die Hände gefaltet und starrte vor sich hin . Fastrade ging zu ihm und kniete an seinem Stuhle nieder . Sie wußte nicht , was in dem schweigenden , alten Manne vorging , aber wenn ein Leiden ihn quälte , wollte sie nahe bei ihm knien , als könne sie ihm beistehen . Als alles vorüber war und Fastrade in ihrem Zimmer stand , fühlte sie sich so wund und hilflos vor Mitleid und Wehmut , daß sie sich sagte : Wenn ich zu Bette gehe , bleibt mir nichts übrig , als den Kopf in die Kissen zu drücken und zu weinen . Das will ich nicht . Dagegen aber gibt es nur ein Mittel , die Winternacht . Sie nahm ihre Pelzjacke und ihre Otterfellmütze und ging leise in den Park hinaus . Hier hingen die weißen Baumwipfel voll großer , sehr heller Sterne , hier war es wunderbar geheimnisvoll , hier in der klaren Luft , über der knisternden Schneedecke lag es wie ein festliches Erwarten , man stand still und geschmückt da , und die Freuden konnten kommen . Es machte Fastrade auch wieder getrost , ihre Schmerzen und ihre Wehmut waren doch nur kleine abseits liegende dunkele Winkel , das eigentliche Leben war dieses große Flimmern , diese Weite , dieses geheimnisvolle Versprechen und Erwarten . Sie blieb am Gartengitter stehen und schaute auf das Land , auf die weiße Fläche , die im unsicheren Sternenschein zu einem hellen Nebel zerrann , in den hie und da die Lichtpünktchen ferner Häuser gestreut waren . Auf der Landstraße , die am Parkgitter vorüberführte , kam Schellengeklingel heran , ein Pferd erschien und ein Schlitten groß und schwarz im unsicheren , weißen Lichte . Jemand sprang aus dem Schlitten und kam auf das Gitter zu . » Ich dachte es mir gleich , daß Sie es sind , die hier steht « , sagte Egloff und lachte . » Ja , ich bin noch ein wenig herausgekommen « , erwiderte Fastrade . - » Das will ich glauben « , meinte Egloff . » Ich bin auch fortgefahren , um dem Sirowschen Weihnachten zu entgehen . « » Sie fahren öfters in der Nacht herum , höre ich « , fragte Fastrade . Sie wunderte sich nicht über diese Unterhaltung am Gartengitter , sie erschien ihr selbstverständlich , als stünden sie beide in dem Sirowschen Wohnzimmer , nur daß es hier im Sternenschein unterhaltender und kameradschaftlicher war . » So ? Haben Sie das gehört ? « fragte Egloff , » ja , ich habe mir die Ebene hier als eine Art Schlafsaal eingerichtet . Das ist sehr zuträglich . Überhaupt bin ich der Meinung , daß unsere Entwickelung einen verkehrten Weg eingeschlagen hat . Wir sind eigentlich Nachttiere wie all das andere Raubzeug . Am Tag schläft man im Bau , und wenn es dann draußen still und dunkel wird , dann kriecht man heraus , treibt sich herum , schleicht um die schlafenden Wohnungen und Hühnerställe und lebt dann so sein eigentliches Leben . « » Meinen Sie ? « sagte Fastrade . » Ja , das muß zuweilen hübsch sein . « » Sie sollten auf solch einer Fahrt mitkommen « , schlug Egloff vor . Fastrade lachte : » Das wäre doch wohl gegen unsere Gesetze hier . « » Glauben Sie an diese Gesetze ? « fragte Egloff . Fastrade zuckte die Achseln : » Ich glaube nicht an sie , aber ich gehorche ihnen . « » Da haben Sie unrecht , « meinte Egloff , » Sie können sich nicht denken , wie befreundet man sich fühlt , wenn man so zu zweien über die Straßen jagt . « » Doch , ich kann es mir denken « , versetzte Fastrade nachdenklich . Sie hatte ihren Handschuh abgestreift und kühlte ihre Hand in dem Schneestreifen , der sich an das Gitter angesetzt hatte . » Also für diese Freundschaft bin ich zu feige . « » Feige sind Sie nicht « , versicherte Egloff mit Überzeugung . » Sie haben nur noch den Aberglauben an diese kleinen , triefäugigen Gesetzesaugen , die von den Schlössern in die Nacht hineingehen . Das da drüben ist Barnewitz . Wie lächerlich doch solch ein Licht neben den Sternen aussieht . Na , gleichviel , wenn die Freundschaft so nicht zustande kommt , muß es anders gemacht werden . Mein Brauner wird höllisch unruhig , gute Nacht . « Sie reichten sich durch das Gitter hindurch die Hand , Egloff ging zu seinem Schlitten , und Fastrade lief den Weg dem Hause zu . Sie glaubte , sie würde jetzt schlafen können , ohne weinen zu müssen . An einem der Feiertage kam Gertrud Port nach Paduren , um Fastrade zu besuchen . Sie war wieder sehr schlank und schmächtig in ihrem Kleide von zeitlosem Schnitt , das Gesichtchen , über und über weiß von Puder , schien kleiner geworden , die Augen waren unnatürlich groß . Sie klagte über ihre Gesundheit ; » das Leben vergeht in Müdigkeit und Melancholie « , meinte sie . Als die beiden Mädchen jedoch in Fastrades Zimmer am Kamin saßen , begann Gertrud von Dresden zu sprechen , und das belebte sie . » Du weißt , « sagte sie , » zu Hause darf ich davon nicht sprechen , und wenn ich Sylvia einmal etwas erzähle , dann sehe ich es ihren Augen an , zuerst , daß es ihr nicht gefällt und dann , daß sie nicht mehr zuhört . « So erzählte sie denn von der schönen Zeit , da sie tun konnte , was ihr beliebte , ohne saure Bemerkungen hören zu müssen , da jeder Tag ein neues Erlebnis , eine neue Emotion brachte . Sie erzählte , wie man abends mit den Freundinnen und Freunden im Café gesessen und Zigaretten geraucht hatte . » Siehst du , nicht nur das Leben und die Menschen waren interessant , nein , man war