, in seinen Mantel gehüllt , in dem dunstigen , leeren Tanzsaal eines Dorfwirtshauses , - während draußen die naßkalte Nacht des schlesischen Winters lag , - er malte ein paradiesisches Bild , von einer Insel mit ewigem Frühling , umgürtet vom blauen , schimmernden Meer , - auf der , in einer stattlichen Ansiedelung , sie und er als wohlbegüterte Farmer saßen . In ihr aber wuchs das Eine , das Deutliche : nie , nie . Nicht eines seiner Worte führte sie irre . Immer genauer wußte sie , was auch Stiller wußte , - daß das Leben diesen da erst noch tiefer drücken müßte , bevor er nüchtern würde . Mit starken , harten Worten sagte sie sich los von ihm . Es kam ihm unerwartet , - und er begann sie zu schmähen . Sie stand auf und ging durch den langen Saal der Türe zu . Er rief ihr immer wildere Worte nach . Plötzlich schwieg er . War es eine Ahnung , die ihren Kopf noch einmal zu ihm zurückwandte ? - - - Im trüben Schein der Lampe und durch den wolkigen , rötlichen Dunst , der sich vor ihre Augen legte , - sah sie , - daß er seinen Revolver mit gestrecktem Arm nach ihr hinhielt . Da durchzuckte es sie mit plötzlicher Klarheit : sie wußte , daß ihre Hände die Türschnalle nicht berühren durften ... Sie wandte sich ihm vollends zu und lehnte sich , scheinbar ruhig , - während sie das Pochen ihres Blutes hörte , - mit gewölbtem Kreuz und vorgedrängter Brust an die Tür , - hob langsam die Arme zu beiden Seiten und hielt sie wagerecht von sich . - So schien sie ihrem Schicksal die Brust zu bieten . Da zerteilte sich der blutige Nebel vor Kasimirs Augen , und er ließ den Revolver sinken . - - - Olgas Vater , der im Hause und seinen Kindern gegenüber karg zu sein pflegte , war in geschäftlichen Angelegenheiten und bei entscheidenden Transaktionen verschwenderisch . Seine Angestellten kannten diese Munifizenz , die sich ganz unerwartet dann zu verbreiten pflegte , wenn es galt , rasch » abzuschneiden « , irgendeine kritische Situation schnell zu erledigen , - und nützten sie tüchtig aus , konstruierten nicht selten Krisen und Schwierigkeiten , bei deren Abwickelung dann ein Stück Geld in ihre Taschen floß . Der alte Händler war für einen Kaufmann beinah zu schnell , zu large mit dem Gelde . Er gab Reisenden leichtherzig Vorschüsse , zahlte an Agenten Provisionen für Aufträge , die sich oft als faul erwiesen , gliederte seinem Geschäft manches Nebenunternehmen an , das es schwächte , anstatt es zu fördern , und übte , vor allem , seinen Angestellten gegenüber nicht genügend scharfe Kontrolle , aus Furcht , Personen , die er für unentbehrlich hielt , vor den Kopf zu stoßen und zu verlieren . Als rechnerische Kraft hatte Stanislaus Disziplin in das Geschäft gebracht , und , als er aussprang , verbreitete sich der Mangel einer strammen Geldgebarung immer mehr in dem sonst so guten Unternehmen . » Ich bin ka Mathematiker « , pflegte der Alte zu sagen , wenn er , bedrückt und hilflos , vor gesunkenen Bilanzen stand , die , nach einem regen Jahresumsatz , schwer erklärlich schienen . Und in die Bitterkeit , mit der ihn dieser Rückgang erfüllte , mischte sich ein Gefühl wie Rache gegen den Sohn . » Warum is er gegangen ? ! - Ich plag ' mich - und fremde Leit ' tragen mich weg . « Die Angelegenheit zwischen seiner Tochter und dem Leutnant betrachtete er als » Transaktion « , die schnell » abgeschnitten « werden müßte und bei der man aufs Geld nicht sehen dürfte . Nachdem er das schriftliche Ehrenwort Koszinskys , - daß er Olga frei gebe und nichts mehr unternehmen werde , die alten Beziehungen wieder herzustellen , - in Händen hatte , bezahlte er seine Wechselverbindlichkeiten - und legte noch ein Stück Geld , mit welchem die geheimnisvoll verschwundenen Wertpapiere Stillers » auf alle Fälle « ersetzt werden sollten , dazu ... Seiner Tochter aber bewilligte er den Aufenthalt in Wien , - teils aus Dankbarkeit , daß sie ihn vor dem gefürchteten Unheil bewahrt hatte , teils weil er jetzt selbst wünschte , sie solle sich » verändern « , damit sie über das Vorgefallene leichter hinweg käme . Koszinsky mußte quittieren und verschwand irgendwo in Österreichs bunter Provinz . So beantwortete das Schicksal Olgas ersten Anruf nach dem ihr gebührenden Frauenlos . Der Wunsch , der aus dieser Seele herausgebrochen und aufgeflogen war nach der großen , hellen Sonne des Glücks , brach , mißhandelt und flügellahm , am Wege zusammen . Olga hatte keinen Beruf ; eine Wirksamkeit im Sinne der großen Bewegung ihrer Zeit , welche die Frau auf Selbständigkeit verwies , war ihr verlegt worden , sie hatte diesen Weg versäumt . Als sie nach Wien kam , hatte sie keine Lust mehr , jetzt noch eine Lehrerinnenprüfung anzustreben , all die Schulen durchzumachen , die dazu nötig waren , eine Menge von Lehrstoff , der ihr gleichgültig und langweilig war , in sich aufzuspeichern . Die Jahre , in denen man gern lernt , - büffelt , - waren eben vorbei . Sie konnte nichts anderes tun , als hinhorchen , - und von der Fülle dessen , was sie über die zusammenwirkenden Kräfte des Lebens erfuhr , das herausgreifen , was den lebendigen Fragen in ihr selbst entgegenkam . Sie suchte Anknüpfung an die Zeit , Aufschluß über Triebkräfte , die die Strebungen ihrer Epoche bewegten und das neue Werden entstehen ließen . Fast drückend lag die Freiheit vor ihr . Ob sie der ungelösten Kräfte ihrer Seele jemals habhaft werden und wohin sie sie führen würden , - sie wußte es nicht . Sie schien sich eingeklemmt zwischen zwei Kulturen , - dem gewöhnlichen Schicksal anspruchsloser Gatten- und Mutterschaft ebenso verloren , wie dem der