lieblichen Schatten doch geblieben , trotzdem daß wir so sehr erwachsen und verständig und anständig geworden sind . Es ist aber einerlei ; auf dem Grunde unserer Seele schlafen doch alle alten fröhlichen Neigungen . Wir gehen noch von dem » großen Nußbaum « aus den Unserigen durch ; der einzige Unterschied ist , daß die Mädchen ( auch Irene ) noch ein wenig mehr Einwendungen zu machen haben und daß wir es zu Hause mitteilen , daß wir » ausgehen « , und uns die Erlaubnis nicht ohne weiteres selbst nehmen . Früher freilich ließen wir alle unsere Sorgen den lieben Angehörigen , heute nehmen wir schon ein gut Teil unserer eigenen Sorgen auf alle unsere Wege , auch auf die lustigsten , mit uns . Und da sind wir wieder auf dem Wege , von dem wir erst im Anfange dieses Kapitels beim süßen Licht des Mondes und beim Lampenschimmer der Heimat zurückkehrten . Es ist wieder Sommer , und wieder steht Mondschein im Kalender . Wir gehen wieder auf Besuch zu dem Vetter Just nach dem Steinhofe ; aber nicht nur , wenn zwei dasselbe tun , ist es nicht dasselbe : auch wenn man zweimal dasselbe tut , ist es gleichfalls nicht mehr dasselbige . Die Namen , die Adam den Dingen gab , bleiben wohl , und die Menschheit darf sie dreist dabei nennen ; aber flüchtig sind des Menschen Auffassungen und Begriffe : was er heute so nennt wie gestern , ist heute nicht mehr das , was er gestern darunter verstand . Wir gehen tausendmal den nämlichen Weg , aber nimmer wieder denselben ; - Ach , und in demselben Flusse Schwimmst du nicht zum zweitenmal . Gottlob , das Echo in unseren Bergen und Wäldern wachzurufen , haben wir noch nicht verlernt - Ewald und ich nämlich . » Holla , der Steinhof : Heda , he , Vetter ! Vetter Just Everstein ! « » Holla , holla , hier ! « klingt es zurück , und der Vetter , nunmehr fünfundzwanzig Jahre alt , kommt langsam und langbeinig , unbeholfen , fett und äußerlich unsagbar vertiert , die kurze Pfeife im Munde , über seinen Hof uns entgegen , nach dem Hause zurückrufend : » Jule , da sind sie . « Und wieder erscheint Jule Grote auf der Haustürtreppe , um fünf Jahre hexenhafter von außen und weichmütiger von innen geworden . » O mein Je , die jungen Herrschaften ! Die Ehre und das Vergnügen werden ja jedesmal größer ; denn so wie die jungen Leute , mit Erlaubnis zu sagen , heranwachsen , das glaubt gar keiner , der es nicht immer von neuem mit ansieht . « » Und du hast uns wieder voraufgeahnt , Vetter Just ? « lacht Ewald . » Natürlich ! Und sowohl von wegen der Seelenkunde als der Witterungskunde . Nach wem habt ihr euch denn wohl am meisten wahrend des vierzehntägigen Landregens hingesehnt als nach mir ? Meteorologie nennt man dieses , wenn man seine Freunde genau kennt und zu gleicher Zeit mit der Landwirtschaft zu schaffen hat . « » Wahrlich , so ist es , Herr Vetter ! « lacht auch Irene , die Hände zusammenschlagend , und Eva lacht auch , und der Vetter gibt der letzteren zuerst die Hand ; denn sie macht sich immer noch von allen am wenigsten über ihn lustig , das heißt gar nicht ; und er weiß das um so mehr zu schätzen , je » gelehrter « er geworden ist und weiter wird , Der Ernst und die ernsthafte Teilnahme seiner Umgebung und guten Bekannten hält selbstverständlich nicht Schritt mit seinen Fortschritten in Bildung und Wissenschaften . Im Gegenteil , sie bleibt sehr zurück dahinter , und die gute Bekanntschaft nimmt ihn immer vergnügter , was man ihr schon hätte hingehen lassen können , wenn nicht leider bereits Leute darunter gewesen wären , die auf seine » Verrücktheit « spekuliert hätten und eigene Bestrebungen darauf bauten . Die lachen nur hinter seinem Rücken , und er hat keine Ahnung von ihnen , trotzdem daß Jule Grote ihn tagtäglich auch auf das auf macht und mit der Nase darauf hinstößt . Die Lacher nimmt er in gewohnter Weise leicht . » Das ist mir ganz einerlei « , meint er . » Ich denke sie mir allesamt rückwärts , wie sie alle an ihrer Mutter Brust gesogen oder eine Amme gehabt haben oder mit Brei aufgefüttert sind und wie keiner was für seine Natur kann und ich auch nicht . Wenn ich da muffig werden wollte , so hätte ich wohl manche andere bessere Gelegenheit zur Wut . Ich habe doch alles versucht . Ich habe mir eine Kanarienvögelhecke angelegt , und ich habe mich auf die Bienenzucht geworfen - oben stehen die Bücher über beides , und es ist eine ganze Reihe geworden . Ich habe es mit der wissenschaftlichen Verbesserung der hiesigen Ackerstelle in ökonomischer Hinsicht probiert und - oben stehen die Bücher auch , und da habe ich nicht den tausendsten Teil von dem , was darüber erschienen ist , aber eine schöne Reihe ist es doch . So wahr ich hier stehe , es ist mir bitterer Ernst um meiner Väter Erbe , obgleich ich noch nicht einmal wie sie verheiratet bin und Nachkommenschaft habe . Der liebe Gott weiß es , wie oft ich mich schon dem Teufel vor Angst und Verdruß hätte übergeben mögen ! « Dieses pflegte er zu sagen ; augenblicklich aber brummt er im höchsten Behagen : » Wir sind eben beim Frühstück . Kommt nur rasch herein . Jule ! « » Ich weiß ja schon , Just « , ruft die Alte , die harte treue Hand im Kreise herumreichend . » Alles , wie es sich schickt . Vorliebnehmen ist auch was , was der liebe Gott gern hat . « Da ist nun die alte gute Bauernstube des Steinhofes zum zweitenmal . Wieder voll Augustfliegen und mit all