die heilige Aufgabe habe : den Jüngling , in dem sich ihr das Ideal zum erstenmal verkörperte , das ihre Seele von früh auf wie eine lichte Ahnung in sich getragen hatte , zu retten , den Kampf um ihn aufzunehmen mit einer gefährlichen , ihr bis jetzt überlegenen Macht , in Wahrheit sein Schutzgeist zu sein , nicht um ihrer selbst willen - nein , sie dachte nicht an sich - um seinetwillen , um keinen Flecken auf dem reinen Bilde zu sehen , als das er ihr erschien . Das alles ging mit Blitzesschnelle durch ihren Sinn , und während sie es noch wenige Augenblicke vorher wie eine fast unüberwindliche Pein empfunden hatte , improvisieren zu müssen , drängten sich nun die Worte auf ihre Lippen , als spräche sie mit ihrer eigenen Seele und als wäre keiner da , sie zu hören . Er selbst hatte ihr ja das Thema gegeben , sie dazu aufgerufen und mit einer Energie , wie sie sie nie gefühlt , begann sie : » Ich rette dich , und wär ' s in Sturmeswüten Auf wildem Meer . Richt soll mein Mut , nicht soll mein Arm ermüden , Dir Schutz und Wehr . Ich rette dich , und hüllten sich die Sterne In grause Nacht , Mein Herz errät es , was dir droht von ferne , Hält liebend Wacht . Ich rette dich , und bärg ' sich unter Rosen Die Schlange dicht , Und ahntest du , im schmeichlerischen Kosen Den Gifthauch nicht . Ich rette dich , ob du dich selbst verlassen Im dunklen Wahn , Und noch vom Abgrund führ ' ich im Umfassen Dich himmelan . « Als sie schwieg , rief erst der laute Beifall , den man ihr zu spenden gewohnt war , sie zum Bewußtsein der Welt , in der sie sich befand , zurück . Aber es berührte sie kaum ; sie kam sich wie losgelöst vom Leben vor , denn sie sah nur ein ganz unpersönliches Ziel vor Augen und es war ihr , als würde dann alles zu Ende sein , was sie auf Erden zu tun habe . » Sonderbare Auffassungen hat dieses junge Mädchen , « sagte die Herzogin zum Kardinal ; » aber sie hat Begabung und es ist ein Hauch von Begeisterung in ihr , der mich anzieht . Auch ist sie sehr hübsch und voller Grazie ; findest du nicht , Camillo ? « setzte sie hinzu , sich an ihren Gemahl wendend und nachlässig mit ihrem Fächer spielend , innerlich aber belustigt , daß seine Eifersucht eine Niederlage erlitten hatte ; denn sie hielt des Prinzen Entfernung für eine Folge ihrer geschriebenen Worte . » Ja , in der Tat , auffallend hübsch ; mehr als das : reizend , « versetzte Don Camillo mit einem höhnischen Lächeln um die dünnen Lippen ; » unsere Männerwelt ist ja auch ganz toll verliebt in sie , die Einheimischen und die Fremden . Unter anderem sagt man , daß Seine Durchlaucht Prinz Waldemar ihr in aller Form den Hof macht und sie stundenlang besucht . « Er streifte seine Frau mit einem flüchtigen Blick und sah , er hatte richtig getroffen . Trotz ihrer Selbstbeherrschung konnten die Züge der Herzogin im ersten Augenblick den Eindruck nicht verbergen , den diese Worte auf sie machten ; sie fand kein Wort der Erwiderung und nur der Busen , der sich rascher hob und senkte , verriet , wie heftig es in ihr aufbrauste . Der Kardinal , zwischen den Gatten sitzend , verstand sehr wohl , was die kleine Szene zu bedeuten hatte und beeilte sich , begütigend einzuschreiten . » Der Prinz ist ein Freund der Dichtkunst , « sagte er , » und da wird ihn wohl diese Begabung , die auch für einen Nordländer eher neu sein mag , interessieren . Sonst scheint er aber ein junger Mann von strengen Grundsätzen zu sein und ist von seiner sehr frommen Mutter in den Lehren der alleinseligmachenden Kirche erzogen . « Waldemar war inzwischen zu Rosa getreten , offenbar in peinlicher Verlegenheit , und während diese noch sich zu den andrängenden Personen , die ihr huldigten , wenden mußte , wühlte er mit der Hand in den beschriebenen Papierstreifen in der Schale , scheinbar wie gleichgültig einen nach dem anderen hervorziehend und lesend und wieder hinwerfend , jedoch mit großer Unruhe auf dem Gesicht . Endlich wurde Rosa frei und sagte auf deutsch , damit keiner der Umstehenden es verstehe : » Sie suchen etwas , Prinz ? « » Ja , in der Tat , « erwiderte er verlegen und zögernd , » ich glaube , ich habe vorhin ein Papier hier hineinfallen lassen , das nicht hierfür bestimmt war - eine flüchtige Notiz ... « Er vollendete nicht , sondern errötete . Rosa zog das Papier unter den Blumen hervor , hielt es ihm hin und sagte ernst : » Hier ist es ; es war das erste , das ich zog . « » Sie haben es gelesen ? « fragte er , und sein Auge blitzte . » Ja , « sagte sie fest , » ich glaubte , es sei eine Aufgabe für mich , für Ihren Schutzgeist , « setzte sie leise hinzu ; » Sie haben mich ja dazu ernannt . « » Und Sie haben es ebenso energisch gesagt , daß Sie mich retten wollen , sogar vor mir selbst , « sagte er fast spöttisch , wie um seinem gereizten Gefühl vor sich selbst recht zu geben . Sie sah ihn an mit jenem ernsten , tiefen Blick , der immer sein Innerstes traf . Er reichte ihr gerührt die Hand und sagte : » Gute Nacht , Rosa ; ich weiß es , Sie würden mich retten , wenn ich in Gefahr wäre , und ich würde Sie dann rufen . Aber ich bin es noch nicht , seien Sie unbesorgt . « Freundlich grüßend ,