strahlende Sonne aufgegangen . Zitternd lag meine Hand in der seinen , und eine namenlose Seligkeit stieg in meinem Herzen auf . Oh , die Welt , das Leben , wie lag es rosig vor mir , und wie schön war es ? Längst befanden wir uns auf dem Rückwege . Ich hatte kaum bemerkt , daß wir umkehrten , ich konnte es nicht fassen , daß er mich liebte , und meinte , ich müsse erwachen aus einem schönen Traum zur traurigen Wirklichkeit . Als wir aus dem Walde kamen , stieg hinter den Wipfeln der alten Linden im Park der Mond empor und warf sein weißes Licht auf die Wege und Felder . Es kam mir vor , als hätte er noch nie so schön geleuchtet . Da rief der Baron : » Gretel , singe uns ein Volkslied , das ist die richtige Stunde dazu : ein Dorf unter Lindenbäumen und Mondschein darüber ausgegossen . Bitte , singe . « » Gretchen , mein Gretchen , sing mir das Lied noch einmal , das ich zuerst von dir hörte « , flüsterte er mir zu , und ich sang , und der ganze Jubel meines Herzens tönte aus mir heraus : Mondschein am Himmel . Unter Bäumen ein Platz . Dort suchte mich abends Mein schwarzäugiger Schatz . So schwarz seine Augen . So rot sein Mund , So golden der Sonnenschein , O selige Stund ' ! So selig , so wonnig . So wunderbar lieb , Oh , ihr Sterne am Himmel , Wenn ' s immer so blieb ' . Mond ist gegangen – » Oh , nicht den letzten Vers « , sagte er rasch , » nie den letzten , er ist so traurig und paßt nicht für uns . « Erschrocken hielt ich inne . Ja , morgen war er schon fern , aber nur für eine Zeit , es kam ja ein Tag , an dem ich ihm für immer gehören sollte . » Gretchen , unsere Liebe muß vorläufig ein Geheimnis bleiben « , flüsterte er , indem er meine Hand ergriff und sich zu mir herüber beugte . » Niemand darf etwas ahnen , mein Lieb , selbst gegen Hanna schweige . Die Gründe kann und will ich dir jetzt nicht sagen , die schöne Stunde soll nicht getrübt werden . Ich werde oft nach Bendeleben kommen , sehr oft , und es wird und muß sich Gelegenheit finden , dich zu sehen ! Und nun laß mich noch einmal in dein liebes Auge schauen ; wir sind gleich am Schloß . « Da hielten wir an der Treppe . Er hob mich aus dem Sattel und drückte mich an seine Brust . » Oh , ihr Sterne am Himmel , wenn ' s immer so blieb ' « , jubelte er mir leise zu , dann drückte er mir noch einmal die Hand und sagte : » Sei vorsichtig , mein Lieb , und verbirg unser Glück . « » Darf auch mein Vater nichts wissen ? « fragte ich leise . » Nein , Gretchen , sobald es geht , sage ich es ihm selbst . « Hannas Herantreten machte unserem Gespräch ein Ende , und ich fand mich erst wieder , als ich oben in unserem Stübchen war , vor meinem Bette niederkniete und den Kopf in die Kissen gedrückt , dem lieben Gott für das große , unverdiente Glück gedankt hatte . Ich kam mir so stolz vor , so sicher ; oh , was würde mein Vater sagen und Kathrin ! Kathrin , wie schlecht hast du von den Menschen gedacht , wie unrecht hattest du . Oh , über dieses namenlose Glück ! Dann lief ich vor den Spiegel und lachte mich an . Es kam mir so wunderbar vor , daß er in meine Augen gesehen , meinen Mund geküßt hatte . Wer doch diese Zärtlichkeit erzählen dürfte ! Was würde Kathrin für Augen machen , wenn ich ihr sagen könnte : » Kathrin , hast du schon einmal eine Braut gesehen ? Sieh mich an , ich bin eine , und die glücklichste auf der ganzen Welt ! « Wer es war auch schön , daß es niemand wußte ! Ich wollte ganz fremd tun , nur hin und wieder einen Blick . – Und nun mußte ich hinunter – wo blieb nur Hanna ? Ich bemühte mich , ein gleichgültiges Gesicht zu machen . Ob es mir gelungen ist , ich weiß es nicht . Es achtete aber auch niemand auf mich , denn als ich in den kleinen Salon trat , fand ich alles in größter Aufregung . Einen Augenblick herrschte Schweigen , als ich erschien . Der Baron ging mit heftigen Schlitten auf und ab , Frau v. Bendeleben saß am Kamin und sah bleich aus und zupfte in nervöser Hast an den Fransen ihres Kleides , und dort auf dem niedrigen Sessel saß Hanna , das Gesicht in ihr Taschentuch verborgen , die ganze Gestalt wie gebrochen . Er war nicht da . » Sei vernünftig , Hanna « , ertönte des Barons Stimme wieder , » und überlege . Wie kannst du von mir verlangen , daß ich sofort zu allem ja und Amen sage ? Es ist ein törichtes Ansinnen , daß ich es nur deiner Jugend anrechnen mag . Du kennst ihn kaum vierzehn Tage . Wie kann ich dein Geschick in die Hand eines Mannes legen , der uns allen noch so fremd ist ? Was habe ich für eine Bürgschaft für dein Glück ? « » Ach , Bernhard « , unterbrach ihn Frau v. Bendeleben , » verschwende deine Worte nicht weiter . Hanna muß und wird sich zusammennehmen und diese eigentümlichen Ideen fallen lassen . Ich begreife nicht , daß ich nichts bemerkt habe von dieser angehenden Schwärmerei . Mir machte über Herr v. Bergen einen so durch und durch vernünftigen Eindruck – « » Oh , Mama «