hat recht . Es geht mir hier ebenso mit ihr . Sie hat einen zuverlässigen Charakter und nimmt es ziemlich ernst mit ihren Anschauungen von Adel und Adelspflicht . Aber es ist sehr schwer , wenn man in Verhältnissen ... « » Nein , nein , nein ... « » ... Wenn man auf so bescheidenem Fuße lebt wie wir . Das gibt dann immer Meinungsverschiedenheiten und Unliebsamkeiten . Aber wenn Therese nicht , wer dann ? Von Manon würde ich mich nicht gern trennen . « » Sollst du auch nicht , Albertine . Manon ist Nesthäkchen und muß dir bleiben . Meine Frau hat sich , ich wiederhole , deine Zustimmung vorausgesetzt , für Sophie entschieden . Die hat ihr sehr gefallen , als sie sie hier sah , und ihre Briefe haben ihr gefallen , auch die , die sie an Therese schrieb . Alles so verständig . Und meine Frau hat eine Vorliebe für das Verständige , nur keine Flausen und Redensarten und aufgesteifte Sachen . Und Mogeleien sind ihr nun schon von Grund aus zuwider . « » Davon hat Sophie , Gott sei Dank , nichts . Ihr Leben ist immer Arbeit gewesen , und sie hält eigentlich alles zusammen , was sonst auseinanderfiele . « » Darf nicht . Darf nicht . Nichts darf auseinanderfallen . Also Sophie ! Meine Frau will nämlich allerlei Neues und will namentlich auch neue Wappenteller haben , was mich anfänglich , offen gestanden , aufs äußerste verwunderte . Sie hat mir aber Aufschluß darüber gegeben . Ich bin jetzt , sagte sie mir neulich , eine Poggenpuhl , und da paßt es nicht mehr , daß alles noch das Leysewitzsche Wappen hat ; ich glaube , die Leute reden darüber , und das muß man vermeiden . Sophie malt so gut ; sie soll uns das Poggenpuhlsche Wappen malen , dabei wird sie sich auch wohl fühlen und glücklich sein , ihre Gaben im Dienste der Familie verwenden zu können . Und dann ist sie so musikalisch . In der Dämmerstunde zuhören , wenn ein Schubertsches Lied gespielt wird , darauf freu ich mich , das wird unser stilles Haus beleben , und wir können Besuche dazu laden . « » Und wann denkst du , daß sie reisen soll ? « » Gleich heute mit mir . Sie muß um drei mit ihrem Koffer in meinem Hotel sein . Am besten allein . Abschiede verwirren , Küsse sind lächerlich . Um vier geht der Zug , und um elf sind wir in Adamsdorf . « Damit erhob er sich , und unter Grüßen an Therese und Manon nahm er Abschied . Zehntes Kapitel Sophie von Poggenpuhl an Frau von Poggenpuhl Adamsdorf , 6. Januar Liebe Mama ! Gestern , gleich nach elf , sind wir wohlbehalten hier eingetroffen . Ganz zuletzt , auf dem Wege von Hirschberg hierher , entzückte mich die Fahrt im offenen Wagen , trotzdem der Himmel bedeckt und das Gebirge , das zu sehen ich mich so gefreut , in seinen Linien unsichtbar war . Aber in den Dörfern herrschte doch noch Leben , und die Erdmannsdorfer Fabrik , in der auch die Nacht hindurch gearbeitet wird , leuchtete durch den Nebel , der zog . Es sah mittelalterlich-romantisch aus , als ob eine uralte Piastenfamilie darin wohnte . Hier in Adamsdorf - nur ganz in der Ferne schlug noch ein Hund an , und ein andrer antwortete - war schon alles still , und still war es auch auf dem Vorplatz vor dem Schloß . Ich ängstigte mich einen Augenblick ; aber wie fiel das alles von mir ab , als ich in den Salon trat und von der Tante aufs liebenswürdigste begrüßt wurde ! Eine herrliche Frau . Ich begreife Therese nicht , die sich nie so recht mit ihr stellen konnte . Vielleicht kommen auch für mich noch die Beschwerlichkeiten , aber ich glaube es kaum . Daß Dir , mein altes Mutterchen , die Lebenslose doch auch so glücklich gefallen wären ! Ich sprach von : Salon . Ja , es war ein Salon , in den wir eintraten , aber viel mehr noch ist es eine Halle . Der Vorbesitzer von Adamsdorf , das in alten Zeiten eine Benediktinerabtei war , hat viel von den alten Klostergebäuden mit in den Neubau herübergenommen , und diese Halle war vordem ein Refektorium ; - durch den Raum hin stehen noch drei gotische Pfeiler , und in dem Kamin glomm ein Feuer , dessen von Zeit zu Zeit aufflackernde Lichter an der gewölbten Decke hin spielten . Außer der Tante war nur noch eine Katze da , ein wunderschönes großes Tier , das spinnend um mich herum ging und mir dann auf den Schoß sprang . Ich erschrak ; aber die Tante beruhigte mich und sagte : das sei eine Liebeserklärung , womit Bob ( es wird also wohl ein Kater sein ) sonst sehr zurückhalte . Er sei mißtrauisch und eifersüchtig . Weil wir ausgefroren waren , bat der Onkel um einen Eierpunsch , den sie hier aus Ungarwein und Gelbei machen . Es schmeckte mir ganz vorzüglich . Und was noch wichtiger , ich habe hinterher herrlich geschlafen , und als ich zu guter Zeit aufstand und die Jalousien in die Höhe zog , da lag das Gebirge , ganz von Schnee überdeckt , in langer Linie vor mir . Wir wollen in den nächsten Tagen eine Partie nach der Heinrichsbaude machen und dann in einem Hörnerschlitten wieder zu Tale fahren . Es soll wunderschön sein , aber ich ängstige mich ein wenig . Ergeh es Dir gut . Gruß und Kuß Euch allen und ( wenn Ihr schreibt ) auch nach Thorn hin an die Brüder . In herzlicher Liebe Deine Sophie Schloß Adamsdorf , 16. Januar Liebe Mama ! Ich habe mich nun schon ganz hier eingelebt . Die Tante verbleibt in ihrer Güte dieselbe gegen mich ; vom Onkel es zu versichern ist nicht nötig