sag ich jetzt ; damals kam es mir anders vor , und ich war in meiner Ungeduld schon im Begriff , ein Verbrechen am geheiligten Hausbrauch zu begehen und Anka mit einer Bitte um Nachricht an ihren Vater abzusenden , als die Tür aufgerissen wurde und er selbst hereinstürmte . Er selbst , der Graf , totenbleich , mit leuchtenden Augen . Fräulein ! rief er , teures Fräulein ! ... Betroffen über diese vertrauliche Ansprache steh ich da - er tritt auf mich zu , ergreift meine Hand und zieht sie an seine Brust : Fräulein ! wiederholt er , Sie müssen es durch mich erfahren . Österreich ist gerettet , Napoleon ist geschlagen , Napoleon ist in zweitägiger Schlacht vom Erzherzog Karl geschlagen ... Geschlagen ? fragte Anka , und jetzt erst schien er ihrer Gegenwart innezuwerden , das Blut schoß ihm ins Antlitz , er wandte sich zu ihr . Merke dir , Anka : Aspern und Eßlingen - den 21. und 22. Mai ... da haben die Österreicher die große , unüberwindliche Armee glorreich besiegt ... Die Stimme versagte ihm . Ich sah ihn zum erstenmal überwältigt und nicht mehr Herr seiner selbst , ich sah die ersten Tränen in seinen Augen . Und ich ! ... schrie er plötzlich auf , erhob den rechten Arm , streckte ihn gewaltsam aus und ließ ihn mit einer Gebärde der Verzweiflung niedersinken . Ich war sprachlos und hatte nicht weniger Mühe , meine Fassung zu bewahren , als er , die seine wiederzugewinnen . Albert hat einen Boten geschickt , er ist bei der Gräfin - gehen Sie hinauf mit Anka , hören Sie , was er erzählt , sagte der Graf . Gehen Sie ! wiederholte er , als ich einen Augenblick zögerte , ich folge . Wir trafen die Gräfin auf ihrem Kanapee ruhend , der Doktor , Francine und August , der Reitknecht , standen vor ihr . Francine triumphierend über die Niederlage des usurpateur , der Doktor , die Stirnader hochgeschwollen , die Brille verkehrt aufgesetzt , die Schleife der Krawatte am Ohr , rief die Französin zur Ordnung , sooft sie den Erzähler mit Freuden- und Beifallsäußerungen unterbrach . Der aber hielt sich so steil aufrecht , als sein runder Rücken und seine zitternden Beine es erlaubten , und berichtete von den Heldentaten seiner jungen Herren . Von dem Generalissimus , von Wimpffen und Smola , von Liechtenstein , Hohenzollern und andern Leuten zu sprechen , überließ er der Geschichte . Er sprach von Albert und Viktor , seinen Helden , war unerschöpflich in ihrem Preise , in der Beschreibung ihres Aussehens und dessen , was sie getan und gesagt hatten und wie es nach der Schlacht ihr erster Gedanke gewesen sei , Botschaft zu schicken an die erlauchte Mama . Und wie dann er , August , gemeint : Ich reit halt hinüber , ich kenn mich schon aus , und wie er Pferde requiriert hatte , wo er sie fand , und in achtundvierzig Stunden kaum aus dem Sattel gekommen war . Schreiben würden die Herren Grafen später . Jetzt sei er da und vermelde unterdessen , was er zu vermelden habe : einen Handkuß . Damit beugte er sich , um denselben gehorsamst zu übermitteln . Sein altes , gelbes , mit Schweiß und Staub bedecktes Gesicht näherte sich der Hand der Gräfin , und fast wäre sein langer Schnurrbart , dessen Enden wie die Zweige einer Trauerweide niederhingen , mit dieser schönen , duftenden Hand in Berührung gekommen . Aber ihre Eigentümerin zog sie rasch zurück und sprach , den allzu gewissenhaften Boten fortwinkend : Laß Er ' s gut sein ! Der Graf war vor einer Weile eingetreten , hatte , von niemand außer mir bemerkt , ganz still in einer Ecke Platz genommen und bis jetzt schweigend , mit gesenktem Haupte , zugehört . Geh , lieber Alter , sprach er nun , sich erhebend , iß , trinke , schlafe , laß dir ' s wohlgeschehen . Der Doktor machte sich anheischig , für August auf das beste zu sorgen , und führte ihn hinweg . Ein braver Mensch ! sagte die Gräfin , wirklich exzellent . Aber welche Atmosphäre ! - Francine , öffnen Sie das Fenster ! An dem Tage war natürlich nur noch von den Nachrichten die Rede , die August gebracht hatte . Eine Trauerbotschaft befand sich darunter . Der älteste Bruder des Grafen Stephan war bei Aspern geblieben . Seinem unglücklichen Vater stand der Jammer bevor , die Todesnachricht des Erstgeborenen am Kranken- , vielleicht am Sterbebett des jüngsten Sohnes zu erfahren . Leider hatte der Wachtmeister , der den Grafen Stephan nach Hause geleitet , bei der Rückkehr zum Regiment nicht viel Tröstliches über den Verwundeten zu berichten gewußt . Man hoffte ihn am Leben zu erhalten , man hoffte ! aber sicherlich war es noch lange hin bis zu seiner Genesung , und ob diese jemals ganz vollständig sein werde - das konnte nur Gott wissen . So meinte August , weil er es so gehört hatte . Die Gräfin hingegen meinte , die Ärzte wüßten wohl auch , daß alles gut enden würde , gäben es nur noch nicht zu ; das ist schon ihre Art , man kennt das , Klappern gehört zum Handwerk . Ein paar Kugeln in der Brust bringen einen jungen kräftigen Menschen nicht um ; man nimmt sie heraus , und er ist wieder gesund . Wunderbarerweise gewann es wirklich den Anschein , als ob die verwegenen Voraussetzungen der eingefleischten Optimistin eintreffen sollten . Die nächste Kunde von dem Grafen Stephan , die bald darauf zu uns drang , sprach von einer kleinen Besserung . Inzwischen hatten wir erfahren , daß der Sieg bei Aspern nicht zu einem offensiven Vorgehen von seiten des Erzherzogs benutzt worden war . Die beiden Heerführer standen einander gegenüber , ohne Anstalten zu einer neuen großen Schlacht zu treffen , jeder nur auf die Verstärkung seiner Streitkräfte bedacht