ob wenig oder viel , du hast Grund , mein Gebieter , an meiner Treue nicht zu zweifeln . So böse bin ich nicht und auch nicht so kurzsichtig und abenteuerlich , daß ich an dir zum Verräter würde . Doch hat deine scherzende Weisheit meinen wunden Punkt getroffen ; denn du kennst meine unvollkommene Natur und mein zur Erniedrigung der Dienstbarkeit geschaffenes Wesen . Sei es frühe Gewohnheit des Herrendienstes , sei es die Eigenschaft meines Stammes und Blutes , ich kann dem gesalbten Haupte und den hohen Brauen der Könige keinen Widerstand leisten . – Und da du so glücklicher Laune bist und ein Wohlgefallen hast an deinem Knechte , erkühnt er sich , dir in dieser traulichen Einsamkeit einen Rat zu erteilen : Gib mich nie aus deiner Hand in die Hand eines Herrn , der mächtiger wäre als du ! – Denn in der Schmach meiner Sanftmut müßte ich ihm allerwege Gehorsam leisten und seine Befehle ausführen auch gegen dich , o König von Engelland ... Aber ich rede töricht ... wo ist der König , der mächtiger wäre als du ? Welche Herrschaft kann mit der deinigen hadern ohne ihren eigenen Schaden und Verlust ? Siehe , es lebt keiner , der dich vor Gericht zöge ! . . . Darum rede ich töricht und spreche von etwas , das nicht vorhanden ist , von einem Traum , einem Hauch , einem Nichts . ‹ Der König mochte diese Rede nicht höher anschlagen , als der Kanzler , denn nachdem er ein bißchen gesonnen , gähnte er , wie zu einer unnützen und unangenehmen Betrachtung und befahl mir , ihm einen Becher Weines zu reichen . – Auch ich konnte mir aus der Rede des Kanzlers nichts machen und legte es mir erst später aus , daß der heimlich zu Tode Verwundete verdeckter und zweifelnder Weise von der dunkeln und langsamen Rache Gottes sprach . Herr Heinrich erhob den Becher , betrachtete das schimmernde Gold des Rheinweins , als ergötze er seinen Geist an dessen Klarheit , leerte den starken Trank auf einen Zug und lachte , daß ihm die Augen übergingen . › Wie du mir vorkommst , mein Thomas ‹ , lallte der Herr mit unsicherer Zunge , denn er hatte durstig getrunken und der Wein stieg ihm zu Kopfe , › immer erhabener ! . . . Meiner Treu – ich weiß nicht , was ich rede , aber nicht übel Lust hätte ich , dir ein Meßglöcklein um deinen Ziegenhals zu hängen und dich in Treufels Namen mit einem Ruck auf den Stuhl von Canterbury zu setzen ! . . . Dort throne mir und orakle gegen den Heiligen Vater ! . . . ‹ Der Kanzler erhob sich rascher , als seine Gewohnheit war . › Unter dieser Eiche ist nicht gut wohnen ‹ , sagte er . › Es mag in der Vorzeit grausamer Zauber unter ihr getrieben worden sein ! – Ihr Schatten verwirrt das Hirn . ‹ Hier verstummte das Gespräch . So ganz neben das Ziel traf übrigens mein Herr und König in der Laune seiner Trunkenheit nicht , wenn er meinte , der Kanzler ergebe sich zeitweilig tiefsinnigen und wunderbaren Betrachtungen . Ich selbst weiß davon zu erzählen . In der Vorhalle , wo ich oft meines Herrn gewärtig mich stundenlang aufhielt und auch der Kanzler zuweilen , ohne meiner zu achten , in tiefem Sinnen auf und nieder schritt , hing in einer düstren Ecke ein großer hölzerner Kruzifixus , ein grobes , mageres Werk , aber ein Haupt mit rührenden Zügen . Der König hielt ihn hoch in Ehren , weil sein Vorfahr , Wilhelm der Eroberer , ihn vor der Schlacht bei Hastings inbrünstig angebetet und durch seine Macht dann auch den Sieg erlangt hatte . Auf dieses Bildwerk hatte der Kanzler sich sonst wohl gehütet , seine verwöhnten Augen zu heften ; denn er verabscheute das rieselnde Blut und das Häßliche . Aber in jener Zeit hörte ich zuweilen mit Verwundern , wie er mit dem gebräunten Kruzifixus Zwiesprache hielt . In arabischer Zunge , ich vernahm es deutlich , flüsterte er mit ihm . – Ich freute mich , daß er sich an den guten Tröster wandte , obschon mir dabei fast unheimlich zumute war ; denn , Herr , ich hörte davon zu wenig und zu viel und Dinge , die ich nicht gern wiederholen mag , weil sie , wenn nicht Eure Seele gefährden , doch Eurer Frömmigkeit zum Ärgernis sein könnten Wußt ich doch nicht , inwieweit Herr Thomas das maurische Wesen von sich getan und ob er , wie wir , den Hochgelobten , der am Kreuze hängt , als den heiligen Gott selber anrufe . Einzelne Stoßseufzer , unzusammenhängende Worte nur vernahm ich in der allmählich aus meinem Gedächtnisse entschwindenden Sprache , die mich erbauten oder auch erschreckten . Innig und schmerzvoll sprach er zu dem stillen Gekreuzigten , aber lästerlich und wie zu seinesgleichen , so schien mir . Also geschah es eines Tages , daß der Kanzler wiederum vor dem Bildnisse stand ohne mich gewahr zu werden , der , in einer Ecke des weiten Gemaches auf einem Schemel sitzend , sich stille hielt und gering machte . › Auch du hast gelitten ‹ , so hauchte er , › und wohl so grausig , als du hier in der Marter schwebst ! . . . Warum ? Warum ? . . . Der Welt Sünde zu tragen , steht geschrieben ... Was hast du gesühnt , du himmlisches Gemüt ? . . . Friede solltest du bringen und an den Menschen ein Wohlgefallen ... aber , siehe , diese Erde dampft und stinkt noch von Blut und Greuel ... und Schuld und Unschuld wird gemordet wie vor deiner Zeit ! . . . Sie haben dich geschlagen , angespieen , gemartert ... Du aber beharrtest in der Tapferkeit der Liebe und batest am Kreuze für deine Mörder ... Verscheuche den Geier des