heruntergebracht , und das um seinetwillen , um ihm eine Freude zu machen ... Und nun steht sie wieder da neben ihm und zittert für sein Kind und verteidigt die nichtsnutzige Mutter ... sein Weib . » Ein nichtsnutziges Weib « , murmelte er ingrimmig , und die Hanne schlang angstvoll die Finger ineinander und drückte ihre Wange an das heiße Gesicht des Kleinen . » Lepold , ich bitt dich ! - Oder da , bleib bei ihm , ich hol den Doktor ! « Sie legte ihm das Kind in den Arm und lief aus der Stube , ehe er etwas erwidern konnte . Die Lampe zuckte , flackerte und malte unruhige Schatten an die Wände ; eine große Fliege surrte immer um das Köpfchen des Kranken , und der Vater konnte sie nicht haschen , nicht verjagen , er blies nach ihr , doch sie ließ sich nicht vertreiben . Das Summen und Kreisen des Tieres erbitterte ihn , denn es machte seinen weinschweren Kopf wieder wirbliger , und das Kind lag wie ein Stück Blei in seinem Arm , der kleine Körper strömte eine fühlbare Hitze aus . Jetzt zuckte und knisterte die Lampe , sie mußte bald erlöschen , ein brenzlicher Geruch zog durch die Stube und verlegte ihm schier den Atem , langsam schleppte er sich auf und nieder und wiegte seinen Buben , der recht jammervoll stöhnte . Niemals war dem Leopold das altbekannte liebe Gemach so leer und fremd gewesen , selbst als seine Eltern tot waren und er allein da hauste , war es freundlicher ; aber heute ! ... Es sah aus , als ob sich die Decke gesenkt hätte , ja als ob sie sogar jetzt noch Zoll um Zoll herabrückte , und dabei war es zum Ersticken schwül , dumpf und beängstigend ... Das ersterbende Licht warf nur mehr einen fingerbreiten Streifen über den Tisch , das ganze Gemach lag in schwarzer Dunkelheit . Die Finsternis verwirrte den erregten Mann noch mehr , er wollte das Fenster öffnen , darum legte er den Knaben auf sein Bett ... Oh ! ... Das ist ja nicht das seine , er hatte sich nur so hingetastet in der Finsternis , das ist ihr Lager ... sie hatte die weichsten Kissen , und da , wo ihr schöner Kopf ruhte , da roch es immer so frisch von ihren Haaren , als ob man den zarten Flaumduft eines jungen Huhnes einatmen würde . Wie liebte er dieses rote , gesunde , duftende Haar ... und da , freilich , da lag ihr Nachthäubchen und geriet ihm zwischen die Finger , und er ließ sein glühendes Gesicht darauf fallen . Kam wirklich die Zimmerdecke langsam herunter , herabgedreht durch eine unsichtbare Kurbel , die aber scharf kreischte ? ... Schrie sein Kind so heiser und hustete so bellend ? ... Wahrhaftig ! Da hatte er mit einmal seinen zweiten Arm wieder ... Drüben in der großen Waschküche spielten die Musikanten den Walzer , den er mit seinem jungen Weibe soeben getanzt hatte ; Hochzeitsnacht ? ... Oho ! Das ist mehr Lärm , als er heute ertragen kann ... Noch ein Glas Wein ? » Laß den Spaß sein mit der Marie « , grollte der Leopold , und dann seufzte er : » Tust mir bitterlich weh ... « Jetzt raffte er sich auf und schüttelte suchend die Kissen durcheinander ; freilich , so ist es ... das ist ihr Bett und leer , nur sein Bub ist da bei ihm , sie ist fort , ist ein nichtsnutziges Weib ! Die Lampe knisterte , warf ein paar kleine Fünkchen ab , flammte auf und erlosch . Zwischen den beiden Betten am Boden lag der Leopold lang ausgestreckt , ohne Atem , wie ein Erstickter , und sein Söhnlein wimmerte , als es nimmer schreien konnte . Der Mann hörte nichts , seine letzte krampfhafte Bewegung war , mit ausgespreizten Fingern die Decke zu halten , denn er sah , wie sie tiefer und tiefer herabsank ... sah , daß sie nur mehr handbreit von seinem Kopf entfernt ist und ihm jetzt das Hirn zusammendrücken werde . » Einmal muß aber die Geschichte doch ein End nehmen , meinst nicht ? « zischelte die alte Frau Walter . Sie stand in der Küche des Leopold und schielte nach seiner Zimmertür . » Sobald er wieder hinaus kann , komm ich heim « , erwiderte die Hanne kleinlaut . Die Alte rang die Hände und schüttelte dann alle zehn Finger knapp vor den Augen ihrer Tochter . » Weißt du , daß es jetzt volle sechs Wochen sind ? - Tag und Nacht bist du da herumgehockt . Ich will nichts von der versäumten Arbeitszeit sagen , aber schau , wie du zugerichtet bist « , belferte halblaut die Frau . » Ah , und wie denn ? - Überleg sich doch die Frau Mutter alles . Das Kind war zum Auslöschen , der Leopold ein schlaghafter Mensch , und die Lene ... « » War eine gescheite Person , die auf und davon ist , wie sie ihr versoffener Mann zum erstenmal geprügelt hat . Wenn wir es alle so gemacht hätten , so wären unsere Männer auch anders worden . « » Eine gescheite Person ? « wiederholte das Mädchen erstaunt . » Ja . Und du ? Eine dumme Gans , die ihre Zeit versäumt , weil sie wildfremde Leute pflegen muß . « » Wildfremde Leut ? Der Weis Leopold und sein Bub ? « » Na , Nachbarn halt . Wer hat sich denn sonst im Haus so geschäftig gemacht außer dir ? « frug die Mutter boshaft und stemmte herausfordernd beide Arme in die Hüften . » Ist denn das ganze Haus verändert , sind alle Leute anders worden in sechs Wochen ? « sagte die Hanne kleinmütig . » Vor sechs Wochen war ja der Leopold für alle ein braver , ehrlicher Mensch und die