Fräulein Gertraud sah in dem Hauskleide mit der weißen Schürze über die Maßen hübsch aus ; ihre Wangen waren gerötet vom Küchenfeuer , die Augen blitzten , und alles an ihr war Gesundheit . » Guten Abend , Traudel ! « sagte Herr Sporner , » ist schon gedeckt ? « » Freilich . In einer Viertelstunde essen wir . « » Und du hast gekocht ? « » Bloß mit geholfen , Papa . « » Da bin ich neugierig . « » Geh nur ins Wohnzimmer . Die Mama ist schon drin . « Papa Sporner trat ein und stellte sich vor den Ofen . » Das ist wieder gemütlich heute ! « sagte er ; » du , Alte , da sind ja vier Gedecke , wer kommt denn heute ? « » Der Herr Mang . Es ist doch Samstag . « » Richtig , freilich ! Das hab ' ich jetzt ganz vergessen . Das ist fein , da kriegen wir Musik heute . « » Hm - ja . « » Du tust beinah , als wenn du keine hören möchtest . « » Ich hör ' recht gern Musik . « » Na also , kannst dir vielleicht eine bessere wünschen ? « » Hm - ja , der Herr Mang spielt ganz gut . « » Was hast du denn ? « » Ich ? Nichts . « » Geh , hör auf . Weil ich dich net kenn ' ! Dir is was übers Leberl g ' laufen ? « » Wenn du schon fragst , ja . Ich bin nicht dafür , daß der Herr Mang so oft zu uns kommt . « » Aber warum denn net ? Was hast du denn gegen den jungen Menschen ? « » Nichts ; im Gegenteil , ich mag ihn recht gern . Er ist brav und alles , aber ... « » No , aber ? « » Aber , es paßt mir wegen der Traudel nicht . « » Is s ' am End ' gar verliebt ? Hahaha ! Jetzt da schau her ! Wart , da wer i ' s glei ins Gebet nehmen , unser Fräulein Pfarrerköchin ! « » Sei so gut , gelt , und mach keine Witz ' mit ihr ! « » Natürlich mach ' ich Spaß . Du vielleicht net ? « » Ich muß dich bitten , daß du dir nix merken laßt . « » Zu Befehl Frau Sporner . Versteh ' n tu ' ich dich allerdings net . « » Das is schon schwer zum Verstehen . Er is jung , und sie is jung , und er singt recht schön . Und er is überhaupt ein sehr netter Mensch ; das muß man ihm lassen . « » Und is a Geistlicher , net wahr ? « » Das is er noch gar nicht . « » Aber er wird ' s. Außerdem hat ihn die Traudel beim Schwager kennen g ' lernt , und der Toni hat ihn uns warm empfohlen . « » Das ist alles ganz recht . Ich denk ' ja auch nichts Schlimmes dabei . Warum hätt ' sie ihn nicht kennen lernen sollen ? Aber daß er so oft kommt , und daß sie allein musizieren , das find ' ich nicht in der Ordnung . « » Is doch allaweil d ' Mathild ' dabei ! « » No weißt , dei Schwester ! I tu ' ihr nichts weg , aber die ist die allererst ' , die ihre Bemerkungen d ' rüber macht ; und eine alte Jungfer mit überspannten Ideen ist g ' rad auch nicht die beste Aufsicht . « . » Die soll ' s überhaupt bei der Traudel nicht brauchen , hoff ' ich . « » Da red ' st du wie alle Männer ! Ich hab ' unser ' Tochter auch mit aufzogen und hab ' g ' rad so viel Vertrauen zu ihr wie du . Gott sei Dank , daß sie ein braves Mädel is . Aber sie könnt ' zuletzt selber nichts dafür , wenn sie sich verliebt . Sie tät nichts Unrechtes , das weiß ich schon , aber sie tät sich vielleicht Hoffnungen in den Kopf setzen . « » Geh ! Geh ! « » Ja , oder er . Kommt dir das gar so unmöglich vor , daß er Feuer fangt ? Und das wär ' ein Unglück für ihn . « » Er weiß doch , was er is . « » Die Vernunft hat noch keinem geholfen . « » Mir können ihm doch net auf einmal ' s Haus verbieten . « » Das will ich gar nicht . Ich möcht ' den armen Menschen um alles in der Welt nicht verletzen . « » Was soll ' n wir nachher tun ? « » Das mußt mich machen lassen , Papa . Ich bring ' das schon in Ordnung . Die Hauptsach ' ist , daß du dir nichts merken laßt . Nicht gegen unser ' Traudel , und nicht gegen den Herrn Mang . « » Ich bin froh , wenn ich nix weiß davon . « » Und lad ihn auch nicht ein , das mach ' schon ich . « » Ihr Frauen seld ' s eigentli hartherzig ! « » Das is nicht hartherzig , wenn man zu rechter Zeit vorbeugt . « » No , von mir aus ! Jetzt kommt er , scheint ' s. « » Also gelt ? Herein ! « Man hörte Stimmen vor der Türe , und Sylvester trat ein . Es war leicht zu sehen , daß er nicht zum ersten Mal hier war . Er war frei von Befangenheit und machte eine gute Verbeugung vor Madame Sporner , dann schüttelte er dem Inhaber der Firma herzhaft die Hand . » Hamm Sie Ihr ' Geigen net dabei ? «