junge Mädchen zögerte . „ Du wirst antworten , Lucie ! Du wirst mir auch nicht eine Sylbe von dem verschweigen , was zwischen dem Grafen und Dir gesprochen worden ist , hörst Du ? “ Lucie sah aus , als wolle sie anfangen zu weinen ; es war aber auch zu viel verlangt , daß sie ihr romantisches Geheimniß so auf Commando preisgeben sollte , noch dazu dem rücksichtslosen Bruder preisgeben , der sicher nicht das mindeste Verständniß dafür [ 70 ] besaß . Aber Bernhard duldete keine Weigerung , das wußte sie , und so ließ sie sich denn zögernd zu einem Geständniß herbei , als dessen Resultat schließlich eine vollständige Liebeserklärung des Grafen Ottfried herauskam . Der Graf hatte ihr , schon als er das erste Mal mit ihr tanzte , eine ungewöhnliche Aufmerksamkeit erwiesen , eine Aufmerksamkeit , die sich beim zweiten und dritten Male noch steigerte . Beim Beginn der Pause hatte er sie auf die Terrasse geführt , wie die anderen Herren ihre Damen auch , aber es so einzurichten gewußt , daß sie sich von den Uebrigen entfernten und durch die Orangerie vor deren Blicken gedeckt waren . Hier war er plötzlich vor ihr auf die Kniee gesunken – „ auf beide Kniee , Bernhard ! “ – und hatte ihr erklärt , daß er sie anbete , daß sie gleich beim ersten Anblick einen unauslöschlichen Eindruck auf sein Herz gemacht , daß er nicht leben könne , ohne die Hoffnung , sie wiederzusehen , und verzweifeln werde , wenn mit dem Ende des Festes ihm diese Hoffnung genommen würde , darauf hatte er um eine Rose aus ihrem Haar gefleht , dieselbe an seine Lippen gedrückt – kurz , die Geschichte war so über alle Beschreibung romantisch , und Lucie so voll Entzücken über diese Romantik und über die Rolle , die sie selber darin gespielt , daß ihre anfängliche Scheu und Befangenheit bei der Erzählung sich in ein immer größeres Selbstbewußtsein verwandelte , und sie am Schluß derselben den Bruder mit dem vollsten Triumph anblickte . Es war doch wahrlich keine Kleinigkeit , gleich beim ersten Schritt , den sie in die Welt und die Gesellschaft that , einen jungen Grafen zu erobern , der vor ihr auf den Knieen lag und sie anbetete ! Was wohl Bernhard dazu sagte ? Ob er es noch versuchte , sie wieder in die Kinderstube zu schicken ? Bernhard sagte vorläufig gar nichts , er machte einige Male einen Gang durch das Zimmer und blieb endlich dicht vor ihr stehen . „ Und was hast Du dem Grafen darauf geantwortet ? “ „ Ich sagte ihm , er brauche gar nicht zu verzweifeln , er könne ja nach Dobra kommen und uns besuchen , Du würdest gewiß – ja freilich , Bernhard ! “ unterbrach sie sich auf einmal schmollend , „ da wußte ich noch nicht , daß Du so ungezogen gegen ihn sein würdest , als es nachher der Fall war . “ „ Ich fürchte , ich werde dem Herrn Grafen noch ungezogener erscheinen , wenn er wirklich hierherkommen sollte , woran ich zweifle . Ich würde mir seine Besuche ein für alle Mal verbitten , und Du würdest in diesem Falle auf Deinem Zimmer bleiben , und überhaupt nicht in seinen Gesichtskreis kommen . “ Lucie fuhr erschreckt und empört auf . „ Ah Bernhard , das ist abscheulich ! Wie kannst Du den Grafen so beleidigen , blos weil Du nun einmal Alles hassest , was vornehm ist , und weil es sich mit Deinen demokratischen Principien nicht verträgt , daß ich Gräfin Rhaneck werde ! “ „ Gräfin Rhaneck ! “ wiederholte Bernhard langsam . „ Ah so , Du meinst , der Graf habe Dir einen Heirathsantrag gemacht . “ Lucie hob das Auge zu ihm empor , noch funkelte die Entrüstung darin , aber daneben leuchtete auch noch die vollste Unbefangenheit des Kindes . „ Nun , er hat mir doch gesagt , daß er mich liebe , daß er ohne mich nicht leben könne ! Was soll denn anderes damit gemeint sein ? “ Der Bruder blickte tief in die blauen Kinderaugen des jungen Mädchens , und seine Stimme wurde unwillkürlich milder . „ Ich bezweifle , Lucie , daß der Graf gerade dies meinte . Doch gleichviel , für Dich kann nur dieser eine Fall in Betracht kommen . Du kennst Gott sei Dank noch keinen andern und sollst ihn auch nie kennen lernen , aber “ – hier nahm sein Ton plötzlich eine seltsame Härte an – „ nimm Dich in Acht vor diesem Geschlechte , Kind , selbst wenn es Dir scheinbar ehrenhaft naht . Einem Rhaneck ist Alles möglich , selbst das , ein angetrautes Weib zu haben , das nicht Gräfin Rhaneck heißt ! “ Betreten schaute Lucie ihn an , sie vermochte sich diese Worte nicht zu enträthseln , die Gräfin trug ja doch den Namen ihres Gemahls , wie es auch nicht anders möglich war . „ Kennst Du denn die Rhaneck ’ sche Familie näher ? “ fragte sie erstaunt . „ Ich dachte , Du sähest sie heute zum ersten Male . “ Bernhard gab keine Antwort ; er schien jene übereilten Worte schon zu bereuen , langsam zog er die Schwester wieder zu sich und hob ihren Kopf empor . „ Höre mich an , Lucie , und vergiß nicht , daß ich jetzt im vollsten Ernste zu Dir spreche . Ich verbiete Dir hiermit jeden ferneren Verkehr mit dem Grafen , gleichviel ob er ihn mündlich oder schriftlich versucht , gleichviel wo und wie er sich Dir naht . Du sollst mit diesen Rhanecks nicht in Berührung kommen , ich will es nicht ! Richte Dich danach . “ Es lag in der That ein furchtbarer Ernst in seinen Zügen und eine erstreckende Härte in seinem Ton , wie Lucie beides noch niemals an dem Bruder gesehen , aber sein despotisches Verbot , so