Grafen , ein junger italienischer Edelmann - bleich und verstört . Er sagte uns , daß es ihm außerordentlich leid thue , uns so lange haben warten zu lassen , aber es sei nicht seine Schuld . Der Graf sei gestern Abend spät , nachdem er - der Sprecher - ihn verlassen , noch einmal ausgegangen mit der Weisung an seinen Kammerdiener , nicht bis zu seiner Rückkunft aufzubleiben . Seitdem sei er spurlos verschwunden . Es sei die höchste Wahrscheinlichkeit , daß ihn ein Unfall betroffen habe , denn daß ein Mann von der hohen gesellschaftlichen Stellung des Grafen sich einem Duell durch die Flucht entziehen sollte , sei eine Annahme , deren Lächerlichkeit auf der Hand liege . Der Maler erwiderte , daß wir Zeit zum Warten hätten , und daß aufgeschoben ja darum noch nicht aufgehoben sei . Der Edelmann versprach uns sofort zu benachrichtigen , sobald er etwas über das Verbleiben des Grafen in Erfahrung gebracht haben würde . Aber der Graf blieb verschwunden , und ich mußte zuletzt einem Verdachte beipflichten , den der Maler schon am Abend des Zusammentreffens mit den Meuchelmördern ausgesprochen hatte , nämlich , daß der Graf selbst bei dem Attentat betheiligt und wahrscheinlich der von den Vieren gewesen sei , welcher sich durch die Heftigkeit seines Angriffs vor den Andern so auszeichnete und in Folge dessen von der starken Hand des Malers so empfindlich bestraft wurde . Entweder war er in Folge der in dem Handgemenge erhaltenen Wunde gestorben , oder , was größere Wahrscheinlichkeit hatte , er war nur verwundet und hielt sich verborgen , um den Erklärungen , wie er in diesen Zustand gekommen sei , zu entgehen ; den Nachforschungen der Polizei , die sich - wahrscheinlich auf Antrieb der Feinde des Grafen - bei dieser Gelegenheit ausnahmsweise sehr thätig zeigte , auszuweichen und endlich einem Gegner zu entrinnen , der gewisse Dinge , für die man in seinen Kreisen nur ein frivoles Lächeln hatte , so plebejisch ernst nahm . Wie dem nun sein mochte : mein Gegner ließ sich nicht wieder blicken und ich mußte , nachdem meine Angelegenheit vier Wochen lang das Thema aller Salons gewesen war - denn die Sache hatte ungeheures Aufsehen gemacht - unverrichteter Sache wieder von Neapel abreisen . Ich ging über Rom - wo ich von meinem Freunde Abschied nahm - nach Paris . Hatte ich doch meine Aufgabe erst halb und kaum halb erfüllt ! blieb mir doch noch das Schwerste zu überstehen . Ich fürchtete mich , Eleonore wiederzusehen ; eben so sehr , als ich es wünschte . Du wirst mich fragen , wie ich noch dies Interesse an einem Wesen nehmen konnte , das mit meinem Glück ein so frevelhaftes Spiel getrieben und durch ihr Davonlaufen mit dem Franzosen den Rest der Achtung , den ihr die Flucht mit dem Polen aus dem väterlichen Hause etwa noch gelassen , vollends verscherzt hatte . Aber , ich sagte Dir : ich hatte Eleonoren geliebt , mit einer glühenden , dämonischen Liebe , deren Feuer noch immer nicht ausgebrannt war und ach ! noch lange , lange , nachdem ihr Gegenstand schon verzehrt , brennen sollte ; und dann : ich wußte , daß Eleonore , mochte sie auch noch so leichtsinnig gehandelt haben , im Grunde nicht unedel dachte , daß nur die schrecklichste Noth sie in Rom zum Verlassen des Mannes , welchem sie ursprünglich hierher aus Liebe folgte , gezwungen haben konnte und vor Allem , daß sie jetzt , im Falle sie ja noch lebte , sicherlich grenzenlos unglücklich war . Ich kam in Paris an . Ich kannte die Stadt sehr gut , denn ich hatte ihr schon zweimal in Begleitung vieler Tausende bewaffneter Reisegefährten einen Besuch abgestattet . Ueberdies war ich mit Empfehlungsbriefen des Malers und vornehmer Franzosen und Italiener , deren Bekanntschaft ich in Neapel gemacht hatte , wohl versehen . Eine kurze Nachforschung bestätigte den gleich zu Anfang von dem Maler gehegten Verdacht , daß der Marquis , der Eleonoren aus Rom entführte , ein Charlatan gewesen sei . Ein Marquis solches Namens existirte nicht , hatte nie existirt , jedenfalls nicht im Faubourg St. Germain . Ich mußte meine Nachforschungen anderen weniger aristokratischen Quartieren zuwenden . Auf meinen Kreuz- und Querzügen war ein Franzose , ein junger Gelehrter , dessen Bekanntschaft ich schon früher gemacht hatte , mein beständiger treuer Begleiter . Es war ein liebenswürdiger Mensch , der mir sehr zugethan war und sein Leben hindurch mein treuer Freund geblieben ist . Ich hatte ihm , wie ich wohl nicht anders konnte , meine traurige Geschichte erzählt ; und er , der mir an Welterfahrung , besonders Erfahrung der kleinen Welt Paris weit überlegen war , hatte mich zuerst auf den Gedanken gebracht , Eleonoren im Quartier Latin und in anderen noch geringeren Quartieren zu suchen . Paris , sagte der Franzose , ist ein Ort , wo Menschen und Dinge selten lange denselben Werth behalten ; sie steigen oder fallen im Preise mit ungeheurer Geschwindigkeit . Während des einen Jahres können sehr traurige Metamorphosen mit dem armen Mädchen vorgegangen sein . Hat sie sich nicht das Leben genommen - und dieser Fall ist nicht wahrscheinlich , weil sie sich schon in Rom getödtet haben würde , wenn sie zum Sterben Muth hätte - so ist sie jedenfalls tief gesunken . Ich sage Ihnen : machen Sie sich auf das Schlimmste gefaßt . Du kannst Dir denken , wie mein Herz bei solchen Worten , deren Richtigkeit ich nur zu gut erkannte , bluten mußte . Mir war zu Muthe , wie einem Manne , der auf einem See nach der Leiche seines ertrunkenen Kindes fischt . Eines Abends , als wir ziellos durch eine der belebtesten Vorstädte irrten , überraschte mich mein Begleiter durch die Frage : Hatte Eleonore Talent zum Tanzen ? Auf meine Erwiderung , daß sie stets eine Meisterin in dieser Kunst gewesen sei , sagte er : Wir hätten eher daran denken