ab ziehen . Da wurde ich ängstlich . Ich konnte doch nicht mein ganzes Leben damit verbringen , kleine Jungens auf und ab zu schwenken . Und heimlich und voller Rachsucht zwickte ich den vierten , zugleich aber sagte ich mit süßer Stimme » ai , du Püppchen « und schielte ein wenig nach seiner Mama , die dort in der Tür stand und meine Sympathien für ihr Kind als vollkommen gerechtfertigt anzusehen schien . Dieser mütterliche Standpunkt aber war mir denn doch zu viel . Ich zwickte nun etwas stärker , aber die gewünschte Wirkung blieb vorerst einmal aus . Im Gegenteil , meine heimtückische Zartheit erhöhte anscheinend den Reiz dieses Spieles bedeutend . Mein Temperament zog mir Liebhaber und Liebhaberinnen zu . Als wir in völliger Ratlosigkeit Numero zehn auf die Beine gestellt hatten und er sich eben wieder zurückplumpsen ließ , erschien Slim auf der Bildfläche . » Hallo « , schrie er , » ihr seid ja verrückt , spielt euch gefälligst mit etwas anderem ! Aber meine Herren « , sagte er belehrend , » machen Sie uns doch nicht lächerlich ! Das macht man so ! « Er hob einen der Buben auf und warf ihn auf den Boden . Wie ein Ball kam dieser wieder auf die Beine zu stehen und lief verschreckt in eine der Hütten . » Das steht besser , als Sie glauben « , sagte Slim und machte uns auf eine Eigentümlichkeit aufmerksam . Keines der Kinder gebrauchte , mochte es noch so hilflos daliegen , um aufzustehen , die Hilfe seiner Arme . Schwupsdich , griffen sie sich mit den Füßen einfach in die Höhe . Betreten sahen wir auf unsere zehnfach verratene Humanität an Herz und Beinen zurück . Diese Art von Erlebnissen , die nachgerade an die Tagesordnung kamen , brachten mich langsam herunter . Dann kamen die Zustände der Besessenheit , meine zurückgewiesene Koketterie fachte sich zum Wahnwitz an und gab mir Rachegedanken wider meine eigene Person ein . Ich hatte mit meiner Noblesse gewüstet , hatte sie mit vollen Händen hinausgeschmissen , jetzt traten die Gelegenheiten , scharf zu sehen , in Masse auf . Ich war bettelarm , ich stand mitten im Bankerott . Ein großes Unglück , welches , hätte ich nicht auf deutsch sagen können , war geschehen . Das hätte ich mir nicht träumen lassen , daß es einen Platz in der Welt geben könnte , den ich nicht auszufüllen vermögen würde . Wo waren meine Projekte geblieben , wo blieb die kulturelle Annexion dieses Landes , die wir uns in riesengroßen Hirngespinsten ausgemalt hatten ? Während ich so in mein Inneres verfilzt war und Tag über Tag , Nacht über Nacht mit diesem Geschicke haderte , erhielt ich mehrere Schläge auf den Kopf . Veritable Schläge , die meinem Selbstbewußtsein das Genick brachen und meiner Vernunft ein für allemal den Garaus machten . Erst mit dem heilsamen Fieber , aus dem ich in Panama sechzig Tage später erwachen sollte , wich diese dumpfe Überreizung . Jene Schläge aber kamen von Slim . Heute liegt das alles hinter mir . Ich habe einen weiten Kreis von Bekannten und bin imstande , den Menschen Figur abzusehen . Dennoch will es mir nur schwer gelingen , aus Slim , so wie ich ihn bruchstückweise kennen gelernt habe , etwas herauszuschlagen . In der Zeit , in die sein Verhältnis zu mir fällt , war es für mich ausgemacht , daß sein Glanz so gut spießerhaft war , wie der irgendeines der südamerikanischen Bravos , die ich kennen lernte . Sein Feuer schien mir banal und seine Rassigkeit bäurisch . Er stand mit beiden Beinen in der Eleganz , klirrend und kürassiert von oben bis unten , impulsiv , zynisch und , wie mir damals schien , humorlos . Und doch konnte ich zu keinem abschließenden Urteil über ihn gelangen , so sehr dieses Urteil zur Überwindung meiner Demut gelegen gekommen wäre . Dann gestand ich mir einmal , daß ich im Laufe jener Tage Ausflüchte vor jeder Anerkennung getroffen hatte , die ich ihm hätte zollen müssen . Kein Zweifel , Slim war ein großer Mensch ; ich sah ihn zu allen Tageszeiten und unter allen Verhältnissen ; er schien mir das eine Mal belanglos und schmetterte mich das nächstemal durch die einfache Größe , die in einem Wort , einem Gedanken , einer Handlung zum Ausdruck kam , zu Boden . Und ich kam dahin , meiner uneingestandenen Bewunderung freien Lauf zu lassen . Ich war reif zur kampflosen Aufgabe meiner Überlegenheit , des gesunden Gefühls jedes Menschen , der sich zumindest in einer Spezialität jeweils unnachahmlich weiß . Diese Gesundheit hinterhältiger Selbstüberschätzung ist eine Gottesgabe ; ohne sie wären die bedeutenden Zweitklassigen erdrückt , und jeder Grenadier müßte seinen Napoleon hassen . Wieviel haben davon Begeisterte und Anerkennende in ihrer Hingabe an fremde Größe nötig ? Mir aber war diese hygienische Selbstgefälligkeit in eben dem Augenblicke abhanden gekommen , da mich schon das Selbstgefühl meiner Kultur vor dieser Portion Indianerhütten verlassen hatte . Von Hingabe war darum nichts mehr in mir ; ich nährte mich von kleinen Zweifeln in Slims Persönlichkeit . Und doch , Slim war und blieb außerordentlich . Er war voller Widersprüche , aber er war der interessanteste Mensch , den ich mir noch heute vorstellen kann . Er machte den Eindruck launenhafter Gewissenlosigkeit , und am Ende stellte sich in seinem Schwanken Methode heraus . So besaß er große Körperkraft , sie machte sich selbst im Verkehr zwischen uns Weißen nicht immer ohne Drohung bemerkbar . Mir schien , er mache oft den billigsten Gebrauch davon . Er ließ seine maßlose Wut an den Indianern aus , wo es ungefährlich war , und ein anderes Mal stellte er uns zur Rede , weil wir ihm durch Krakeel bei den Rothäuten seine Position verdürben und uns unbeliebt machten . Er liebte , zynische Bemerkungen , und ich hielt ihn für platt . Ich war vergnügt , und