daß du meinen Eltern wirklich die Tochter ersetzt hast ... « » Man will mich dafür auch versorgen – als Hofdame , « murmelte sie undeutlich . Er sah , wie sich ihre Augen mit Tränen füllten . » Ja , wenn dir der Plan keine Freude macht , warum gehst du denn darauf ein ? « » Was bleibt mir anderes übrig , « sagte sie gleichgültig . » Wenn Nauschenrode verkauft ist , werden deine Eltern in eine kleine Stadtwohnung ziehen ; dort kann deine Mutter die Wirtschaft selbst versorgen , und ich bin gänzlich überflüssig . « » Warum gehst du nicht lieber nach Amerika ? Dort findet ein so tüchtiger Mensch , wie du es doch bist , sicher sein Brot . « Hilde schüttelte den Kopf . » Das hätte ich vor zehn Jahren tun sollen , damals war ich drauf und dran , an dich zu schreiben und dich zu bitten , mir zu helfen . « » Warum hast du es nicht getan ? « » Ich hatte keinen Mut . Und dann habe ich die entsetzliche Zeit hier durchgemacht und mich abgefunden , so gut es ging . « » Welche entsetzliche Zeit ? « Hilde wurde sehr rot . Sie hatte geglaubt , ihr Vetter sei durch seine Mutter genau unterrichtet worden über ihre Demütigung . Nun stieg ein bitterer Ärger in ihr auf , daß sie überhaupt mit dem Wort an jene Erlebnisse gerührt hatte . Was gingen sie ihn denn an ? » Laß die Vergangenheit schlafen ! « sagte sie heftig . » Waren meine Eltern doch nicht so gut und lieb zu dir wie zu einem eigenen Kinde ? « fragte er . » Ach – viel zu gut – in Liebe und Verzeihen bin ich eingewickelt , bis ich fast an der Dankbarkeit erstickte . Pfui ... nein , das hätte ich nicht sagen sollen . « » Warum nicht – ich kann mir das so gut vorstellen , « meinte Fritz . » Vielleicht hättest du wirklich nicht im Hause bleiben sollen . Nun verstehe ich den Hofdamenplan auch besser ... « » Ach , « rief Hilde mutlos , » heute bin ich viel zu müde und viel zu mürbe , um überhaupt noch etwas zu wollen . Ich lasse mich eben schieben , wohin das Schicksal mich schiebt . Ich bin nicht einmal hier oben in einem von den finstern Winkeln und Verliesen für immer verschwunden , wie ich ' s doch oft geträumt habe . « » So arg war dir manchmal zumute ? « Sie nickte und schluckte ein wenig an Tränen , die sie nicht fließen lassen wollte . » Ach , dummes Zeug , « rief sie dann in einem völlig andern Tone , » glaub nicht daran ... da drüben steht der Fahrstuhl , den wir suchen ! « Sie war Fritz dankbar , daß er nicht weiter auf das angeschlagene Thema einging , sondern einfach das alte Fahrgestell hervorzog und sich eingehend mit seiner Mechanik beschäftigte . Niemals hatte sie einem Menschen so viel von sich verraten , ein unwiderstehliches Verlangen , das fast einer Begierde glich , der nicht zu widerstehen war , hatte sie getrieben ; nun schämte sie sich über sich selbst . Fritz hatte einiges Handwerkszeug mit heraufgebracht , schraubte die Räder ab und arbeitete mit der Gewandtheit eines Vielerfahrenen daran , sie wieder in Ordnung zu bringen . Er nahm Hildens Hilfe dabei unbefangen in Anspruch . Allmählich begann er bei seiner Arbeit einen drolligen Niggersong anzustimmen , und ihr wurde bei seiner selbstverständlichen und gelassenen Heiterkeit auch wieder wohler ums Herz . Fräulein Trinette kehrte in höchst erregtem Zustande von ihrem Spaziergang im Parke heim . » Denkt nur , ihr Lieben , « rief sie empört , indem sie eine Flasche mit einem Gewimmel kleiner Lebewesen darin leidenschaftlich und zornig schüttelte , » was mir begegnet ist ! Ich sitze friedvoll an der Wiese unter der großen Tanne , da wo der Wald beginnt , und bin im Begriff , mir einige Ameisen zu fangen ... Ich halte viel von Ameisenspiritus gegen Rheuma und Reißen . Diese guten , alten Mittel sind so viel wirkungsvoller als all das teuere Zeug , das in den Zeitungen angepriesen wird , und Gott schenkt uns die nützlichen Tierchen ganz umsonst ... Ich habe also mein Fläschchen auf den Weg gelegt , wo die kleine Karawane hinüberspaziert , und bewundere die Klugheit der Tiere , die trotz der süßen Lockspeise von Bierhefe und Zucker in der Flasche die Gefahr zu ahnen scheinen und enthaltsam über das Hindernis hinwegklettern . Eine Menge gieriger Genüßlinge gab ' s aber doch unter ihnen , und so war ich ganz zufrieden mit meinem Fange – da sagt plötzlich eine grobe Stimme neben mir : » Freilein von Kosegarten , wenn Sie Ameisen fangen wollen , denn kommen Sie man mit in den Wald ! Da weeß ich nen jroßen Haufen ... « Nun , was sagt ihr dazu ? Empörend , nicht wahr ? « » Aber , Tante , « rief Hilde lachend , » der Mann wollte dir doch augenscheinlich nur gefällig sein . « » Gefällig ? « fragte Tante Trinette , » ich wundere mich , daß du die Beleidigung in dieser ungenierten Anrede nicht fühlst ! Wozu fordert ein Mann eine Dame auf , ihm in den Wald zu folgen ? Sittliche Absichten leiten ihn dabei keinesfalls ! Ich habe dir immer gesagt , Friedrich , du sollst den Park für das Publikum schließen . « » Hallo , Tante , « rief Fritz , » sollte das vielleicht der geheimnisvolle Debberitz gewesen sein ? « Kosegarten bekam einen roten Kopf . » Das Mistvieh ! « schimpfte er . » Wenn der sich untersteht , hier herumzustrolchen , dann lass ' ich den Park wirklich schließen , und zwar sofort . Habe keine Lust , mich ausspionieren zu lassen von dem gemeinen