zum Beziehen ist auch die Jungemagd wieder auf dem Hof . » Jetzund ans Decken ! « Amtmann Mehlborn ist ein Fünfziger , aber noch bei Jünglingskräften . Ein Spiel für ihn , die schwere eichene Tafel aus der Leutestube in die gute zu rücken , die beiden Enden herauszuziehen und , während die Amtmännin Weißzeug und Geschirr auflegt , die Vorräte herbeizuschleppen , welche Rauchkammer und Keller in Julitagen bieten . Treppauf , treppab , wie ein Wetter ! Beim Heuladen in der Mittagsglut würde dem beleibten Herrn der Kopf nicht so schmählich geraucht haben wie bei diesen gastfreundlichen Ritterdiensten . Zweien Schinken und einem Dutzend diverser Würste werden Holzzeichen und Bindfäden abgeschnitten , das letzte Sauergurkenfaß geöffnet , ganze Batterien von Weinflaschen des edelsten - Werbenschen - Gewächses aufgepflanzt ; was der Tafel an Mannigfaltigkeit gebrach , ersetzte die Masse . Eine Schwadron hätte sich beim Herbstmanöver an ihrer Fülle sättigen und in undisziplinarischen Taumel zechen können . Aber immer hatte der Hausherr seiner Gastlichkeit noch nicht genug getan ; - das liebe Gut , blieb etwas übrig , kam ja nicht um ! - immer hatte er noch etwas zu fordern , etwas auszusetzen . » Aber , Mutter , hausmachenden Drell ! fix , ein blumiges Tischtuch ! « » Röse , der Teller hat einen Sprung ! « » Aber Frau , hast du denn gar kein Augenmaß ? Dort hinunter noch eine Wurst ; die Geometrie muß doch rauskommen , Röse . « Die arme Mutter Röse wußte nicht mehr , wo ihr der Kopf stand . Das Weinen war ihr näher als das Lachen . » Ach , daß die gute Frau Pastorin auch gerade in Wochen liegen muß ! « seufzte sie . » Ja , « brummte ihr Amtmann , » wenn man die Leute nicht braucht , hat man sie das ganze Jahr , und braucht man sie endlich einmal - - « » Hat man sie auch ! « ergänzte eine lachende Stimme , und Holland war aus seiner Not . Numero eins brachte die gute Freundin heimlichen Trost : Hochwürden blieben nicht über Nacht , es brauchte kein Bett aufgeschlagen zu werden . Numero zwei : verurteilte sie die Strategie der Massen : zu einer Abendmahlzeit war die Stunde viel zu früh . Hurtig die Tafel wieder hinaus ! Dort auf den Sofatisch eine leichte Kollation , eine Schale Milch , ein Körbchen Erdbeeren , frisch von den Kindern im Pfarrgarten gepflückt und fürsorglich mitgenommen ; das genügte . Dem gastlichen Rittersmann kam es hart an , sein geometrisches Kunstwerk eigenhändig wieder zu zerstören , Brote , Butter , Käse , Schinken , Würste , saure Gurken und sämtliche Weinflaschen bis auf zwei , eine rote und eine blanke , die sich absolut nicht abdringen ließen , bis auf gelegenere Zeit nebenan in die Schlafkammer zu tragen . Gottserbärmlich kam ihm die » Kollision « über den » Philadelphias « vor ! Aber die Frau Pastorin war Gouvernante in einem Grafenhause gewesen , sie mußte sich auf den Appetit vornehmer Leute in der Vesperstunde verstehen . » Wenn der gnädige Herr nun aber bis in den Abend hinein bleibt ? « fragte Mutter Rosine schüchtern . » Dann machen wir Tee , Frau Amtmännin . « » Tee ? Ist der arme Herr denn krank ? « » Gottlob ! nein . Aber seinesgleichen trinken , auch wenn sie gesund sind , abends Tee . « » Was Sie sagen , Frau Pastorin ! Kamillen oder Flieder ? « » Aber Mutter , Mutter , wie dumm ! « fuhr der Amtmann dazwischen . » Amerikanischen Tee , Tee aus Chinarinde natürlich . « » Ich schicke durch Luischen schon die rechte Sorte , und sie besorgt das übrige , wenn er bleibt . Aber Sie werden sehen , er bleibt nicht . « » Desto besser , « dachte der Amtmann ; laut jedoch sagte er : » Das täte mir leid . « » Nun aber fix an die Toilette . Dein seidenes Abendmahlskleid , Mutter ! Und Handschuhe , hörst du , Handschuhe ! Und noch eins : Rufe mich nicht Jôhann , so heißen bei den Vornehmen alle Kutscher , und wenn du von mir redest , sage nicht mein Amtmann , wie gegen die Bauern und das Gesinde . Nenne mich - - « » Ich werde dich gar nicht nennen , Jôhann , « versprach Frau Rosine , und ihr Amtmann gab sich damit zufrieden . Sie hätte » mein Gemahl « oder » lieber Johannes « , wie es diesem geistlichen Vetter am eindrucksvollsten geklungen haben würde , doch im Leben nicht über die Lippen gebracht . » Sie ist und bleibt Hentschler-Röse ! « Mit diesem Stoßseufzer sprang der korpulente Herr , leichtfüßig wie ein Hirsch , die Treppe zum Boden hinan , wo in dunkler Kammer , zwischen Pfeffer und Mottenkraut eingepackt , das Kleid des Hochzeitsvaters ruhte , das , um schweres Geld vom königlichen Hofschneider geliefert , binnen fünf Jahren selbst nicht zum Genuß des heiligen Mahles aus der Lade genommen worden war . Unten in der Wohnstube aber blickten und nickten die beiden guten Freundinnen sich lächelnd zu . Das Gottestischkleid blieb ruhig im Schranke hängen ; nur eine frische Haube wurde aufgesetzt und statt der leinenen eine schwarze Taffetschürze über den Alltagsoberrock gebunden , der seit des armen Hannes Tode ein Trauerrock geblieben war . Die Amtmannsfrau sah häuslich nett aus , recht wie die liebe stille Seele , die sie ja war . Und dann saßen die beiden guten Freundinnen nebeneinander und plauderten , nicht von dem fremden vornehmen Besuch , sondern von dem Wiegenpärchen in der Pfarre und der geplanten sonntägigen Doppeltaufe . Frau Hanna vertraute Frau Rosinen , unter dem Siegel der Verschwiegenheit , - bis es jedenfalls heute noch von ihrem Konstantin gelöst werden würde , - das Geheimnis von dem königlichen Mitgevatter und seinem Stellvertreter . Frau Rosine hatte sich