kümmere dich nicht , mein Junge . Es sind nur ein paar überflüssige Kleidungsstücke darin , die ich in Hamburg verkaufen will . « Er trat an Roberts Seite , und die beiden durchschritten nun schweigend den stillen Ort . Auf dem entgegengesetzten Bürgersteig gehend , sah Robert jetzt zum letztenmal sein Elternhaus . Durch die herzförmig ausgeschnittenen Fensterläden schimmerte das Licht , und Pikas saß vor der Tür . Schweifwedelnd näherte er sich in Sprüngen seinem jungen Herrn . Der Junge beugte sich herab , um die Liebkosungen des einstigen Spielkameraden und Kindheitsgefährten zurückzugeben . Es wurde ihm weich , so seltsam weich ums Herz . Wollte ihn Pikas warnen ? Wollte er ihm erzählen von dem alten Vater , der drinnen im Zimmer den Kopf in die Hand legte und seufzend fragte : » Mutter , wie kann ein Kind so verhärtet sein ? « - Die Stirn des Jungen und die Schnauze des Hundes berührten sich . » Leb wohl , Pikas « , flüsterte Robert , » leb wohl , altes Tier ! « - Aber noch hielt er den Hund fest , noch tönte ihm sein leises Winseln wie das Weinen einer Menschenstimme ins Ohr . Er konnte sich von dem Lichtschimmer hinter den Fensterläden nicht losreißen , konnte die Tränen nicht zurückhalten , die über sein Gesicht herabliefen . Da zupfte ihn Georg am Ärmel . » Du , soll der Alte herauskommen und dir eine neue Tracht Schläge geben ? « fragte er . Robert fuhr auf . Ein ungeduldiger Ruck der Hand wischte die Tränen aus den Augen . Er streckte den Arm befehlend gegen das Haus . » Geh fort , Pikas ! « sagte er , seine Stimme zur Festigkeit zwingend , » geh fort ! « Der Hund senkte den Kopf und trabte mit langsamen Schritten über die Straße . Vor dem Hause stand er still und sah bittend zurück . Robert riß sich gewaltsam los . Ein halblautes » kusch ! « befahl dem treuen Freund sich zu legen , und dann wanderten die beiden jungen Leute in das Dunkel des Novemberabends hinein . Noch einige wenige Häuser , noch hier und da ein Gruß , und hinter ihnen lag der kleine friedliche Heimatort . Der Wind fuhr über die Stoppeln und rauschte in den laublosen Zweigen der uralten Eichen am Wege ; graue Wolkenschatten huschten wie Gespenster über den Himmel . » Es ist kalt « , raunte Georg , » knöpf deinen Mantel zu . « Aber die Worte klangen , als hätten ihm die Zähne im Munde geklappert . Es war nach Mitternacht , und in Peter Vollands Schenke drängten sich Kopf an Kopf die Gäste . Der Sonntag wird ja so gern bis in den Morgen hinein ausgedehnt , und so ging es auch hier , obwohl sich die Folgen des Trinkens bei mehreren allzu deutlich zeigten . Diejenigen Matrosen , die auf den Bänken in festem Schlaf lagen , waren noch am wenigsten lästig , dagegen tobten manche , durch das Übermaß des Alkohols in streitlustige Laune versetzt , wie die Wilden im Raum herum . Das Schreien , Singen und Fluchen in allen Mundarten war betäubend . Besonders ein Spanier , den die andern » Gallego « nannten , trieb es im Trinken und Lärmen am schlimmsten . Er war ein mittelgroßer magerer Bursche von etwa fünfundzwanzig Jahren , mit kohlschwarzem , lang herunterhängendem Haar , schwarzen tückischen Augen und einem wachsgelben Gesicht . Sobald sich seine Matrosenjacke zufällig öffnete , sah man in der Brusttasche den Griff eines kleinen Dolches . Er und ein Malaie , dem auch schon zu viel Rum über die Lippen geflossen war , standen sich wie Kampfhähne gegenüber , während ein Teil der Gäste bemüht war , den Streit zu schlichten , und wieder andere fortwährend hetzten . Peter Volland schien das alles nicht zu sehen und nicht zu hören . Bis die blanken Klingen in der Luft funkelten , pflegte er sich in nichts zu mischen , dann aber begann seine Tätigkeit , die meist im Hinauswerfen beider Parteien bestand . So weit war es aber jetzt noch nicht gekommen , und Peter wartete ruhig seine Zeit ab . Gallego saß gegen die Wand zurückgelehnt und sang mit herausforderndem Ton ein spanisches Trinklied , während der Malaie leise vor sich hinmurmelte . An demselben Tisch spielten mehrere andere das beliebte » Sechsundsechzig « . Peter Volland sprach eben in der Ecke des Zimmers mit zwei Neuangekommenen , es waren Robert und Georg . Er hatte sie sehr herzlich begrüßt und dann unaufgefordert eine Flasche Wein herbeigebracht . Seine breite , nicht eben übermäßig sauber gehaltene Hand strich dem Jungen über das Haar . » Also du willst zur See gehen , mein Kleiner ? « sagte er , » das ist brav von dir . Kein Beruf ist freier und männlicher als der des Seemanns . Na , trink nur erst einmal und iß tüchtig , dann werde ich euch beiden eine Koje anweisen , und morgen kannst du bei Kapitän van Swieten anmustern . « Robert sah in das Gesicht des Wirtes . Er fühlte wieder denselben Abscheu wie damals . » Haben Sie schon mit ihm gesprochen ? « fragte er zaghaft . » Freilich , mein Junge . Die Antje Marie geht nach Kuba unter Segel , und nur der Posten des Kajütenjungen ist noch unbesetzt . Du sollst ihn haben , und zwar auf meine Fürsprache hin . Ich sage dir , ein besserer Kapitän als Gerret van Swieten hat noch nie die Decksplanken eines Schiffes betreten . Er ist eine Seele von einem Mann . « » Liegt die Galliot hier in der Nähe ? « fragte Georg . » Hinten beim Grasbrook « , war die Antwort . Dann ließ der Wirt seine beiden jungen Gäste mit der Flasche und dem reichlich aufgetragenen Essen allein . Die Matrosen am anderen Tisch schienen sich für den Augenblick beruhigt zu haben