, wenn sie auch keine so perfekte Engländerin wie Stephanie sei , die mit ihren großen , dunklen , feuchtschimmernden Augen als geängstete junge Kaufmannsfrau brillieren werde . Und da Stephanie , der es vor allem um das Zustandekommen des Unternehmens zu thun war , sich damit einverstanden erklärte , wurde Klotildens Vorschlag zum Beschluß erhoben , zur besonderen Freude Luckows , der den ärztlichen Freund des Helden im » Schild « übernehmen sollte und sich so mit dem Gegenstand seiner stillen Verehrung in dem Rahmen eines und desselben Stückes umschlossen sah . Ein paar andere Rollen fanden leicht ihre Liebhaber . Für den Mann der Polizei schien der Legationsrat , der Luckows Rat , » sich die Sache noch einmal zu überlegen « , beherzigt hatte und am zweiten Abend pünktlich erschienen war , mit seinem Oliventeint und dem durchbohrenden Blick ganz der geeignete Repräsentant . Adele schwärmte für die Haushälterin ; Elimar erklärte , daß seine Schauspielkunst über den alten Diener Balthasar , der nur wenige Worte zu sprechen hatte , nicht hinausreiche . Für das kommerzienrätliche Elternpaar sollten zwei Befreundete des Sudenburg ' schen Hauses : ein älteres , behagliches , von aller Welt Tante Julie genanntes Fräulein , und ein jovialer Rittmeister von den zweiten Dragonern , Herr von Rotenburg , engagiert werden . Den durchtriebenen Ladenjüngling Fridolin zu übernehmen , erklärte sich der behende Lieutenant von Sperber gern bereit , zum großen Trost für Fritz und Franz Sudenburg , die als Offiziere im » Schutzmann « zu glänzen hofften und deren Hünengestalten sich für den windigen Schalk auch wenig schickten . Schwester Erna in der kleinen Posse würde bei Fräulein von Breitenbach , einem schönen , sanften Mädchen , vortrefflich aufgehoben sein . Zu der Komparserie in der Schlußscene des » Schilds « war der Andrang der Kameraden so groß , daß Fritz und Franz nur abzuwehren hatten . Dies alles war entweder schon auf der Leseprobe bei Meerheims festgestellt worden , oder , was man da noch nicht endgiltig machen konnte , auf der folgenden , welche bereits in der großen Sudenburg ' schen Wohnung stattfand , nachdem der Direktor erklärt hatte , gegen das Treiben der jungen Leute blind und taub sein zu wollen . Was denn freilich beides recht wünschenswert schien in Anbetracht des fortwährenden Kommens und Gehens der Theaterleute , welches die folgenden Tage brachten , und des nicht unbedeutenden Lärmens , den sie bei ihren Proben vollführten . Wollte doch des fröhlichen Lachens und lustigen Schwätzens kein Ende nehmen - Albrecht mußte nicht selten seine ganze Autorität aufbieten , den Übermut zu zügeln und die Herrschaften daran zu erinnern , daß man ja wohl zusammengekommen sei , um Komödie zu spielen . Das Amt eines Regisseurs war ihm als etwas Selbstverständliches zugefallen . Einmal schien es dem Dichter zu gebühren , und dann stellte sich auch bald heraus , daß er von theatralischen Dingen ein gut Teil mehr verstand als die übrigen Herrschaften , die nur immer von ihren Logenplätzen aus den Schaum des Trankes abgeschlürft hatten . Schon dem Studenten war das Theater eine Leidenschaft gewesen ; der Traum , dermaleinst als Schauspieler oder Dichter von der Bühne herab zu glänzen , hatte ihn unablässig verfolgt . Weit lieber , als mit seinen Kommilitonen , hatte er mit Schauspielern verkehrt und in ihrem Umgang die rauhen Manieren des Bergmannssohnes abzuschleifen versucht mit einem Erfolg , der für naivere Augen und Gemüter ein vollkommener war . Wie oft hatte er , als ein gern gesehener Zaungast , hinter den Coulissen gestanden , mit brennenden Augen und gespannten Ohren die Darstellung irgend einer Paraderolle irgend eines berühmten Mimen einsaugend , so daß er jeden Ton und jede Geste des Wundermannes mit verblüffender Treue kopieren konnte ! Wie oft hatte er mit der Vorführung solcher Künste der Heiterkeit eines Studentengelages , einer kollegialischen Tischgesellschaft erhöht ! Das alles kam ihm jetzt herrlich zu statten und ließ ihn unter diesen Dilettanten als ein durchgebildeter Künstler erscheinen , dessen Anordnungen man sich willig fügte , dessen Kritik und Korrekturen man sich gern gefallen ließ . Verehrter Herr Professor , kann ich das so machen ? - Lieber Herr Professor , meinen Sie , daß es so geht ? kamen die Fragen von allen Seiten ; und der Herr Professor war nie um eine entscheidende Antwort verlegen , wußte sofort die nötige Wendung , die obligate Stellung anzugeben ; sprach die betreffenden Worte in richtigem Ton und Tonfall mit so überzeugender Wahrheit , daß man schlechterdings nichts Besseres thun konnte , als ihm , so gut es gehen wollte , nachzuahmen . Das waren denn freilich Stunden , die seinem Selbstgefühl schmeicheln mußten und ihm ungemischte Freude gebracht hätten , nur daß den Sonnenglanz eine dunkle Wolke trübte , nur daß in seiner erregten Seele die eine Frage unbeantwortet blieb , von deren Lösung , mochte sie nun gut , oder schlimm sein , - das war seine Überzeugung - das Glück oder Unglück seines Lebens abhing . Er fühlte , daß seine Nerven es nicht lange mehr ertrügen ; er wollte Gewißheit um jeden Preis , und wenn sie ihn zerschmetterte , wie den Jüngling von Sais der Anblick der unverschleierten Göttin . Und es gab Momente , wo sich der Schleier heben zu wollen und ihm der Glanz der höchsten Himmel entgegen zu schimmern schien : ein wärmerer und immer verstohlener Blick aus ihren mächtigen Augen ; ein herzlicheres und immer geflüstertes Wort ; ein festerer und immer schnell wieder gelöster Druck der schlanken , kühlen Hand . Was aber verbürgte ihm , daß dies alles nicht Zufall , gesellschaftliche Höflichkeit , salonläufige Koketterie war , wenn dann wieder Tage kamen , an denen er sich auch nicht des geringsten Vorzugs vor den anderen Herren rühmen durfte , ja , er zu bemerken glaubte , daß sie ihn kühler behandelte als jene und einmal wieder die vornehme Dame herauskehrte , die den Abstand zwischen sich und dem Roturier nur zu vergessen schien ,