. Auch nahm sie die Schinken in Pflege , denn die Kate hatte keinen Schornstein , und aller Torfrauch sammelte sich auf der Diele , die die beste Rauchkammer weit und siet abgab . Im Sommer spielte sie Fischfrau in Hamburg , auch suchte sie Regenwürmer mit der Laterne für die Aalfischer . Sill war ein wenig wunderlich geworden in ihrem harten Leben und galt auf dem Eiland allgemein als eine Hexe , die einem etwas antun konnte . Sie trauten ihr nicht , aber sie hüteten sich , es merken zu lassen . Niemand verdarb es gern mit ihr , denn manchem Fischermann , der sie schief angeguckt hatte , war es schlecht ergangen , er hatte den Mast abgebrochen oder andere große Haverei bekommen , die Kurre eingebüßt oder nichts gefangen . Manch einen gab es am Deich , der an Hexen und Blaufärben glaubte und nicht fuhr , ohne sein Fahrzeug vorher gehörig ausgeräuchert zu haben . Man mußte Thees to Baben hören , den Hexenmeister , dann wußte man erst Genaueres über die mannigfaltige Tätigkeit dieses Weibes . Einmal hatte Peter Külper seine Kurre geloht und sie zwischen den Eschen zum Trocknen aufgehängt . Nachts wachte er mit einem Mal auf , und es trieb ihn , aus dem Fenster zu gucken , da sah er die alte Sill im Mondlicht zwischen den Bäumen gehen und bemerkte , daß sie seine Kurre berührte . » Nu bün ik behext « , dachte er . Am Morgen besah er die Kurre genau und fand einen Pfennig , in das Steerttau geklemmt . Er pulte ihn heraus und vergrub ihn , und das war sein Glück , denn sonst hätte er das Netz auf der ersten Reise gleich an den Steinen zerrissen . Also sprach Thees to Baben . Einer der wenigen , die von solchem Hünenglauben nichts hielten , war Klaus Mewes , der Lachende , und als er einmal darüberzukam , als Gesa dem Jungen einschärfte , doch ja nichts von der Frau anzunehmen , keinen Apfel und keine Birne , da sagte er ernsthaft : » Mudder , gläuf doch ne an Hexen un sowat . De arme Froo kann ne mihr as du . Wat schull de den Jungen woll geben ? De freit sik , wenn se sülben wat to bieten hett ! « Und dann sagte er , um das Unrecht gutzumachen , das Gesa ihr nach seinem sicheren Gefühl zugefügt hatte : » Wi hebbt noch een poor Schullen ober : kumm , Störtebeker , un bring Sill de hin ! « Der Junge tat es : Sill war vergnügt und wollte ihm einen Apfel schenken , aber sie konnte nicht gleich einen finden und sagte ihn für später zu . Als Störtebeker einen Tag wieder von seinem Kahn kam , dachte sie daran , klinkte die Tür auf und sagte : » Mol rin , Jung , schallst wat Scheuns hebben . « Er ließ sich nicht lange nötigen , aber er guckte sich erst um , ob ihn die Mutter auch nicht sah . Als die Luft rein war , trat er auf die dunkle Diele , denn bange war er nicht . » U , Sill , wat bitt de Rook mi inne Ogen « , rief er . » Jä , jä , de Rook ! De is slecht för de Ogen , obersen god för de Schinken « , sagte die Alte und kroch in das Kellerloch hinein , das unter den Wandbetten war . » Junge , wat een barg Schinken ! Hürt di de all to , Sill ? « Sill saß ganz im Stroh und musselte darin umher , wie ein Schwein im frischbestreuten Koben . Zu sehen war gar nichts mehr von ihr , nur noch zu hören . Ein anderes Kind wäre ängstlich geworden und hätte die Beine in die Hand genommen , aber Störtebeker wußte nichts davon . » Wat seggst du , Junge ? « » Ich meen , wat dat all dien Schinken sünd ? « wiederholte er lauter . » Jo , all mien Schinken . « » Diern , denn kannst du di woll frein ! « Die schwarze Katze erhob sich auf dem Herde und sah ihn mit glühenden Augen an . » Is dat de Katt oder de Koter , Sill ? « Die Alte tauchte gerade wieder aus der Versenkung auf.wie der Geist von Hamlets Vater . Sie hatte Strohhalme in den Haaren und zwei Äpfel in der knochigen Hand . » Dat is de Koter , Störtebeker , de Koter is dat . De Katt hett Junge : wenn du Lust hest , kannst jüm offermorgen all versupen . « » Jo , Sill , dat mokt jo Spoß « , sagte er gemütlich , sie aber gab ihm die Äpfel und bemerkte dazu , es seien die letzten , die wären für die Fische von damals , und er solle sie sich nur schmecken lassen . Er nahm sie ohne Danke an und machte , daß er hinaus kam , denn er konnte den beißenden Rauch nicht mehr aushalten . Auf dem Deich überlegte er , was er nun tun sollte , und betrachtete die schönen , rotbäckigen Äpfel . Wie fein die rochen ! Ob sie wohl behext waren , und ob er wohl krank davon wurde , wenn er sie aß ? Die Mutter hatte es gesagt , aber sein Vater hatte darüber gelacht , und sein Vater war der Oberste für ihn : er wollte sie getrost essen . » Klaus , kumm hier mol her ! Wat hest du dor , wat sünd dat för Appeln ? « - rief die Mutter , die mit einem Mal neben ihm stand . O weh , - das hätte nicht kommen dürfen . » Kantappeln , Mudder ! « - » Keen hett di de geben ? « Junge , daß sein Vater ihm das Lügen verboten hatte !