wieder schärfer werdenden Augen in einer Fensternische zwei sich zusammen beratende würdige Männer im dunkeln Professorentalar , von denen er sich erinnerte , daß sie unter seine Traumgestalten getreten waren . » Eminenz ist gerettet ! « sagte jetzt der eine und der andre nickte zustimmend mit dem Haupte . » Ich danke den gelehrten Herrschaften für ihren Beistand « , flüsterte Ippolito mit versagender Stimme , » und ersuche sie , mich eine kurze Weile mit der Hoheit des Herzogs allein zu lassen . « » Einen Moment ! « erinnerte der eine der Paduaner und erhob warnend den Finger . Beide verließen die Kammer . » Was war es in Belriguardo ? Ist es wahr , habe ich den Bruder geblendet ? « Der Herzog bejahte betrübt . » Lebt er ? « Wiederum bejahte der Herzog . » Sieht er schrecklich aus ? « » Ich habe ihn nicht mehr gesehen . Zuerst weil ich nur an dich dachte , und dann , weil er mit Ferrante sich gegen uns verschwor , da er sich rächen wollte . « » Und du entdecktest das ohne mich ? « » Man verriet sie . Sie liegen beide im Turme zum Tode verurteilt . « Jetzt wurde leise die Tapete gehoben , und eine ärztliche Stimme bat mit Ehrfurcht um Beendigung des ersten Gespräches . Der Herzog küßte die herabhangende Hand des Bruders mit Zärtlichkeit ; denn nicht nur liebte er den Bruder , die Rettung Ippolitos gab ihm auch den unentbehrlichen Ratgeber zurück . » Es ist ein kalter Novembertag « , sagte er , sich erhebend . » Ich gebe Befehl , Feuer in deinem Kamine anzufachen . « So geschah es . Der Kardinal starrte in die steigende Glut . » Lodert auf , ihr Flammen und Peinen ! « seufzte er und sank in Schlummer zurück . Der Kranke erholte sich langsam , oder eigentlich , er erholte sich nicht , denn seine Kraft war gebrochen . Täglich wurde er von Don Alfonso besucht und erhielt nun auch von den Ärzten die Erlaubnis , die an ihn einlaufenden Briefe zu öffnen . Einen derselben hielt er einmal sinnend in der Hand , da der Herzog eintrat . Das Schreiben kam von dem Sforza in Mailand , Ludovico Moro , und hatte einen merkwürdigen Inhalt , den Ippolito dem Bruder nicht vorenthielt . Der Fürst bot dem längst ihm befreundeten Kardinal sein Mailand zum Asyl an . Er redete zu ihm mit Bedauern , aber ohne Vorwurf von dem blutigen Vorgange in Belriguardo , welcher ihm , nach seinem Dafürhalten , ein längeres Bleiben in Ferrara und an der Spitze der dortigen Staatsgeschäfte unmöglich mache ; denn es habe sich wunderbarerweise in einer Zeit , die der Gewalttaten nicht entraten könne , ein unverständlicher Zorn über die Blendung Don Giulios an den italienischen Höfen erhoben . Dagegen gebe es nun keine Waffe , und er erwarte ihn bei sich auf seinem Kastell in Mailand . Er wisse , daß Ippolito die Hoheit des Herzogs seines Bruders und die Politik Ferraras durch seine Gegenwart nicht schädigen wolle , und auch in Mailand wären genug politische Verstrickungen , deren Lösung einer geschickten Hand , wie die seinige sei , bedürfe . » Der alte Fuchs hat recht « , sagte der Kranke ruhig . » Du wirst dich , Bruder , ohne mich behelfen müssen ! « Der Herzog erschrak . » Davon hoffe ich dich abzubringen « , antwortete er . » Wie sollt ich dich entbehren ! ... Oder ersetzen ? « » Durch deine Herzogin « , lächelte der Kardinal . Zu wiederholten Malen kam er mit dem Herzog auf die Unmöglichkeit zurück , daß er im ferraresischen Staatsdienste bleibe . » Ich wundere mich selbst darüber « , sagte er , » doch sehe ich aus meinen Briefen , daß ganz Italien annimmt , ich werde nach der Blendung Giulios nicht mehr bei dir , dem gerechtesten Fürsten Italiens , mich halten können , sondern freiwillig die Verbannung suchen , um es deiner Gerechtigkeit zu ersparen , mich zu bestrafen oder ungestraft zu lassen . Sterben wie ich mich fühle , gehorche ich der öffentlichen Stimme . Aber so lange will ich noch leben und bleiben , bis wir den Dämon wieder gefesselt oder vernichtet haben , der in Kürze Italien verstören wird . Alle meine Schreiben sind voll von Don Cesare . Aus Neapel , aus Rom , aus Frankreich wird mir berichtet , Cäsar rüttle an den Gittern seines Kerkers und habe sie zerbrochen . Ich weiß aus Erfahrung , daß ein Gerücht , das die Geister durch die Luft tragen und nicht müde werden auszustreuen , sich endlich verwirklicht . In dieser Gefahr werde ich noch neben dir stehen , dann gehe ich . « Endlich kam der Tag , da der Kranke sich erhob und Lust äußerte , am Arme eines Dieners seine Schritte zu versuchen . Dieser führte ihn in einen großen anstoßenden Saal , dessen kalte Fliesen man aus Vorsorge für den Kardinal mit feinen Strohteppichen belegt hatte . Während er , auf den Diener gestützt , Fuß vor Fuß setzte , haftete sein Blick auf der langen Strohmatte , über die er wandelte und deren reinliche und geschmackvolle Arbeit ihm auffiel . » Wo wurde das gekauft ? ... Wer hat das geflochten ? « fragte er . Und der Diener antwortete verlegen : » Beim Kerkermeister . Prinz Julius liebt solche Arbeit . « Da war es dem Kardinal , als sehe er feine königliche Hände webend über die Matten huschen . Zu seiner Rechten und Linken , vor ihm , neben ihm , allerenden webten und regten sich zu Hunderten die weißen , fleißigen Geisterhände . Ihm schwindelte und er fiel dem begleitenden Diener in die Arme . 9. Kapitel Neuntes Kapitel Es gab in dem ältesten und untersten Stockwerk des herzoglichen Stadtschlosses , das ein schweres , an mehrere Bauarten und Jahrhunderte erinnerndes Gebäude