Du noch in meiner Gunst ! Blutig muß Dein Dolch erröten ! Sonst ist Lieben eitel Dunst ! « Und das Unerwartete geschah . Blitzschnell zog der Jüngling seinen Dolch und stieß ihn einem jungen Beduinen bis ans Heft in den Leib . Aber im nächsten Augenblick hatte der Jüngling einen furchtbaren Säbelhieb . Der Säbel ging ihm durch die linke Stirnseite , durchschnitt das Auge und blieb im Kopfe stecken . Lautlos brach der Heißblütige zusammen . Das dunkelrote Blut zweier Nebenbuhler besudelte den feinen bunten Fliesenboden . Entsetzt wandten sich die beiden Gelehrten und die beiden Dichter ab und schritten eilig an den Rosengebüschen und an den Gummibäumen - an dem reizenden großen Badeteich , in dem Lotosblumen blühten , vorbei - hinaus - ins Freie . Drinnen schrieen die Weiber wie die Wahnsinnigen , als wenn das berüchtigte Haus ein Tollhaus geworden wäre . » Siehst Du ! « sagte draußen der dicke Geograph zum Safur , » da siehst Du wieder , wohin die Leidenschaften führen . Hüte Dich vor der Eifersucht ! « Und im Sturmschritt rannte der Dicke seinen drei Freunden voran zur Tigristerrasse . In Schweiß gebadet kamen die Vier dort an . Die Tofailys waren schon da . Die Sonne ging blutrot unter . Hastig erzählten die Vier ihr Abenteuer . Aber die Tofailys rührte das nicht allzu sehr . Sie waren ja des Morgens von einem Leichenschmaus gekommen - von dem Leichenschmaus , den die hübsche Witwe des alten Wollkremplers gegeben , den die Tofailys in jener grünen Schimmelnacht in der Betrunkenheit erstochen haben sollten . Es ward Nacht . Man aß und trank . Abu Hischam sprach wieder vom Bunde der lauteren Brüder . Und als Alle recht viel getrunken hatten , nahm Abu Hischam feierlich alle Anwesenden in seinen Bund auf . Suleiman riet vergeblich zur Mäßigung . Er erinnerte vergeblich an die Empfindlichkeit des reichen Battany . Abu Hischam nahm sämtliche anwesenden Tofailys sehr förmlich in den Bund der lauteren Brüder auf . Und darauf trank man - bis Alles betrunken war . - Die Tofailys lagen schließlich auf der Tigristerrasse umher wie die Scherben einer zerbrochenen Waschschüssel . Safur dachte an seine Dschinne und an seine Tarub . An seine Tarub dacht er mit Ingrimm , denn er wußte , daß sie ihm wieder Vorwürfe seiner wüsten Sauferei wegen machen würde . Der Tigris glitzerte im Mondenschein . Die lauteren Brüder verstummten und begannen zu schnarchen ; der Kopf ward ihnen so schwer wie ein Henkerbeil . Safur dachte an seine blauäugige schwarze Dschinne . Jetzt sah er sie wieder hoch oben im Himmel - übermenschlich groß - von funkelnden Sternen umstrahlt . Achtes Kapitel Und als es abermals Morgen ward , schien die Sonne so , als wenn garnichts los wäre . Jedoch - die lauteren Brüder , die allmählich erwachten , hatten gleich das Gefühl , daß in ihren Köpfen was los war - oder was losgehen wollte ... Durch die persischen Eichen , die auf der Tigristerrasse mächtig aufwuchsen , wehte ein sanfter Wind , der leider garnicht kühl werden wollte . Safur erwachte unter einem blühenden Oleanderbaum . Der Dichter Buchtury erwachte neben großen weißen Lilien , die das eirunde , rot und weiß gemusterte Fliesengetäfel in der Mitte der Terrasse umzäunten . Buchtury sah die Lilien , den Safur und eine hohe Leiter . Er hob diese Leiter auf , stellte sie senkrecht auf das rot und weiß gemusterte Fliesengetäfel und bat ein paar Freunde , die gerade nicht wußten , was sie anfangen sollten , die Leiter festzuhalten . Und dann kletterte der Dichter auf die Leiter rauf , sodaß sein Kopf die grünen Blätter einer sehr hochgewachsenen persischen Eiche berührte . Und in dieser Höhe begann der berühmte Tofaily , der nichtswürdige Prasser - zu krähen . Mit krächzenden Lauten schrie er drauf in den Morgenwind seine Leib- und Magenverse hinein . Von seiner Leiter starrte Buchtury auf die Terrasse runter wie ein müdes Pferd . Des Dichters Augen waren verglast . Den Safur sah er ganz blöde an und schrie : » Ihr , die Ihr so viel dichtet , Ihr habt die Kunst vernichtet ! Die schönste Kunst des Lebens - Die lerntet Ihr vergebens ! Ihr habt ja ganz vergessen , Euch gründlich satt zu essen . Den Magen vollzuschlagen , Ist doch das Hauptbehagen . Das ist die schönste Kunst , Das Andre ist nur Dunst ! Beim Hahnenkampf und Hochzeitsschmaus , Bei alten Bettlern seid zu Haus ! Wo Kinder geboren , Leichen begraben , Ist allzeit auch was zum Essen zu haben . In Keller und Küch ' , beim Würfelspiel , Oh , Kinder , da gibts zu essen viel . Gut essen , Freunde , ist immer fein - Ihr müßtet nur eifrig dahinter sein ! lhr schaut viel zuviel nach den Sternen , Ihr müßt erst das Essen erlernen . Salbet den Magen an jedem Morgen - Laßt Euch die Salbe vom Krämer borgen ! Laßt Euch kneten den vollen Leib - Lustig ist dieser Zeitvertreib ! Vergeßt nicht täglich öfters zu baden , Oh - baden - baden - nie kann das schaden ! Tut überall nur , als wärt Ihr zu Haus ! Seid auch nicht ärgerlich , lacht man Euch aus ! Schlägt man die Tür Euch zu vor der Nas - Tut so , als wärs ein lustiger Spaß ! Klettert durch den Schornstein herein ! Mutig muß der Hungrige sein ! Ich hab oft schon Prügel empfangen - Oft mit dicken eisernen Stangen . Das war mir alles ein lustiger Spaß - Wenn nur erst da war ein leckerer Fraß . Dann gabs nicht mehr Geschwätz und Getu - Sofort war fort die freundliche Ruh . Mit den Fäusten packt ich die Keulen an - Mit zween Fingern hab ich das nie getan . Wie kleine Mädchen zierlich zu speisen - Das überließ ich schwächlichen Greisen . Den Nachbarn hab ich nie angeschaut . Beim Essen