entbrennen , der im Osten über die Heide emporstieg . Da mußte ich meine Hände falten : O Herr , mein Gott und Christ , Sei gnädig mit uns allen , Die wir in Sünd gefallen , Der du die Liebe bist ! – – Als ich draußen war , wo die breite Landstraße durch die Heide führte , begegneten mir viele Züge von Bauern ; sie hatten ihre kleinen Jungen und Dirnen an den Händen und zogen sie mit sich fort . » Wohin strebet ihr denn so eifrig ? « fragte ich den einen Haufen ; » es ist ja doch kein Markttag heute in der Stadt . « Nun , wie ich ' s wohl zum voraus wußte , sie wollten die Hexe , das junge Satansmensch , verbrennen sehen . – » Aber die Hexe ist ja todt ! « » Freilich , das ist ein Verdruß « , meineten sie ; » aber es ist unserer Hebamme , der alten Mutter Siebenzig , ihre Schwestertochter ; da können wir nicht außen bleiben und müssen mit dem Reste schon fürlieb nehmen . « – – – Und immer neue Scharen kamen daher ; und itzund taucheten auch schon Wagen aus dem Morgennebel , die statt mit Kornfrucht heut mit Menschen voll geladen waren . – Da ging ich abseits über die Heide , obwohl noch der Nachtthau von dem Kraute rann ; denn mein Gemüth verlangte nach der Einsamkeit ; und ich sahe von fern , wie es den Anschein hatte , das ganze Dorf des Weges nach der Stadt ziehen . Als ich auf dem Hünenhügel stund , der hier inmitten der Heide liegt , überfiel es mich , als müsse auch ich zur Stadt zurückkehren oder etwan nach links hinab an die See gehen , oder nach dem kleinen Dorfe , das dort unten hart am Strande liegt ; aber vor mir in der Luft schwebete etwas wie ein Glück , wie eine rasende Hoffnung , und es schüttelte mein Gebein , und meine Zähne schlugen an einander . › Wenn sie es wirklich war , so letzlich mit meinen eigenen Augen ich erblicket , und wenn dann heute – ‹ Ich fühlte mein Herz gleich einem Hammer an den Rippen ; ich ging weit um durch die Heide ; ich wollte nicht sehen , ob auf der Wagen einem auch der Prediger nach der Stadt fahre . – Aber ich ging dennoch endlich seinem Dorfe zu . Als ich es erreichet hatte , schritt ich eilends nach der Thür des Küsterhauses . Sie war verschlossen . Eine Weile stund ich unschlüssig ; dann hub ich mit der Faust zu klopfen an . Drinnen blieb alles ruhig ; als ich aber stärker klopfte , kam des Küsters alte halb blinde Trienke aus einem Nachbarhause . » Wo ist der Küster ? « fragte ich . – » Der Küster ? Mit dem Priester in die Stadt gefahren . « Ich starrete die Alte an ; mir war , als sei ein Blitz durch mich dahin geschlagen . » Fehlet Euch etwas , Herr Maler ? « frug sie . Ich schüttelte den Kopf und sagte nur : » So ist wohl heute keine Schule , Trienke ? « – » Bewahre ! Die Hexe wird ja verbrannt ! « Ich ließ mir von der Alten das Haus aufschließen , holte mein Malergeräthe und das fast vollendete Bildniß aus des Küsters Schlafkammer und richtete , wie gewöhnlich , meine Staffelei in dem leeren Schulzimmer . Ich pinselte etwas an der Gewandung ; aber ich suchte damit nur mich selber zu belügen ; ich hatte keinen Sinn zum Malen ; war ja um dessen willen auch nicht hieher gekommen . Die Alte kam hereingelaufen , stöhnte über die arge Zeit und redete über Bauern- und Dorfsachen , die ich nicht verstund ; mich selber drängete es , sie wieder einmal nach des Predigers Frau zu fragen , ob selbige alt oder jung , und auch , woher sie gekommen sei ; allein ich brachte das Wort nicht über meine Zungen . Dagegen begann die Alte ein lang Gespinste von der Hex und ihrer Sippschaft hier im Dorfe und von der Mutter Siebenzig , so mit Vorspuksehen behaftet sei ; erzählete auch , wie selbige zur Nacht , da die Gicht dem alten Weibe keine Ruh gelassen , drei Leichlaken über des Pastors Hausdach habe fliegen sehen : es gehe aber solch Gesichte allzeit richtig aus , und Hoffart komme vor dem Falle ; denn sei die Frau Pastorin bei aller ihrer Vornehmheit doch nur eine blasse und schwächliche Kreatur . Ich mochte solch Geschwätz nicht fürder hören ; ging daher aus dem Hause und auf dem Wege herum , da wo das Pastorat mit seiner Fronte gegen die Dorfstraße liegt ; wandte auch unter bangem Sehnen meine Augen nach den weißen Fenstern ; konnte aber hinter den blinden Scheiben nichts gewahren als ein paar Blumenscherben , wie sie überall zu sehen sind . – Ich hätte nun wohl umkehren mögen ; aber ich ging dennoch weiter . Als ich auf den Kirchhof kam , trug von der Stadtseite der Wind ein wimmernd Glockenläuten an mein Ohr ; ich aber wandte mich und blickte hinab nach Westen , wo wiederum das Meer wie lichtes Silber am Himmelssaume hinfloß , und war doch ein tobend Unheil dort gewesen , worin in einer Nacht des Höchsten Hand viel tausend Menschenleben hingeworfen hatte . Was krümmete denn ich mich so gleich einem Wurme ? – Wir sehen nicht , wie seine Wege führen ! Ich weiß nicht mehr , wohin mich damals meine Füße noch getragen haben ; ich weiß nur , daß ich in einem Kreis gegangen bin ; denn da die Sonne fast zur Mittagshöhe war , langete ich wieder bei der Küsterei an . Ich ging aber nicht in das Schulzimmer an meine Staffelei , sondern durch das Hinterpförtlein wieder zum Hause hinaus . Das ärmliche Gärtlein