und ihr Lehrer werden . Die alten Lieder des Maro mögen mit lieblichem Sang die skythischen Sitten besänften , heißt ' s im SidoniusA1 . Es ist nicht Euer Wunsch ... « Ekkehard schlug die Augen nieder , seine Wangen röteten sich - » Aber den Mächtigen der Erde dürfen wir keinen Anstoß geben . Morgen reiset Ihr ab . Ich verliere Euch ungern ; Ihr wäret der brävsten und würdigsten einer . Der heilige Gallus wird Euch den Dienst gedenken , den Ihr seinem Stift leistet . Vergeßt auch nicht , aus dem Virgilius das Titelblatt wegzuschneiden mit der Verwünschung gegen den , der das Buch dem Kloster verschleppt ... 86 « Was des Menschen Herzenswunsch ist , dazu läßt er sich gern befehligen . » Des Gehorsams Gelübde « , sprach Ekkehard , » heißt mich des Vorgesetzten Willen sonder Zagen und Aufschub , sonder Lauheit und Murren vollziehen . « Er beugte sein Knie vor dem Abte . Dann ging er nach seiner Zelle . Es war ihm , als hätte er geträumt . Seit gestern war ihm fast zu vieles begegnet . Es geht noch andern ebenso : lang ' einförmig schleicht das Leben , - wenn des Schicksals Wendungen kommen , folgt Schlag auf Schlag . Er rüstete sich zur Reise . » Was du begonnen , laß unvollendet zurück , zieh ab deine Hand vom Geschäft , darin sie tätig war , zeuch aus im Schritt des Gehorsams « , es war ihm kaum Not , sich diesen Satz seiner Regel vorzuhalten . Auf seiner Zelle lagen die Pergamente des Psalmenbuchs87 , das Folkard mit Meisterhand geschrieben und mit feinen Bildwerken verziert hatte . Ekkehard war beauftragt , mit der wertvollen Goldfarbe , die der Abt jüngst von venezianischen Handelsleuten erkauft hatte , die Anfangsbuchstaben auszumalen und den Figuren durch leisen Goldstrich an Krone , Scepter , Schwert und Mantelsaum die letzte Vollendung zu geben . Er nahm Pergament und Farben und trug ' s seinem Gefährten hinüber , daß er statt seiner die letzte Hand ans Begonnene lege ; Folkard war gerade daran , ein neues Bild zu entwerfen , wie David vor der Bundeslade tanzt und die Laute spielt , - er schaute nicht auf . Schweigend verließ Ekkehard seine Künstlerstube . Er wandte sich zur Bibliothek , den Virgil auszulesen . Wie er droben stand im hochgewölbten Saal , einsam unter den schweigenden Pergamenten , da kam ein Gefühl der Wehmut über ihn ; auch das Leblose stellt sich bei Abschied und Wiedersehen vor den Menschen , als trüg ' s eine Seele in sich und nähme Anteil an dem , was ihn bewegt . Die Bücher waren seine besten Freunde . Er kannte sie alle und wußte , wer sie geschrieben ; - manche der Schriftzüge erinnerten an einen vom Tode schon entführten Gefährten ... » Was wird das neue Leben bescheren , das von morgen für mich anhebt ? « Eine Träne stand ihm im Auge . Jetzt fiel sein Blick auf das kleine , in metallene Decke gebundene Glossarium , in dem einst der heilige Gallus , der am Bodensee üblichen Landessprache unkundig , sich vom Pfarrherrn zu Arbon die notwendigsten Worte hatte verdeutschen lassen88 . Da gedachte Ekkehard , wie des Klosters Stifter mit so wenig Ausrüstung und Hilfe dereinst ausgezogen , ein fremder Mann unter die Heiden , und wie sein Gott und sein unverzagt Herz in Not und Fährlichkeit ihn immerdar frisch gehalten ... sein Mut stärkte sich , er küßte das Büchlein , nahm den Virgil aus dem Schrein und wandte sich , zu gehen . » Wer dies Buch wegträgt , den sollen tausend Peitschenhiebe treffen und Lähmung und Aussatz dazu ! « stand auf dem ersten Blatte . Er schnitt ' s weg . Noch einmal schaute er um , als wollten ihm von Brett und Kasten die Bücher einen Gruß zuwinken . Da hub sich ein Knistern an der Wand , der große Bauriß89 , den der Architekt Gehrung einst auf drei Schuh langer Tierhaut zu des Abt Hartmuth neuem Klosterbau angefertigt hatte , löste sich von dem festhaltenden Nagel und stürzte nieder , daß eine Staubwolke daraus emporstieg . Ekkehard machte sich keine Gedanken drüber . Wie er den Gang des obern Stockwerks entlang schritt , kam er an einem offenen Gemach vorüber . Das war der Winkel der Alten . Der blinde Thieto90 saß drin , einst des Klosters Abt , bis schwindendes Augenlicht ihn abzudanken nötigte . Ein Fenster war geöffnet , daß der Greis sich der sonnenwarmen Luft erfreue . Bei ihm hatte Ekkehard manche Stunde in traulichem Gespräch verbracht . Der Blinde kannte ihn am Schritt und rief ihn zu sich . » Wohin ? « frug er . » Hinunter , - und morgen fort ins Weite . Gebt mir Eure Hand , ich komme auf den hohen Twiel . « » Schlimm « , sprach der Blinde , » sehr schlimm ! « » Warum , Vater Thieto ? « » Frauendienst ist ein schlimm Ding für den , der gerecht bleiben will , Hofdienst noch schlimmer - was ist Frauen- und Hofdienst zugleich ? « » Es ist mein Schicksal « , sprach Ekkehard . » Sankt Gallus behüte und schirme Euch « , sagte Thieto . » Ich will für Euch beten . Gebt mir meinen Stab . « Ekkehard wollte ihm seinen Arm bieten , den lehnte er ab ; er erhob sich und schritt zu einer Nische in der Wand , dort stund ein schmucklos Fläschlein . Er nahm ' s herab und gab ' s ihm : » ' s ist Wasser aus dem Jordan , das ich selber einst geschöpft . Wenn Euch der Staub der Welt überflogen hat und Eure Augen trüb werden wollen , so läutert Euch damit . Meinen hilft ' s nicht mehr . Fahret wohl ! « Am Abend desselben Tages ging Ekkehard auf den Berg , an den sich das Kloster anlehnt