nicht sicher , was dem Kinde etwa begegnen konnte auf diesem so fremden Boden . Fräulein Rottenmeier erhob sich langsam von ihrem Sitz und kam näher , um die angekommene Gespielin der Tochter des Hauses zu betrachten . Der Anblick schien sie nicht zu befriedigen . Heidi hatte sein einfaches Baumwollröckchen an und sein altes , zerdrücktes Strohhütchen auf dem Kopf . Das Kind guckte sehr harmlos darunter hervor und betrachtete mit unverhehlter Verwunderung den Turmbau auf dem Kopf der Dame . » Wie heißest du ? « fragte Fräulein Rottenmeier , nachdem auch sie einige Minuten lang forschend das Kind angesehen hatte , das kein Auge von ihr verwandte . » Heidi « , antwortete es deutlich und mit klangvoller Stimme . » Wie ? wie ? das soll doch wohl kein christlicher Name sein ? So bist du doch nicht getauft worden . Welchen Namen hast du in der Taufe erhalten ? « fragte Fräulein Rottenmeier weiter . » Das weiß ich jetzt nicht mehr « , entgegnete Heidi . » Ist das eine Antwort ! « bemerkte die Dame mit Kopfschütteln . » Jungfer Dete , ist das Kind einfältig oder schnippisch ? « » Mit Erlaubnis und wenn es die Dame gestattet , so will ich gern reden für das Kind , denn es ist sehr unerfahren « , sagte die Dete , nachdem sie dem Heidi heimlich einen kleinen Stoß gegeben hatte für die unpassende Antwort . » Es ist aber nicht einfältig und auch nicht schnippisch , davon weiß es gar nichts ; es meint alles so , wie es redet . Aber es ist heut ' zum erstenmal in einem Herrenhaus und kennt die gute Manier nicht ; aber es ist willig und nicht ungelehrig , wenn die Dame wollte gütige Nachsicht haben . Es ist Adelheid getauft worden , wie seine Mutter , meine Schwester selig . « » Nun wohl , dies ist doch ein Name , den man sagen kann « , bemerkte Fräulein Rottenmeier . » Aber , Jungfer Dete , ich muß Ihnen doch sagen , daß mir das Kind für sein Alter sonderbar vorkommt . Ich habe Ihnen mitgeteilt , die Gespielin für Fräulein Klara müßte in ihrem Alter sein , um denselben Unterricht mit ihr zu verfolgen und überhaupt ihre Beschäftigungen zu teilen . Fräulein Klara hat das zwölfte Jahr zurückgelegt ; wie alt ist das Kind ? « » Mit Erlaubnis der Dame « , fing die Dete wieder beredt an , » es war mir eben selber nicht mehr so ganz gegenwärtig , wie alt es sei ; es ist wirklich ein wenig jünger , viel trifft es nicht an , ich kann ' s so ganz genau nicht sagen , es wird so um das zehnte Jahr , oder so noch etwas dazu sein , nehm ' ich an . « » Jetzt bin ich acht , der Großvater hat ' s gesagt « , erklärte Heidi . Die Base stieß es wieder an , aber Heidi hatte keine Ahnung , warum , und wurde keineswegs verlegen . » Was , erst acht Jahre alt ? « rief Fräulein Rottenmeier mit einiger Entrüstung aus . » Vier Jahre zu wenig ! Was soll das geben ! Und was hast du denn gelernt ? was hast du für Bücher gehabt bei deinem Unterricht ? « » Keine « , sagte Heidi . » Wie ? Was ? Wie hast du denn lesen gelernt ? « fragte die Dame weiter . » Das hab ' ich nicht gelernt und der Peter auch nicht « , berichtete Heidi . » Barmherzigkeit ! du kannst nicht lesen ? du kannst wirklich nicht lesen ! « rief Fräulein Rottenmeier im höchsten Schrecken aus . » Ist es die Möglichkeit , nicht lesen ! Was hast du denn aber gelernt ? « » Nichts « , sagte Heidi der Wahrheit gemäß . » Jungfer Dete « , sagte Fräulein Rottenmeier nach einigen Minuten , in denen sie nach Fassung rang , » es ist alles nicht nach Abrede , wie konnten Sie mir dieses Wesen zuführen ? « Aber die Dete ließ sich nicht so bald einschüchtern ; sie antwortete herzhaft : » Mit Erlaubnis der Dame , das Kind ist gerade , was ich dachte , daß sie haben wolle ; die Dame hat mir beschrieben , wie es sein müsse , so ganz apart und nicht wie die anderen , und so mußte ich das kleine nehmen , denn die größeren sind bei uns dann nicht mehr so apart , und ich dachte , dieses passe wie gemacht auf die Beschreibung . Jetzt muß ich aber gehen , denn meine Herrschaft erwartet mich ; ich will , wenn ' s meine Herrschaft erlaubt , bald wieder kommen und nachsehen , wie es geht mit ihm . « Mit einem Knix war die Dete zur Tür hinaus und die Treppe hinunter mit schnellen Schritten . Fräulein Rottenmeier stand einen Augenblick noch da , dann lief sie der Dete nach ; es war ihr wohl in den Sinn gekommen , daß sie noch eine Menge von Dingen mit der Base besprechen wollte , wenn das Kind wirklich dableiben sollte , und da war es doch nun einmal und , wie sie bemerkte , hatte die Base fest im Sinn , es da zu lassen . Heidi stand noch auf demselben Platz an der Tür , wo es von Anfang an gestanden hatte . Bis dahin hatte Klara von ihrem Sessel aus schweigend allem zugesehen . Jetzt winkte sie Heidi : » Komm hierher ! « Heidi trat an den Rollstuhl heran . » Willst du lieber Heidi heißen oder Adelheid ? « fragte Klara . » Ich heiße nur Heidi und sonst nichts « , war Heidis Antwort . » So will ich dich immer so nennen « , sagte Klara ; » der Name gefällt mir für dich , ich habe ihn aber nie gehört , ich habe