das war tags darauf unsere Lust und unsere Wonne . Die flottgemachten Boote fuhren jetzt hin und her : unser Nachbar , der Bäcker , landete mit seinen Wecken und Semmeln , und als es Tag geworden und ein klarer blauer Himmel über der Stadt war , waren wir glücklich , uns zu Schiff abholen und zu Schiff in die Schule fahren zu können . Und glücklich wie wir war die ganze Stadt . Über Tonnen und Bretter hin ging der Verkehr , bis nach abermals einer Woche die große Sintflut verlaufen und ein dichter Schnee gefallen war . Und unter Schellengeläute ging ' s nun durch die verschneite Stadt hin , über deren Schneedächern die Wimpel und Flaggen jetzt wieder flatterten und beinahe lustiger noch flatterten als um Johannistag und die Sommerzeit . « Zehntes Kapitel An diese Schilderungen hatte sich noch eine ziemlich lebhafte Plauderei zwischen Feßler und Franziska geknüpft . Er ließ sich aus dem Gesellschaftsleben der kleinen norddeutschen Stadt erzählen und tat Fragen über Fragen . Am meisten interessierten ihn die Bilder aus dem lutherischen Pfarrhause : der reiche Kindersegen , das Whistspiel und die Pastoralkonferenzen . Alles begegnete sowohl von seiner wie von der Gräfin Seite der unverkennbarsten Teilnahme , jede Miene verriet es , und nur Graf Adam , der doch sonst der lauteste Bewunderer solcher Schilderungen und Gespräche zu sein pflegte , war auffallend still geworden . Er sann offenbar anderen Fragen und Dingen nach , antwortete zerstreut und spielte mit der Gardinenquaste , die neben seinem Stuhle herabhing . Er war deshalb auch einverstanden damit , daß man früher aufbrach als gewöhnlich , und gefiel sich weder in Neckerei noch Widerspruch , als Feßler um die Ehre bat , Franziska bis an ihre Wohnung begleiten zu dürfen . Ja , er lächelte kaum und zog sich , als beide gingen , in sein Zimmer zurück , das unmittelbar über dem Salon seiner Schwester gelegen war . Diese war daran gewöhnt , die nervöse Lebhaftigkeit ihres Bruders ohne besondere Veranlassung in ihr Gegenteil umschlagen zu sehen , und verwunderte sich deshalb erst , als er am nächsten Morgen ohne weitere Grundangabe sein Ausbleiben beim Frühstück entschuldigen ließ . Zugleich hörte sie , daß er in seinem Zimmer auf und ab schritt , wie jemand , der von einer schweren inneren Unruhe gequält wird . Was mocht es sein ? Was war vorgefallen , das ihn hätte verstimmen können ? Sie sann darüber noch nach , als der alte Graf in ihren Salon eintrat , eleganter gekleidet als gewöhnlich und überhaupt in einer Haltung wie jemand , der zur Audienz erscheint oder einen ernsthaften Vortrag halten will . Er ging auf die Schwester zu , begrüßte sie mit besonderer Artigkeit und nahm einen Stuhl . Aber er kippte mit demselben nur hin und her , während er sich über die hohe Lehne desselben vorbeugte . » Habe mit dir zu sprechen , Judith . Bist du bei Laune ? « Die Gräfin war ersichtlich unruhig geworden . » Ich glaube , du weißt , Adam , daß ich das nicht kenne , was man Laune nennt . Aber vor allen Dingen bitt ich dich , Platz zu nehmen . « » Nein , nicht Platz nehmen ; ich kann dann nicht sprechen ; es wird dann alles wie Staatsaktion . Laß mich hier stehen oder noch lieber auf und ab gehen ; der Teppich wird ohnehin Sorge dafür tragen , es nicht allzu störend für dich zu machen . Und nun ist es wohl das beste , mit der Tür ins Haus zu fallen : ich habe vor , mich zu verheiraten . « Judith erschrak heftig , aber sie war doch andererseits auch so vorbereitet darauf , daß es ihr gelang , ihre Ruhe rasch wiederzugewinnen . Und so sagte sie denn : » Warum solltest du nicht ? Es war einst der Wunsch meines Lebens . « » Einst « , wiederholte der Graf mit einem Anfluge von Bitterkeit oder doch Ironie . Die Gräfin aber achtete des ironischen Tones nicht und fuhr ihrerseits einfach fort : » Und wen ? Aber wozu frag ich noch ! « » Und wie stellst du dich zu meiner Wahl ? « » Nun , sie hat Chic . « » Und du Mißtrauen ? « » Nein . Ich habe sogar eine Vorliebe für sie . « » Gut . Dann bin ich deiner schließlichen Zustimmung sicher , obschon ich , um offen zu sein , vom Allerweltsstandpunkt aus mancherlei Schwierigkeiten und Hindernisse keinen Augenblick verkenne : Geburt und Stand und Konfession . « » Ja « , sagte Judith , » das trennt euch , Geburt und Stand und Konfession . Aber , mein lieber Adam , was euch eigentlich trennt , das hast du nicht genannt . Geburt und Stand , sagtest du . Nun wohl , in kleinen Verhältnissen bedeuten sie viel und schaffen vielleicht unübersteigliche Schwierigkeiten ; aber das Haus Petöfy darf sich freier bewegen , und in dem Augenblicke , wo das Ja gesprochen ist , ist auch ausgeglichen , was Geburt und Stand vermissen ließen . « Er war ersichtlich erfreut , sie so sprechen zu hören , und nickte zustimmend . » Also nicht das « , fuhr die Gräfin fort . » Und auch die Konfessionsfrage nicht , die Frage nach der Rechtgläubigkeit , die mich viel weniger ängstigt , als du vielleicht glaubst . Ich habe das Vertrauen zu der Macht unserer Kirche , der Macht meiner Gebete zu geschweigen , daß sie den mir wünschenswerten Ausgleich wenn nicht schaffen muß , so doch schaffen kann . Aber eines kann sie nicht ausgleichen den Unterschied der Jahre . « » Welches Wunder auch ungefordert bleibt . « » Und doch wäre es gut , es vollzöge sich . Ich wollte , du wärest weniger blind oder es schärfte sich doch dein Auge . « » Blind ? « nahm er jetzt erregt und mit einem