Pferde müssen freilich draußen stehen bleiben . Ich hoffe übrigens , daß ich dort bin , wenn ihr kommt . Beeilt euch aber , denn es wird bald dunkel werden ! « » Und was geschieht mit der Tochter des Amerikaners und mit den Chinesen , Sihdi ? « » Das laß meine Sorge sein ! Ich rechne auf die ganz gewiß entstehende Aufregung und Verwirrung , welche ich möglichst gut benutzen werde . « » Aber du selbst , Sihdi ! Du begiebst dich wirklich in Gefahr ! « » Das hat nur den Anschein so . Ich werde die Fremden durch eine so große Dreistigkeit verblüffen , daß sie gar nicht daran denken , Etwas gegen mich zu tun . « » Was wirst du zu ihnen sagen ? « » Das weiß ich noch nicht . Ich habe mich nach den Umständen zu richten , welche ich vorfinde . Wie aber steht es mit der Verwundung des Chinesen ? « » Sie ist nur leicht . Ich sah wohl Blut , doch aber nicht viel . Sein Vater verband ihn eben , als ich ging , mit seinem Taschentuche . « » So habe ich von ihm keine Störung zu befürchten . Jetzt wird es Zeit , daß wir uns trennen . Mach deine Sache gut ! « » Von dem Augenblicke an , wo er bei mir ist , wird ihm nichts geschehen , darauf kannst du dich verlassen , Sihdi . Du hast von mir verlangt , ein guter Mensch zu sein , und nun macht es mir Freude , ihm seine Beleidigung durch Liebe zu vergelten ! « Nach diesen Worten ritt er in der ihm von mir angegebenen Richtung davon ; ich aber nahm meinen Weg zwischen der großen und den ihr gegenüberliegenden kleinen Pyramiden hindurch , welche für Angehörige des Cheops bestimmt gewesen sein sollen . Hinter der letzten von ihnen teilt sich der Weg . Links führt er nach der Sphinx hinab , fast geradeaus nach Campbells Grab hinüber . Ich zog es vor , nach diesem Grabe zu reiten , denn ich hatte von dort aus einen besseren Ueberblick , und ich konnte mir den Anschein geben , als ob ich von dem Vorgefallenen gar nichts wisse und nicht etwa vom Hotel her , sondern von der zweiten oder gar dritten Pyramide komme . Ich wich also nach Westen zu von den durch den Sand führenden Stapfen ab und hielt mich so lange in den Einsenkungen des Terrains , bis ich die unterhalb der Chefren-Pyramide liegenden Tempelreste vor mir hatte . Hierauf wendete ich mich nach links , trieb das Pferd eine steile Schuttböschung hinauf und sah den Ort , den ich erreichen wollte , in nicht allzu großer Entfernung vor mir liegen . Es genügte ein Blick , die Szene zu erfassen . Die für die Dschemma Ausgewählten saßen an der Erde , einige Schritte davon Mary und die Chinesen . Der Amerikaner stand , und neben ihm der Dolmetscher , welcher mit den Händen gestikulierte , also zu sprechen schien . Hören konnte ich es nicht . Die Stelle , an welcher ich mich befand , lag höher als diejenige , an welcher die Beduinen ihre Beratung hielten . Die Zuhörer hatten die Dschemma nicht ganz eingeschlossen , sondern sie bildeten , was mir außerordentlich lieb war , des abfallenden Terrains wegen nur einen Halbkreis , welcher nach mir zu offen stand ; das machte es mir möglich , sofort ganz an die Beratenden heranzutreten . Man wurde auf mich aufmerksam . Als ich näher kam , hörte ich den verwunderten Ruf : » Ein Reiter ohne Sattel ! « Diejenigen , welche von mir abgewendet saßen , drehten sich nach mir um . Man zeigte Neugierde , doch fiel es Keinem ein , seinen Platz zu verlassen . Die Angelegenheit stand genau so , wie ich vermutet hatte , denn den Schech el Beled von el Kafr ausgenommen , hatten alle Beisitzer der Dschemma ihre Messer vor sich bis an die Hefte in die Erde gesteckt , ein für den Kenner sicheres Zeichen , daß es sich um das Leben des Angeschuldigten handelte . Ich tat , als ob er mir sehr gleichgültig sei , ritt aber fast bis ganz zu ihm heran , sprang ab , legte die Hände , doch nur für einen kurzen Augenblick , um nicht als gewöhnlicher Mann zu gelten , auf die Brust und grüßte die am Boden sitzenden Personen . Es war leicht zu erraten , welcher von ihnen der fremde Schech war , denn er hatte das Hamaïl , um welches es sich handelte , vor sich liegen . Sein Anzug befand sich , wie auch diejenigen aller seiner Leute , in einem Zustande , den Omar sehr richtig als » schmutzig und zerrissen « bezeichnet hatte , doch war seinem ernsten , sonnverbrannten Gesichte die Gewohnheit des Befehlens deutlich aufgeprägt . Er nickte stolz mit dem Kopfe und ließ nur ein kurzes » Sallam ! « als Antwort hören . Wenn ich mir diesen Mangel an Höflichkeit gefallen ließ , so hatte ich von vornherein verspielt . Er mußte mich für einen Mann halten , der sich das nicht bieten zu lassen brauchte , darum sagte ich in strengem Tone : » Du bleibst sitzen , indem du mit mir sprichst , und siehst doch , daß ich stehe ? Ich vermute , daß ihr in Mekka gewesen seid , über welchem das Andenken des Propheten glänzt . Hast du etwa dort deine Höflichkeit im Sand von Chandamah vergraben ? « » Wo liegt Chandamah ? « fragte er schnell und erstaunt . » Geh zwischen dem Suq el Lel und dem Schib el Maulid , wo das Geburtshaus des Propheten steht , vor die Stadt hinaus , so siehst du es zur linken Seite des Dschebel Qubehs liegen . « Da stand er auf , und alle Andern mit ihm , kreuzte die Hände auf der Brust