bestimmten Zuschuß verpflichteten . Viel war ' s nicht , meine Gnädige . Herrgott , ich begreife jetzt manchmal nicht , wie ich damit durchgekommen bin , aber damals , in meinem Glückstaumel , schien mir die Summe unsagbar großartig und einen beseligteren Menschen mag es zu jener Zeit schwerlich in ganz A . . . , und H . . . dazu , gegeben haben wie mich . Ich schämte mich ordentlich , Korl Lorensen diesen Sieg mitzuteilen , jedenfalls tat ich es so schonend als möglich ; es war auf dem Spaziergang am folgenden Tage . » Je , Korl , ick gah nu aber wirklich na Dresden , « begann ich . Er blieb stehen und sah mich mit seinen blauen Sehnsuchtsaugen an . » Du geihst na Dresden ? « fragte er , » wiß un wohrhaftig , Albert ? « » Ja ! Na , en büschen benaut is mi ja nu doch woll , « log ich , um ihn nicht zu sehr zu betrüben . » O , ick gah mit , Albert , ick gah mit ! « 97 » Korl , min leewe gode Korl , dorto is ' n groten Geldbüdel nödig . « » Je , Albert , hest du em denn ? « » Ja , Korl , min Oll , de hett jawoll wat opdrewen . « » Ick gah to min Patin , Albert , se mutt un – se mutt mi Maler studeeren laten . « » Je , hest du denn ne rike Patin , Korl ? « » Ja , wat de Froo Senator Sonnebohm is in H . . . Vör de hett min Mudder wat snidert , un nahsten hett se bi mi Paten stahn . « » Denn gah man tau , vör wat sünd de Patens in de Welt , « ermunterte ich . » Glick – meenst du , Albert ? « » Ja , Korl . Ick reis ' in veertein Dag na Dresden , un wer weet , ob de oll Madam sick nich en büschen besinnt , eh se na ehrn Geldbüdel grippt . « » Denn man glick , Albert , kumm mit bit an de Dör , se wohnt am Börsenplatz . « Und so wanderten wir denn stumm , das Herz voll Hoffnung , nach H . . . und nach dem Börsenplatz . Am Hause verabschiedete sich Korl Lorensen von mir und zog die Klingel . Ich sollte doch hier ein büschen täuwen , meinte er . Ich wartete denn auch getreulich , aber es dauerte gar nicht lange , da kam er wieder mit ganz niedergeschlagener Miene . » So ' n Unglück , « sagte er , » nu is de oll Madam grad gistern storben – je , nu weit ick nix mehr , Albert ! « setzte er hoffnungslos hinzu . Still kamen wir zu Hause an , und still ging jeder von uns in seine Wohnung , Korl Lorensen , um zu weinen , ich , um mich zu freuen , allerdings nicht ohne mitleidig an den armen Jungen zu denken . Armer Korl Lorensen ! Als Eduard Heß an demselben Abend noch hörte , daß ich nach Dresden ginge und sogar ein » büschen « Talent haben sollte , kam der gemiedene , verhöhnte , sonst so menschenscheue Geselle , 98 wie von einem Magnet angezogen , zu uns herüber und geradeswegs in die Wohnstube hinein , was bisher noch nie geschehen war . Meine Mutter erschrak so , daß sie den Schlucken bekam , als er da so plötzlich stand in seinem » verdreihten Uptog « , der mit den Jahren so unansehnlich und fadenscheinig geworden war und den er doch nicht ablegte in seinem Künstlerwahn . Sein langes Haar war gebleicht und stark gelichtet , der Henriquatre struppig und ungepflegt , und auf dem Gesicht des mächtig erregten , entschieden geisteskranken Mannes flackerte eine unnatürliche Röte . » Mein Sohn , « begann er feierlich mit seinem tiefen Organ , » ich höre , du gehst nach Dresden – ich will dich nicht ziehen lassen , ohne dich gewarnt zu haben vor den Klippen und Gefahren , die dir dort drohen , damit du nicht erlebst , was ich erleben mußte – verkannt , verhöhnt , verspottet , verstoßen zu werden ! Ach , Madam Seeberg , ermahnen Sie Ihren Sohn – « und nun trat er auf meine Mutter zu mit ausgebreiteten Armen , wobei ihm der » Wahnsinnsmantel « entglitt und er in einer schier unmöglichen Toilette vor der sehr » schenierlichen « Frau stand , worüber sie , ganz » ut de Tüüt « , zu schreien anfing und zu entfliehen suchte , während mein Vater , in der Meinung , es sei Feuer , aus der Arbeitsstube nebenan mit allen Zeichen des Entsetzens gestürzt kam . Eduard Heß aber redete und schrie und gestikulierte und ließ sich durch nichts beruhigen . Es war unzusammenhängendes , wahnsinniges Zeug , was er hervorsprudelte , und es blieb meinem Vater nichts übrig , als einen Konstabler heraufzuwinken und mit dessen Hilfe den armen Menschen , nicht etwa in seine Wohnung , sondern nach dem Krankenhause zu schaffen . » Sie werden alle sagen , du seist ein Pfuscher , mein Sohn , « schrie er noch von unten herauf , » du habest keinen Funken von Talent – werden sie sagen ! Neid ist ' s , Bosheit ist ' s ! Glaub ' s nicht , es geht dir sonst wie dem Eduard Heß , dem großen , verkannten Eduard He – Heß – – ! « Am Abend schlich ich hinüber zu Korl Lorensen . Er saß im » Atalihr « – jetzt schrieb er das Wort aber richtig , dank seiner 99 fortgesetzten Bemühungen sich zu bilden – und starrte die Skizzen an , die verstaubt und vergilbt an den Wänden hingen . Als er mich erblickte , stand