Sorgen und Arbeiten des Tages ! « » Werden Sie sich denn im Sommer gar keine Erholung gönnen ? « fragte Edith . » Ich kann nicht . Wer im Mittelpunkte so vieler Unternehmungen steht wie ich , der wird schließlich ein Sklave seiner eigenen Schöpfungen . Man muß immer auf dem Platze sein , wenn man Herr bleiben will über all dies Getriebe . Ich habe keine Zeit zur Erholung . « » Nein , Sie haben nur Zeit für die Arbeit , wie es scheint . « » Bis jetzt , ja , « sagte Ronald langsam . » Aber nun möchte ich endlich auch Zeit für – etwas anderes haben . « Er hielt inne , als erwarte er eine Antwort ; als diese aber nicht kam , erhob er sich und trat an die Seite der jungen Dame . » Sie haben mir erlaubt , nach Gernsbach zu kommen , und nun komme ich mit einer Frage , einer Bitte zu Ihnen , die Sie vielleicht schon erraten haben . Ihr Vater hat mir eine Hoffnung gegeben , deren Erfüllung bei Ihnen allein steht , und ich möchte nun mein Urteil von Ihren Lippen hören . Ich biete Ihnen meine Hand , Edith – darf ich hoffen ? « Es war ein Antrag in aller Form , in klaren , kühlen Worten , aber in dem Ton lag eine mühsam verhaltene Erregung , und die Augen des Bewerbers hingen mit verzehrender Unruhe an dem schönen Mädchen , das mit der Antwort zögerte . Da war sie wieder , die rätselhafte Angst , die sich vorhin so dunkel und beklemmend regte . Jetzt im Augenblick der Entscheidung flammte sie auf mit jäher Gewalt und schloß die Lippen , die das bindende Wort sprechen sollten , sie blieben stumm . » Edith , ich warte – ich bitte ! « mahnte Ronald . Das kam aus dem Munde eines Mannes , der jetzt nur noch zu befehlen gewohnt war . Hier lag wirklich eine Bitte in seiner Stimme , und hier gab es ja überhaupt keine Wahl mehr . Mit ihrer ganzen Willenskraft entriß sich Edith jenem beklemmenden Druck und warf all die widerspruchsvollen Empfindungen hinter sich . » Wenn mein Vater Ihnen bereits Hoffnung gegeben hat , so werde ich sie wohl bestätigen müssen , « sagte sie mit einem Lächeln . » Nun denn ja – hier ist meine Hand ! « Sie wollte ihm die Hand reichen , aber da fühlte sie sich plötzlich von seinen Armen umschlungen , an seine Brust gerissen , fühlte heiße , wilde Küsse auf ihrem Antlitz , auf ihren Lippen . Es war , als breche aus dem Innern des Mannes urplötzlich eine Flamme hervor , die über sie hinwehte und sie versengte mit ihrem glühenden Atem . Bestürzt , halb betäubt duldete sie das einige Sekunden lang , aber schon in der nächsten Minute riß sie sich los und stieß ihn von sich . » Herr Ronald ! « Das klang nicht angstvoll , sondern entrüstet : als gelte es eine Beleidigung abzuwehren . Ronald zuckte zusammen und trat einen Schritt zurück . » Was soll das , Edith ? « fragte er mit drohender Heftigkeit . » Ich dächte , Sie hätten sich soeben zu meiner Braut erklärt ! « Edith stand bleich mit bebenden Lippen da . Sie war einer unwillkürlichen , halb unbewußten Regung gefolgt , ohne zu wissen , was sie damit verriet . Ronald sah sie noch immer unverwandt an , und ein seltsamer Blick schoß aus seinen Augen . » Ist das Ihre Antwort auf die erste Umarmung des Bräutigams ? Ich meine doch , ich hätte jetzt ein Recht dazu . Aber das sah ja aus wie – wie Widerwille ! « » Sie haben mich erschreckt mit diesem stürmischen Aufflammen , « sagte Edith leise . » Erschreckt ? Sie sind doch sonst nicht schreckhaft ! Welche Zeremonien erwarteten Sie denn bei unserer Verlobung ? Sollte ich Ihnen nach allen Regeln der Etikette die Hand küssen und für die gütige Zusage danken ? Darf ich meine Braut nicht in die Arme schließen ? « Er hatte recht mit seinem Vorwurf , Edith fühlte es und machte den Versuch , den Eindruck zu verwischen . » Sie tragen selbst die Schuld an meiner Ueberraschung , « entgegnete sie . » Ich glaubte nicht , daß Sie überhaupt leidenschaftlich empfinden könnten , Sie zeigten sich mir bisher von einer ganz anderen Seite . « » Bisher ! Da trafen wir uns nur im Salon , vor Fremden , da zeigt man nicht sein wahres Gesicht . Die Welt hält mich freilich für eine Art Rechenmaschine , die nur Zahlen kennt – haben Sie das auch gethan ? « Es klang wie bitterer Hohn in seinen Worten , und doch bebten sie in unterdrückter Leidenschaft , als er fortfuhr : » Da sind Sie doch im Irrtum gewesen . Der kluge , kühle Geschäftsmann , der nur rechnet und abwägt , das ist Ihr Vater , Edith . Ich bin es nicht , bin es nie gewesen , und damit erzwingt man auch nicht eine Laufbahn wie die meinige , die Erfolge eines ganzen Menschenlebens in wenigen Jahren ! Sie kennen ihn freilich nicht , den dunklen , dämonischen Drang , der in manchen Naturen liegt und sie rastlos vorwärts treibt , durch alle Hindernisse , über alle Schranken hinweg . Ich habe diesen Dämon schon gekannt , als ich noch arm und unbekannt war , und er allein hat mich emporgetragen . Ich wollte ihm nicht folgen , ich mußte . Ihr Vater hat mir oft gesagt : › Sie rechnen zu kühn ! Das sind keine Rechnungen , Wagnisse sind es ! ‹ Aber sie glücken immer , wenn man nur den Mut hat , sich ganz und voll dafür einzusetzen , und die Energie , sie durchzuführen bis ans Ende . Schreckt Sie das , Edith ? Ich glaubte ,