sie vor ein Mooshüttchen angekommen , auf dessen Dache eine papierene Windfahne sich drehte , einen helmbewehrten Jüngling und eine gräuliche Hexe darstellend , der Jüngling mit einer Rute , die Hexe mit einem Besen in der Hand . » Das ist meine Wetterfahne « , erläuterte der Narrenstudent , » wenn der Jüngling die Hexe in die Flucht schlägt , gibt es schönes Wetter in der Welt . - Doch treten Sie gefälligst ein , Herr Kommandant , es ist eine Bank im Hüttchen , Platz genug darauf für zwei räudige Böcklein , wie wir sind . - So , jetzt mach dirs bequem . Und sieh dir an , was du magst , du darfst alles hervorziehen , alles öffnen , alles herausnehmen ; für dich habe ich weder ein Verbot noch ein Geheimnis , und Ordnung gibts bei mir nicht . Unterdessen will ich den Altar rüsten . Falls du irgendeine Auskunft brauchst , so frag nur , ich bin dicht nebenbei und höre jedes Wort , das du sagst . « Damit verließ er das Hüttchen . Gerold aber zog eine Kiste unter der Bank hervor und kramte darin . Alte Münzen kamen zum Vorschein , Versteinerungen , gepreßte Pflanzen , verschiedenfarbige Gläser . » Nicht wahr « , lachte der Narrenstudent , den Kopf durch eine Lücke in der Wand steckend , als Gerold unersättlich die Gläser vor die Augen hielt , » nicht wahr , wie die Welt ein verschiedenes Gesicht macht , je nach dem Glas , durch welches man sie ansieht ? « » Warum ist dieses Heft leer ? « fragte Gerold . Wieder steckte der Narrenstudent den Kopf durchs Guckfenster . » Das Heft ist nicht leer , sondern das ist eine Art Zauberheft , mit sympathetischer Tinte bemalt ; wenn du lange Zeit scharf auf ein einziges Blatt siehst , so kommt etwas Wunderbares . « » Ja , jetzt sehe ich etwas , aber undeutlich . Früchte und Blumen oder so etwas Ähnliches . « » Recht so , aus den gläubigen Büblein wachsen die trotzigen Männer ; weißt du auch , Gerold , daß du ein Sonntagskind bist ? « Gerold schüttelte den Kopf . » Ach nein « , entgegnete er betrübt , » Sonntagskinder sind immer die jüngsten von mehreren Brüdern , ich aber bin der ältere von zweien . « » Irrtum , mein Lieber ! Irrtum ! Man ist immer der Jüngste , wenn man in den tiefen Brunnen hineinlebt , wo die Zeit mit dem Eimer die Gegenwart aus der Ewigkeit schöpft ; und ein Sonntagskind bedeutet nicht einen Menschen , dem alles von selber gelingt , so einen gibt es in der Wirklichkeit gar nicht , sondern einen solchen , der über die grauen Werktage hinweg schließlich an einen roten Heiligen gelangt , einerlei wann und wie . In der Zwischenzeit geht es mitunter dunkelbraun und schwarz zu . Tut weh , aber schadet nichts . « Nach diesen Worten verschwand sein Kopf wieder aus der Luke . » O ! « rief Gerold entzückt , mit saugendem Atem . » Was freut dich so ? sag an , beschreib . « » Eine wunderschöne Reiterin , prächtig mit Wasserfarben gemalt . Hast du das gezeichnet ? « » Ich weiß nicht , was für eine Reiterin du meinst . « » Sie sitzt auf einem Schimmel und gleicht ein wenig Gesima . Darunter steht : Hilda Maria Anita von Weißenstein , geb . Freiin - was heißt das , geb . Freiin ? « Der Narrenstudent kam aufgeregt zur Tür hereingeschossen . » Wo hast du das Bild gefunden ? Komm , wir wollen es geschwind wieder verstecken . « Und schob es hastig in eine Mappe , die er mit einem Schlüsselchen verschloß . Dann bekam er einen langen , peinlichen Hustenkrampf . » Gerold , ich beneide dich um deinen Kadettengeneral « , seufzte er dann , als er wieder ein wenig zu Atem kam , » du hast ihn besiegt , er ist dein Gefangener und bleibt bei dir . - Meine Generalin dagegen - o weh ! - Doch komm jetzt , der Altar ist gerüstet . « Auf einen Steinschemel neben der Hütte war ein rotes Tuch gebreitet , und darüber in einer nackten Felsennische standen zwei farbige Wachskerzchen geklebt , » eins für dich und eins für mich « , belehrte er , » das Heiligenbild dahinter muß man sich hinzu denken ; jeder , was er am liebsten hat ; das ist sein Heiligenbild . Und jetzt wollen wir zu dem Heiligenbild beten , ganz kurz - , du darfst dich setzen , hier auf den Schemel , und brauchst keineswegs die Hände zu falten . Möge uns von denen , die wir liebhaben , niemals Böses geschehen . Das genügt ; das Gebet ist aus . Und jetzt kommt der Gesang , allein vorher zünden wir die Kerzen an . « Nachdem er die Kerzen angezündet hatte , nahm er eine Geige zur Hand und spielte ein Vorspiel , kunstvoll und rein , wie ein Musiker ; dann begann er auf lateinisch ein Lied zu singen , während er sich mit der Geige dazu begleitete ; das Lied klang so ernst und traurig , daß Gerold trotz dem Verbot die Hände faltete ; und die Stimme des Narrenstudenten , sonst schwach und farblos , tönte , während er sang , überraschend stark und doch sanft und wohllautend , ungefähr wie der Ton eines Cello . Gerold hörte andächtig zu ; befriedigt im Gehör und in der Seele ; ihm war , er säße in einem Kirchenkonzert . Plötzlich flog ein Stein , durch Sträucher rauschend , gegen das Hüttchen . » Da hast dus « , sagte der Narrenstudent traurig , indem er schnell die Geige weglegte , » Violinspiel und Singen am hellen Tage reizt ihren Haß . Gerold , Gerold , glaub du an Teufel ! und zwar an viele