiner Tochter , sowie der Freunde und Nachbarn , welche von der Tanzgesellschaft herbei gekommen waren , um nach ihm zu sehen . Rasch verließ er die Kammer , um nicht in seinen Anstrengungen betroffen zu werden und ging hinunter , scheinbar gefaßt . Dort stellte sich alles mit Fragen nach seinem Befinden um ihn , worauf er dieselbe Antwort gab , welche schon die Magd empfangen hatte und hinzufügte , daß ihm wieder ganz wohl sei . Er bat die Leute , sich in ihrer Lustbarkeit nicht stören zu lassen und wieder zum Tanze zurückzukehren ; eine Aufforderung , welcher mehrere folgten , andere aber auch nicht . Diese blieben vielmehr im Hofe , weil sie an dem Tanze kein Vergnügen hatten , es kamen noch fortwährend Leute vom Jürgenserbe und so war ein beständiges Ab- und Zugehen von Menschen . Als nun der Hofschulze sah , daß er der Zeugen nicht quitt werde , beschloß er alles Fernere auf die Nacht zu versparen . Er setzte sich still in seine Stube und sagte dem Eidam , er möge die Mitgift nach Hause tragen , was dieser auch mit einem Gehülfen tat . Mehrere Nachbarn stellten sich zu ihm und mit diesen sprach er nun so ordentlich und vernünftig , wie immer seine Sitte war . Niemand merkte ihm etwas an , und nur wer gewußt hätte , was vorgefallen war , würde