, alles einem großen Garten glich , der Haus und Hof wie zwischen zwei ausgebreiteten Armen hielt . Selbst Miekleys Mühle war dann nicht freundlicher . Bis unter das Dach blühten die Malven , die Bienen summten um den Stock , die Trauben hingen am Spalier , während sich von dem alten , rechts an der Hoftür wachestehenden Birnbaum von Zeit zu Zeit die schweren Früchte lösten und mit Geklatsch auf die Schwellsteine niederfielen . Von den Insassen des Hauses achtete niemand dieses Tones ; nur ein Mädchen , das auf der vorgebauten Steintreppe des Hauses unter einem Gerank von Flieder und Geißblatt saß , sah einen Augenblick horchend auf , ehe es fortfuhr , das Garn zu wickeln oder die Naht zu säumen . So war es im Spätsommer . Aber auch im Winter bot der Schulzenhof ein freundliches Bild , auch heute am zweiten Weihnachtsfeiertage . Auf dem Hofe war der Schnee zusammengeschippt , so daß er eine Mauer bildete ; die Stalltüren standen auf , aus denen die warme Luft wie ein Nebel ins Freie zog . An der Schwelle saßen Sperlinge und pickten einzelne Körner auf . Sonst alles still ; auch der Hofhund feierte . In einer der Ecken zwischen Stall und Scheune stand seine Hütte ; etwas von seinem Lagerstroh hatte er vor die Öffnung geschoben , und auf diesem Kissen lag nun sein spitzer Wolfskopf und sah behaglich in den Morgen hinein . Und still und festtäglich wie draußen auf dem Hofe , so war auch das Haus . Schon seine Treppe war mit Sand bestreut ; in den Ecken der Vordiele standen junge Kiefern und füllten die Luft mit ihrem Harzgeruch ; an einem Haken in der Mitte des Flurs aber hing ein Mistelbusch . Die Wohnstuben waren schon geheizt und die Kamintüren geschlossen ; nur zur Rechten , wo das große Besuchszimmer lag , knisterte noch ein Feuer und warf seinen Schein . Eine Katze strich ihre Flanken an den warmen Ecken , schnurrend mit gekrümmtem Rücken , zum Zeichen ihres besonderen Behagens . In dem vordersten Wohnzimmer , um einen schweren Eichentisch herum , befanden sich drei Personen . Dem Fenster zunächst , und diesem den Rücken zukehrend , saß ein breitschultriger Mann , ein Fünfziger . Sein Gesicht drückte Kraft , Festigkeit und Wohlwollen aus . Spärliches blondes Haar legte sich an seine Scheitel , er war sonntäglich gekleidet und trug einen langen , schwarzbraunen Rock . Die Frau zu seiner Linken , trotz ihrer Vierzig , war noch hübsch , von dunklem Teint und wendisch gekleidet . Ein breiter Kragen fiel über ihr Mieder von schwarzem Tuch , und der kurze Friesrock war in hundert Falten gelegt . Unter der engen Tüllmütze versteckte sich nur halb das glänzend schwarze Haar . Aller Schmuck war silbern . Um den Hals schlang sich eine starke , vorn auf der Brust durch einen Schieber zusammengehaltene Kette ; die Ohrgehänge glichen großen , silbernen Tropfen . Dies war das Schulze Kniehasesche Paar . Dem Alten gegenüber , im vollen Fensterlicht , saß die Tochter des Hauses , Maria , ebenso aufrecht wie Tages zuvor am Kamin des Herrenhauses . Sie trug dasselbe Taftkleid , dasselbe rote Band im Haar ; und mit derselben Aufmerksamkeit , mit der sie gestern den Erzählungen Lewins gefolgt war , folgte sie heute der Vorlesung ihres Vaters , der zuerst das Weihnachtsevangelium , dann das achte Kapitel aus dem Propheten Daniel las . Der alte Kniehase hatte dies Kapitel mit gutem Vorbedachte gewählt . Mariens Hände lagen still in ihrem Schoß . Und als die Stelle kam : » Und nach diesem wird aufkommen ein frecher und tückischer König , der wird mächtig sein , doch nicht durch seine Kraft , und nur durch seine List wird ihm der Betrug geraten , und er wird sich auflehnen wider den Fürsten aller Fürsten ; aber er wird ohne Hand zerbrochen werden « - da wurden ihre Augen größer , wie sie es bei der Erzählung von dem Feuerschein im Schlosse zu Stockholm geworden waren , denn erregbaren Sinnes , nahm jegliches , wovon sie hörte , lebendige Gestalt an . Sonst blieb alles in gleichem Schlag . Das Rotkehlchen , mit leisem Gezirp , hüpfte aus dem Ring auf die Sprossen und wieder von den Sprossen in den Ring ; in gleichmäßigem Takt ging der Pendel der Gehäuseuhr . Und so ging auch des Schulzen Kniehase Herz . Kniehase war ein » Pfälzer « . Wie kam er in dieses Wendendorf ? Und wie war er der Schulze dieses Dorfes geworden ? Um dieselbe Zeit , als die Scharwenkas mit anderen tschechischen Familien von Böhmen her übersiedelten , wanderten die Kniehases mit rheinischen Familien ein . Das war um 1750 , als Friedrich der Große zur Trockenlegung der Sumpfstrecken des Oderbruches und zu ihrer Kolonisierung schritt . Die tschechischen Familien , weil ihrer nur wenig waren , fanden in den altwendischen Dörfern ein Unterkommen , und so kamen die Scharwenkas nach Hohen-Vietz . Die rheinischen Kolonistenfamilien aber , die , ohne Rücksicht darauf , ob sie aus dem Cleveschen oder Siegenschen , aus Nassau oder der Pfalz stammten , sämtlich » Pfälzer « genannt wurden ( etwa wie in Irland alle Herübergekommenen » Sachsen « heißen ) , gründeten eigene Dörfer , unter denen Neu-Barnim das größte war . In diesem Dorfe wurde unser Kniehase geboren , und zwar am Tage des Hubertusburger Friedens . Der Vater schloß daraus , daß der Sohn ein Prediger werden müsse , und ließ ihn nach den bescheidenen Mitteln , die sich darboten , etwas Tüchtiges lernen . Aber der junge Kniehase war weitab davon , ein Mann des Friedens werden zu wollen ; nur das Soldatische hatte Reiz für ihn , und mit zwanzig Jahren schon , nachdem er den Widerstand des Vaters unschwer besiegt , trat er in die Grenadiercompagnie des Regiments Möllendorf ein , das damals zu Berlin in Garnison stand . Der Dienst , trotz aller Strenge ,