, der Pfarrer auch die Verwundung Lambertis , die sein Ende herbeigeführt hatte , verschwieg , so entfernte sich alles Drohende bald wieder aus unserem Gesichtskreise . Aber nicht lange genossen wir die traurige Ruhe , die uns geworden war . Die äußere Stille , in der ich meine Tage durchlebte , wurde durch die ganz Italien erobernden Franzosen unterbrochen , und bei einem kleinen Gefechte wurden mehrere Häuser des Ortes , wo wir lebten , angezündet , und auch unser Haus und unsre Habe wurden ein Raub der Flammen . Der oft wiederholte Schrecken wirkte nachtheilig auf meine Gesundheit und die Gicht lähmte meine Glieder . In diesem traurigen Zustande wendete ich mich mit Lucretia nach Florenz , wo sie durch ihre geschickte Arbeit die Kosten unseres Unterhaltes bestritt . Von meinen Söhnen empfingen wir wenig Unterstützung ; denn obwohl Herr St. Julien die Großmuth gehabt hatte , ihnen dennoch bei seinem Tode eine ansehnliche Summe zu hinterlassen , so hatten doch die älteren Brüder nach ihrer wilden Weise zu leben bald alles , was sie besaßen , ausgegeben , dem jüngeren Bruder aber hatten sie keine Rechenschaft darüber abgelegt , und Francesko , der seit des Vaters Tode nichts hatte als seinen Gehalt , konnte uns nur spärlich unterstützen . In dieser Lage der Dinge schwanden die Jahre dahin , bis auch Sie Kriegsdienste nahmen , und das Unglück wollte , daß Sie den Umgang mit meinen Söhnen nur zu eifrig suchten , deren falsche Freundschaftsbezeigungen Ihr argloses Herz verlockten . Nein ! rief Francesko Lamberti , sie war nicht falsch diese Freundschaft . Ich liebte Dich wahrhaft , auch Antonio war Dir ergeben , und selbst Camillo konnte Deinen offenen , wohlwollenden Charakter nicht verkennen . Es ist ein prächtiger Junge , sagte er oft , Schade , daß er so bald sterben muß . Wir lachten über einen solchen Ausspruch , da Du gesund und blühend warst , und die Gefahren des Krieges Dich nicht mehr bedrohten , als uns . Nun , Ihr werdet sehen , sagte dann Camillo in seiner gewöhnlichen herrischen Weise , daß seine Tage gezählt sind . Endlich nahte jener verhängnißvolle Tag in Schlesien . Wir wußten , Camillo hatte Dich eingeladen , ihn mit uns zu verleben , und wir freuten uns aufrichtig Deiner Gesellschaft . Camillo miethete einen Wegweiser , mit dem er eine lange , ernsthafte Unterredung hatte . Nachdem dieß alles geschehen war , redete er uns ungewöhnlich ernst und feierlich an , und sagte , er habe von unserm verstorbenen Vater den Auftrag , ein uns zugefügtes großes Unrecht für uns unschädlich zu machen . Er habe feierlich die Verpflichtung übernommen für das Wohl der Familie zu sorgen , weil der Vater ihn als den , der am Fähigsten dazu sei , erkannt habe ; er brauche aber jetzt unsern Beistand , um dieß zu vermögen , und er fordere uns auf , ihm in dieser Angelegenheit , die zu unser aller Bestem gereiche , vollkommenen Gehorsam zu leisten . Wir waren es von Kindheit an gewöhnt , unter seiner Herrschaft zu stehen , so daß wir dieß , ohne uns zu bedenken , versprachen . Er nahm eine Reliquie , die er am Halse trug , hervor und ließ uns einen furchtbaren Eid darauf schwören , ihm blind zu gehorchen und , was er befehlen würde , so lange er lebe , selbst in der Beichte zu verschweigen . Ich zögerte einen Augenblick , doch das Beispiel Antonios riß mich hin , und wie er , leistete ich den entsetzlichen Eid . Darauf setzte unser Bruder Camillo das vermeintliche Unrecht , das uns unser Oheim St. Julien zugefügt habe , auseinander , und ich weiß nicht , ob er wirklich selbst getäuscht war oder ob er uns täuschen wollte . Er versicherte durch einen Rechtsgelehrten den Inhalt des uns nachtheiligen Testaments zu kennen , worin bestimmt sein sollte , daß , wenn Du , Adolph , ohne Erben stürbest , wir drei Brüder in Deine Rechte treten sollten . Ihr seht also ein , schloß Camillo , daß Adolph sterben muß , so leid es mir auch thut , denn ich würde ihn lieben , wenn sein Dasein nicht das unsere verkümmerte , und ich tödte ihn ohne Haß der Pflicht der Selbstvertheidigung gemäß , wie den Feind , der mir im Felde gegenüber steht . Ich schauderte vor diesem Vorsatze zurück , doch Antonio , dem künftiger Reichthum lockender als künftige Seligkeit dünkte , ging sogleich darauf ein . Ich warf mich meinen Brüdern zu Füßen . Memme , riefen Beide , Du weißt , was Du geschworen hast , und ließen mich mit der Verzweiflung ringend auf dem Boden liegen . Du kamst , Adolph ; arglos liefertest Du Dich Deinen Mördern aus . Meine Brüder bewachten mich . Ich hätte Dir kein Zeichen geben können , wenn ich es auch gewagt hätte , den entsetzlichsten Eid zu verletzen , den je eines Menschen Zunge gesprochen hat . Du fragtest mit Theilnahme nach der Ursache meines blassen , verstörten Aussehens . Meine Brüder gaben Dir die Antwort , daß ein kalter Brief meiner Braut , der nächstens eine förmliche Zurücknahme ihres Wortes erwarten ließe , mich so trübe stimme , und Camillo sagte , mir bedeutend zuwinkend , daß der feurige Wein meine gesunkenen Lebensgeister erheben würde . Du selbst zwangst mit gutmüthiger Zudringlichkeit mir mehr Wein auf als gut war , bis sich endlich mein Herz in dem Grade verhärtete , daß ich dachte : Nun , wenn er selbst es nicht besser haben will , so mag es denn sein . Man hatte auch Dir selbst nur zu viel Wein aufgenöthigt , und als wir nun endlich aufbrechen mußten , saßest Du nicht so sicher wie sonst zu Pferde . Der Bauer führte uns , wie Camillo mit ihm verabredet hatte . Man machte Dich glauben , wir schlügen einen kürzeren Weg ein , um nach der Verspätung mit unsern Truppen