Kinder waren bettelarm , aber er hat ihnen nie einen Kreuzer zukommen lassen von seinem Überfluß . Einmal mietet er mich nach Zloczow , wir fahren die ganze Nacht durch . Und wie ich ihn so hinter mir schnarchen höre , fällt mir seine Schwester Lea ein , die ich sehr gut gekannt habe - von Buczacz her - und ich denke : dem Alten ist etwas zu gönnen und - den armen Kindern auch ! So schreie ich plötzlich laut und hohl , ganz mit der Stimme der Lea : Du alter Lump , warum läßt du meine Kinder verhungern ? Mein Chaim fährt auf . Gott mit uns ! schreit er , was war dies für eine Stimme ? Ich schweige , er murmelt etwas und liegt wieder still da . Da wag ' ich ' s noch einmal . Chaim ! meine Kinder hungern ! Nun hat er ' s deutlich gehört , entsetzt fährt er auf . Was war das ? Kutscher , hast du nichts gehört ? Ja , erwidere ich mit zitternder Stimme , plötzlich hat ein kalter Wind durch den Wagen geweht - und eine schreckliche Stimme ... Dem Alten sträubt sich das Haar , zitternd setzt er sich neben mich auf den Bock und fängt laut zu beten an . Aber am anderen Tage hat er zehn Gulden nach Buczacz geschickt und von da ab jeden Monat ... « Seine rühmlichste Tat freilich dünkte ihm die folgende . » In Kopeczynce war ein reicher Verwalter , der Herr Tuskowski . Der hat eine einzige Tochter gehabt , das Fräulein Waleria . Das Mädchen war recht schön , aber stolz , als wär ' sie von Gold , und hart , als wär ' ihr Herz von Stein . Sie war die eigentliche Verwalterin , und wenn ein Mädchen auf dem Hofe ein Unglück gehabt hat , ein kleines Unglück , so hat sie die Arme fortgejagt ohne Erbarmen ! Was tut aber Gott ? ! Gott schickt die Husaren nach Kopeczynce und läßt den Rittmeister einen schönen Mann sein . Und nach einigen Monaten wird die stolze Panna ( polnisch : Fräulein ) selbst blaß und kränklich und doch täglich runder . Natürlich verbirgt sie es ängstlich und ist noch viel strenger gegen andere , so grausam streng , daß es kaum zu sagen ist ! Wie ich einmal nach Kopeczynce komm ' , erzählt mir Mortche der Schenker die ganze Geschichte und sagt : Heute nachmittag gibt sie wieder eine große Unterhaltung im Gartenhaus , um die Herrschaften zu täuschen . Ich hör ' s an , spann ' ein , fahr ' nach Tluste und nehm ' mir die beiden Hebammen mit , die jüdische und die christliche : Zum Fräulein Tuskowska ! Eine schwere Sache , sie braucht euch beide ! Vor dem Garten lad ' ich die beiden alten Weibsbilder ab : Da hinein ! Um Gottes willen - eilt euch ! Atemlos keuchen sie hinein und fragen vor der ganzen Gesellschaft , wo denn die Panna Waleria ist , die sie so dringend braucht . Natürlich hat sie sie hinausgeworfen und ich selbst bin mit genauer Not den Knechten des Herrn Tuskowski entgangen . Aber am nächsten Morgen ist die Panna Waleria aus Kopeczynce abgereist und nie wiedergekommen ... « Bis in sein zwanzigstes Jahr ging dies Treiben fort . Da wandelte ihn ein jäher , zufälliger Eindruck und warf ihn in neue Bahnen . Auch dies sei mit seinen eigenen Worten berichtet . Sechstes Kapitel » Es war so gegen Ende des Winters « , pflegte er darüber zu erzählen , » da läßt mich einmal Jossef Grün , der Vorsteher , rufen und mietet mich , mit seinem Sohn Schmule nach Sadagóra zu fahren , zum Wunderrabbi . Der Schmule ist so in meinem Alter , damals also war er im zwanzigsten , aber dabei blaß , schwach , kränklich wie ein zwölfjähriges Kind . Weil jedoch Jossef gar so ein frommer Mensch war , so hat er ihn schon den Herbst vorher verheiratet , noch dazu mit einem Mädchen , welches um zwei Jahre älter war und dabei dick und rot wie ein Maschansker Apfel . Aber wie ein halbes Jahr vorbei ist und sich noch immer keine Hoffnung auf ein Enkelchen zeigt , wird der Alte ungeduldig und denkt : der große Rabbi muß es richten . Wie er mir das erzählt , und ich mir so den Schmule anschau ' , denk ' ich mir im stillen : da hat der Mann recht , ohne ein Wunder wird dieses schwächliche Kind nicht Vater werden . Laut aber verspreche ich alles , um was der Alte mich bittet : achtzugeben auf den Schmule und mit ihm vor den Rabbi zu gehen und ihn dort zum Reden zu bewegen , weil der schüchterne Junge sonst vielleicht gar nicht sein Anliegen vorbringen möchte . So fahren wir also aus , kommen am Abend des zweiten Tages nach Sadagóra und kehren in einer Schenke ein . Dort sind einige Juden , die uns gleich vertraulich näher rücken und fragen , wozu wir gekommen sind - aber nicht aus Neugier und noch weniger aus Gutmütigkeit . Das ganze armselige Nest lebt ja nur vom Rabbi , und darum sind alle seine freiwilligen oder bezahlten Helfer . Die Fremden werden ausgeforscht , man berichtet dann ihren Namen , ihren Stand und ihr Anliegen dem Rabbi , und am nächsten Tage , wo er den Besucher vorläßt , kann der Mann mit leichter Mühe den Allwissenden spielen ! Bei uns sollt ihr euch einmal eine Beule anrennen , denk ' ich und fange an zu klagen , was für ein unerhörtes Schicksal den Schmule hergeführt hat . Seit wenig mehr als drei Jahren ist er verheiratet , und alle zehn Monate gebiert sein Weib Drillinge ! Immer Drillinge , also zwölf Kinder in dreieinhalb Jahren - und gerade jetzt scheinen wieder neue unterwegs - ein richtiges Unglück ! Die