Schwester , aber der junge Rodelbauer wollte das nicht dulden , denn er sagte nicht mit Unrecht , er müsse dadurch den großgewachsenen Burschen auch ernähren , man in einem solchen Hause nicht aufpassen , ob ein Dienstbote ihm nicht allerlei zustecke . Er verbot daher außer Sonntag Nachmittags Dami den Besuch des Hauses . Dami hatte indeß selbst zu sehr in das Behagen hineingeschaut , in einem so reich erfüllten Bauernwesen zu stehen ; ihm wässerte der Mund danach , auch so mitten drinn zu sein und sei es nur als Knecht . Das Steinmetzenleben war gar so hungrig . Barfüßele hatte viel zu widersprechen ; er solle bedenken , daß er nun schon das zweite Handwerk habe und dabei bleiben müsse ; das sei nichts , daß man immer wieder Anderes anfange und glaube , dabei sei man glücklich ; man müsse auf dem Fleck , auf dem man steht , es sein , sonst werde man es nie . Dami ließ sich eine Zeitlang beschwichtigen , und so groß war bereits die unwillkürliche Geltung Barfüßele ' s , und so natürlich die Annahme , daß sie für ihren Bruder sorge , daß man ihn immer nur » des Barfüßele ' s Dami « hieß , als wäre er nicht ihr Bruder , sondern ihr Sohn , und doch war er um einen Kopf größer als sie , und that nicht als ob er ihr unterthan sei . Ja , er sprach es oft aus , wie es ihn wurme , daß man ihn für geringer halte als sie , weil er nicht solch Maulwerk habe . Die Unzufriedenheit mit sich und seinem Beruf ließ er zuerst und immer an der Schwester aus . Sie trug es geduldig , und weil er nun vor der Welt zeigte , daß sie ihm gehorchen müsse , gewann sie dadurch nur immermehr an Ansehen und Uebermacht in der Oeffentlichkeit . Denn Jeder sagte : es sei brav von dem Barfüßele , was sie an ihrem Bruder thäte , und sie stieg dadurch noch , daß sie sich von ihm gewaltthätig behandeln ließ , während sie für ihn sorgte wie eine Mutter . Sie wusch und nähte ihm in den Nächten , daß er zu den Saubersten im Dorf gehörte , und bei zwei Paar Rahmenschuhen , die sie als Theil ihres Lohnes jedes halbe Jahr bekam , hatte sie beim Schuhmacher noch daraufbezahlt , damit er solche ihrem Dami mache , und sie selber ging allzeit barfuß und nur selten sah man sie einmal des Sonntags in Schuhen in die Kirche gehen . Barfüßele hatte viel Kummer davon , daß Dami , man wußte nicht wie , allgemeine Zielscheibe des Spottes und der Neckerei im Dorfe geworden war . Sie ließ ihn scharf darum an , daß er das nicht dulden solle , er aber verlangte : sie möge es den Leuten wehren und nicht ihm , er könne nicht dagegen aufkommen . Das war nun nicht thunlich , und innerlich war es dem Dami auch eigentlich gar nicht unlieb , daß er überall gehänselt wurde ; es kränkte ihn zwar manchmal , wenn Alles über ihn lachte und viel Jüngere sich etwas gegen ihn herausnahmen , aber es wurmte ihn noch weit mehr , wenn man ihn gar nicht beachtete , und dann machte er sich gewaltsam zum Narren und gab sich der Neckerei preis . Bei Barfüßele dagegen war allerdings die Gefahr , der Einsiedel zu werden , den die Marann ' immer in ihr erkennen wollte . Sie hatte sich an eine einzige Gespielin angeschlossen , es war die Tochter des Kohlenmathes , die aber nun schon seit Jahren in einer Fabrik im Elsaß arbeitete und man hörte nichts mehr von ihr . Barfüßele lebte so für sich , daß man sie gar nicht zur Jugend im Dorfe zählte ; sie war mit ihren Altersgenossen freundlich und gesprächsam , aber ihre eigentliche Gespielin war doch nur die schwarze Marann ' . Und eben weil Barfüßele so abgeschieden lebte , hatte sie keinen Einfluß auf das Verhalten Dami ' s , der , wenn auch geneckt und gehänselt , doch immer des Anschlusses bedürftig war und nie allein sein konnte wie seine Schwester . Jetzt aber hatte sich Dami plötzlich ganz frei gemacht , und eines schönen Sonntags zeigte er seiner Schwester die Drangabe , die er bekommen hatte , denn er hatte sich als Knecht zum Scheckennarr von Hirlingen verdungen . » Hättest du mir das gesagt , « sagte Barfüßele , » ich hätte einen bessern Dienst für dich gewußt . Ich hätte dir einen Brief gegeben an die Landfriedbäuerin im Allgäu , und da hättest du ' s gehabt wie der Sohn vom Haus . « » O schweig ' nur von der , « sagte Dami hart , » die ist mir nun schon bald dreizehn Jahr ein paar lederne Hosen schuldig , die sie mir versprochen hat . Weißt du noch ? Damals , wie wir klein gewesen sind und gemeint haben , wir könnten noch klopfen , daß Vater und Mutter aufmachen . Schweig ' mir von der Landfriedbäuerin , wer weiß , ob die noch mit Einem Wort an uns denkt , wer weiß ob sie gar noch lebt . « » Ja sie lebt noch , sie ist ja eine Verwandte von meinem Haus und es wird oft von ihr gesprochen , und sie hat alle ihre Kinder verheirathet bis auf einen einzigen Sohn , der den Hof kriegt . « » Jetzt willst du mir nur meinen neuen Dienst verleiden , « klagte Dami , » und sagst mir , ich hätte einen bessern kriegen können . Ist das recht ? « Seine Stimme zitterte . » O , sei nicht immer so weichmüthig , « sagte Barfüßele . » Schwätz ' ich dir denn was von deinem Glück herunter ? Du thust immer gleich , als ob dich die Gänse beißen . Ich will dir nur noch sagen :