s schon oft gedacht . Und dir löst keiner die Schuhriemen auf ! « » Hm ! das brauchst du mir nicht zu sagen , ich nehme keine Schmeicheleien an ! Aber die Fliegen lasse ich mir allerdings nicht auf der Nase heiraten ! « Der Schweizer strich sich grimmig geschmeichelt den Schnurrbart und stieß mit dem Deutschen an : » Trink aus , ich zahle noch ein Glas ! « Martin Salander hörte diese Reden , die von einer gemeinen Gesinnung und zügellosen Eitelkeit zeugten , mit Verwunderung , indem er zu sich sagte : Dieser verfluchte Kerl ! dieser Schreiner- oder Schustergesell hat sich ja ganz ausgezeichnet eingerichtet : Wie die Ameisen sich Blattläuse halten , die sie melken , hält sich der einen eigenen Lobhudler , einen Schwaben , wie man ' s hier nennt ! Er mußte nur weiter hören . Der schweizerische Arbeiter hob ein solches Selbstrühmen an , wie es nur ganz schlechtgezogene Menschen tun können , die zudem niedrig denken und fühlen . Aber je mehr er prahlte und sich selbst herausstrich , desto kleinlauter wurde der deutsche Gesell oder tat wenigstens so . Denn Gott mochte wissen , was der Schläuling für einen Grund hatte , dem Flegel den Hof zu machen . Allein je demütiger er sich bezeigte , desto übermütiger wurde der andere . » Du bist einer von den Gescheitern , « rief er , » du weißt es doch zu schätzen , daß du in der Schweiz und bei einer Nation bist , wie die meinige ! Schau mich an ! Alles machen und ordnen wir selbst , wie wir es haben wollen , und ich bin einer davon und frage weder Gott noch Teufel etwas nach ! Heut noch geh ich in eine Beratung über ein Gerichtsgesetz , das über tausend Baragraphi hat , und morgen mach ich Blauen , denn es wird lang dauern . Der Meister kann dafür aufstehen und schaffen ! Anerkennst du das ? « » Ich sag es ja immer , ich schäme mich , ein Deutscher zu sein ! « » Das ist nicht ganz aus dem Weg , obgleich ihr auch energische Bursche habt ! Sieh uns jetzt nur aufmerksam zu und lerne was Rechtes ! « Salander konnte nicht mehr an sich halten . Rot vor Zorn schlug er auf den Tisch und rief dem Deutschen zu : » Schämen sollte man sich , so zu reden , wenn man ein so gewaltiges Vaterland hat ! Und Ihr , Herr Landsmann , « wandte er sich an den Münsterburger , » solltet Euch schämen , einen arglosen Fremden so zu bedrücken und Euch von ihm anpreisen und beloben zu lassen ! Zehn Jahre bin ich in Amerika gewesen und habe nirgends einen so eitlen Tropf und Prahlhans reden gehört , wie Ihr einer seid ! Da sind wir schön bestellt , wenn das junge Volk schwatzt wie die Elstern und alten Hebammen ! Pfui Teufel ! « Er hatte in seiner törichten Aufregung so laut gerufen , daß die Leute an umstehenden Tischen sich drehten und zuhörten . Der Schweizer Landsmann hatte zuerst verdutzt ausgesehen ; jetzt stand er schon auf den Beinen , streckte die Hand aus und rief : » Wer seid Ihr da , wer heißt Euch , zu horchen , was die Leute reden ? « » Ich habe nicht gehorcht ! Ihr seid mit Eueren Reden dahergekommen , wo ich schon gewesen bin ! « » Ihr seid dennoch ein Schleicher ! Wenn Euch nicht gefällt , was wir sagen , so geht weiter ! Aber Ihr seid jedenfalls ein Spion und Volksverächter ! « Er rüttelte an dem kleinen Tisch , der zwischen ihnen stand , daß die Gläser klirrten , die Umstehenden drängten sich näher heran , und einige riefen , was der wolle ? » Schimpfen tut er , wir seien eitle Tröpfe und alte Hebammen , wir junges Volk , wenn wir Freiheit und Vaterland rühmen ! « Auch der Deutsche verlor seine Gutmütigkeit und fing an , Lärm zu machen . Salander blickte auf seinen Knaben , nahm ihn an die Hand und drückte sich unversehens durch die Leute und aus dem Saale , nicht ohne dem Tisch einen kräftigen Stoß gegeben zu haben , den jener ihm auf den Leib rücken wollte . Er hätte nicht übel Lust gehabt , die aufgewachten Dämonen oder den Löwen mit beharrlicher Rede zu zähmen ; allein die Rücksicht auf sein Kind gebot ihm , allen weiteren Händeln aufzuweichen , damit er nicht gar erlebe , vor den Augen desselben mißhandelt und gedemütigt zu werden . Voll Verdruß und Beschämung suchte er den kürzesten Weg nach Hause , war aber froh , dem Herrn Möni Wighart zu begegnen , dem er , da es noch zeitig am Tage war , gern in eine stille Wirtschaft folgte , um sich zu fassen und für den Knaben einen freundlicheren Schluß des Spazierganges zu gewinnen . Sie trafen aber in einer Ecke des Hauses den Rechtsanwalt , welchen Salander einst mit seiner Angelegenheit betraut hatte . Der vielbeschäftigte Mann erholte sich hier bei einem Sonntagsschöppchen von der Wochenarbeit gleich einem biederen Handwerksmeister , zeigte sich indessen nach dem unerwarteten Erscheinen des Klienten freundlich bereit , den Wohlwendhandel in die Unterhaltung aufzunehmen und beim Glase zu beraten . Martin Salander schickte daher den Knaben bald mit dem Berichte nach Hause , der Vater werde in einer oder zwei Stunden nachkommen . Leider war nicht viel zu beraten , da der Stand der Sache immer der alte geblieben . In Rio lag sie fast ganz eingepökelt . Die verantwortlichen Personen der Atlantischen Uferbank wurden eine Zeitlang verfolgt ; allein sie drückten sich immer rechtzeitig von Staat zu Staat und hielten sich nur au solchen Orten auf , wo nicht nur an niemand ausgeliefert , sondern wo auch von keinem Verfolgten das auf ihm gefundene Vermögen verwahrt , überhaupt kein Recht gehalten wurde . Ein- oder zweimal ward