waren drinnen im Salon . Ach , man sollte doch immer abends seine Tür zuschließen . Ich muß zugeben , daß der Schein gegen mich sprach : Bobbys Anwesenheit - Johns Zimmer - der Knabenanzug - und es tat mir furchtbar leid , den armen Pedro so empfangen zu müssen . Wie es sich dann weiter entwickelte ? Immerhin noch harmonischer , als man hätte annehmen sollen . Wenn ich ein schlechtes Gewissen habe ( schlechtes Gewissen ist das Gefühl , einem anderen etwas Unangenehmes getan zu haben ) , kommen immer meine schönsten Herzenseigenschaften zum Vorschein . Ich hätte es nicht über mich gebracht , mich in Bösem von ihm zu trennen . Es war dieses Mal eine phantastisch schwere Aufgabe , aber sie ist gelöst worden . Pedro und ich fuhren noch denselben Abend nach Amalfi und nahmen dort drei Tage lang Abschied . Wir haben uns auf vorläufige Trennung geeinigt . Mit dem Durchbrennen wäre es ohne des Onkels Zustimmung doch eine untunliche Sache gewesen . Er sollte also mit dem Onkel , den Sir John inzwischen bändigte , nach Sizilien zurückfahren und ruhig heiraten . Ich hoffe , Sie , teurer Doktor , werden nie wieder an meinem Altruismus zweifeln . Dieser Mann braucht entschieden eine Frau , die ihm immer treu ist , und ich habe ihm wohl oder übel auseinandersetzen müssen , daß mir das schwerfallen würde . Wir gedenken uns zwar über kurz oder lang wiederzusehen , aber der Abschied ist uns doch recht schwer geworden . Es ist ein Elend - habe ich jemanden sicher und für immer , so wird es mir bald über , aber wenn ich ihn weggeben muß , reut es mich wieder . Jetzt ist er fort . In mein Hotel bin ich nicht mehr zurück , sondern habe mich drüben einquartiert . Sie kennen meine Gewohnheit , nach jeder Katastrophe vor allem gründlich auszuschlafen - so habe ich mich auch diesmal gleich in mein Zimmer zurückgezogen und von Montag bis Donnerstag immer nur geschlafen . John und Bobby besuchten mich von Zeit zu Zeit und waren sehr besorgt um Wohlergehen und Seelenzustand . Sie wußten eben noch nichts vom Katastrophenschlaf , und ich konnte sie erst darüber belehren , als er zu Ende war . Und jetzt ? Ja , das weiß ich noch nicht , jetzt muß ich mich erst wieder vom vielen Schlafen erholen ... 19 Vorausgesehen - Sie tun sich leicht , lieber Freund . Wenn etwas geschieht oder geschehen ist , brauchen Sie nur den Epilog zu machen . Und Pedros Grabrede war allerdings eine Ihrer Glanzleistungen . Das Engagement war nicht für die Ewigkeit , das , ja , das konnte man wohl voraussehen . Und doch : wäre das Wiedersehen nicht so unglücklich inszeniert gewesen und der Onkel nicht so hartherzig , dann säßen wir jetzt vielleicht Hand in Hand auf einem Ozeandampfer . Ob ich nun mein wahres Lebensglück verscherzt habe oder ob es vielleicht ungeheuer gescheit war , selbiges zu verscherzen - wer kann das sagen ? Die Trennung von John und Bobby hätte mir wahrscheinlich ebensosehr das Herz gebrochen . Pedro konnte ich eigentlich doch nur im Ensemble , allein wäre ich ihm auf die Länge nicht gewachsen gewesen . Unsere Koffer stehen schon halb gepackt , und dies ist voraussichtlich der letzte Brief , den ich Ihnen von hier aus schreibe . Die nächste Programmnummer wird heißen : Bobbys Insel . Sir John will uns in Bälde nachkommen . Dann wollen wir den ganzen Sommer in der Sonne liegen und Bobby zum mondänen Dichter erziehen . John hat ja sozusagen die Verantwortung übernommen , daß etwas aus ihm wird , und er meinte , für diesen Typus würde er sich am besten eignen . Die beiden haben noch viel mit ihren Reisevorbereitungen zu tun und sind meist in der Stadt . Ich habe auf der Terrasse einen traumhaft bequemen Schaukelstuhl und verbringe diese letzten Tage in stiller Beschaulichkeit . Dabei habe ich eine neue Erkenntnis gewonnen - wieder einmal , werden Sie sagen . Aber diese hat sehr viel Endgültiges . Lieber Freund , ich bin mir darüber klargeworden , daß mein Leben nach einem umgekehrten Prinzip verläuft - oder ist es deutlicher so : das Prinzip meines Lebens ist , daß alles umgekehrt geht . Sie haben Sir Johns Diagnose anerkannt : ich bin im Grunde faul und energielos und gerate doch so oft in Lebenslagen , die Energie erfordern , also muß ich meiner Bestimmung entgegengesetzt handeln . Das erweckt einen falschen Eindruck , der mich wiederum zu lauter umgekehrten Handlungen zwingt . Nicht wahr , das stimmt ? Ferner : ich habe so viel Anlage zu passivem Glück , und dabei sind meine Glücke fast immer stürmisch und bewegt . Ich kann keine Konflikte , und immer gibt es welche . Vor allem aber : was ich auch tue , beginne und plane , unweigerlich kommt dabei das Gegenteil heraus . Das kann doch nicht nur Zufall sein . Unternehme ich etwas ungemein Nützliches und Wohlüberlegtes , so gibt es sicher den größten Unsinn . Tue ich aber gänzlich unzweckmäßige und unüberlegte Dinge , dann kommt etwas Vernünftiges zustande . Kurz , ich ernte nie , was ich gesäet habe , sondern jedesmal ewas ganz Überraschendes . Und die Moral : wem das Los so fällt wie mir , nämlich umgekehrt , der suche eben umgekehrt zu leben , immer von vornherein das Umgekehrte zu tun - dann muß es sich wieder ausgleichen . Seit diese Erleuchtung über mich gekommen ist , bin ich sehr zufrieden . Ich begreife , daß in der Erkenntnis wirkliches Glück liegen kann . Alle weitere Gedankenarbeit überlasse ich Ihnen , es war schon eine bedeutende Leistung , Ihnen das alles so wohlgeordnet vorzutragen . Und die praktische Anwendung - mein lieber , guter Freund ? Wie Sie mir schreiben : es wäre sicher das beste , wenn ich jetzt zurückkäme , dorthin , wo ein getreues Herz