, so würde er sich schwerlich so schnell wieder erholt haben . Bei den vielen Höfen des deutschen Vaterlandes wußte sich der erfinderische Mann aber schon eher zu retten , und Gott weiß es , zu welchen verwünschten Prinzessen er sich noch hinabgelassen hätte , wenn nicht um die Mitte des Jahres 1840 durch den Tod eines großen Monarchen plötzlich so viele Hindernisse für unsern Helden aus dem Wege geräumt worden wären , daß er schnell wieder den Plan aufgab , sich einstweilen nur in den mehr verborgenen Sphären des germanischen Adels herumzutreiben , und es abermals wagen zu können glaubte , sogar in Berlin sein holdes Antlitz von neuem sehen zu lassen . Sollte man es glauben ? Schnapphahnski wieder in Berlin ! - Man wird über die Keckheit unseres Helden lachen , wenn man bedenkt , wie schmählich er das dortige Feld einst räumen mußte . Wurde nicht das Abenteuer aus O. in Schlesien und das Duell aus Troppau noch manchmal bei Hofe erzählt ? Lächelte nicht Carlotta noch immer so selig von der Bühne hinab in das Parkett , wo der Adonis der Garde stand , und wußte man nicht noch allerwärts die rührende Geschichte jener armen Tänzerin , die sich geradeso großmütig von des Ritters Diamanten trennte , wie der Ritter die Tänzerin ungroßmütig im Stiche ließ ? Aber alles das machte nichts . Der Ritter war davon überzeugt , daß noch etwas aus ihm werden könne . Sein gewaltigster Feind war dahin ; neue Gesichter verdrängten die alten , und unser Held hätte nicht Schnapphahnski heißen müssen , wenn er nicht versucht hätte , die Wendung der Dinge auch für sich zu exploitieren . Keck setzte er den Fuß wieder in das Berliner Leben . Schnapphahnski mußte etwas wagen , denn er hatte drei Sachen nötig , drei Dinge , die man ungern im Leben zu entbehren pflegt . Unser Ritter bedurfte des Vergnügens , der Ehre und des Geldes ; nach dem letzteren sehnte er sich am meisten . Für das Vergnügen war in Berlin schon gesorgt ; Ehre konnte der Umschwung der politischen Zustände mit sich bringen ; mit dem Gelde sah es am schlimmsten aus , und kopfschüttelnd dachte unser Ritter bisweilen an das alte Sprichwort : » Wo Geld ist , da ist der Teufel ; aber wo keins ist , da ist er zweimal . « Über die Geldverhältnisse unseres Helden finden wir in den schon erwähnten Dokumenten die genauesten und wichtigsten Aufschlüsse . Wir würden unserm Freunde gern die Demütigungen ersparen , so vor allem Volke seine Tasche umzukehren . Leider sehen wir uns aber gewissermaßen dazu gezwungen , denn die spätern Liebesabenteuer unsers Ritters stehen in so genauem Zusammenhange mit seinem Beutel , daß wir wirklich das eine nicht ohne das andere schildern können . » Die in der Wasserpolackei gelegenen Güter Schnapphahnskis « , heißt es in unsern Notizen , » waren fast gänzlich ertraglos , da enorme Schulden auf ihnen lasteten , Schulden , die dadurch täglich stiegen , daß der edle Ritter auch nicht im entferntesten nur soviel Einkünfte besaß , als zur Bezahlung der Hypothekenzinsen nötig waren . Der Vater Schnapphahnskis schaffte sich einen Teil dieser Schuldenlast auf höchst geniale Weise vom Halse , indem er sich seinerzeit freiwillig interdizieren ließ . Die Güter gingen durch dieses Manöver auf den damals noch blutjungen Ritter über , der die Schulden des Vaters nicht bezahlte , da Majorate nicht angreifbar sind und selbst auf die Revenuen derselben nur so lange von den Gläubigern gerechter Anspruch gemacht werden kann , als der eigentliche Schuldner Herr des Majorates ist . Durch dieses feine Finanzkunststück der Familie Schnapphahnski war zwar mit den Schulden großenteils tabula rasa gemacht und manche bürgerliche Kanaille ruiniert worden . Aus Mangel an jedem Betriebskapitale gerieten indes die Güter sehr bald wieder in die alte Lage . Alle ihre Einkünfte wurden abermals verpfändet , und der ganze Besitz war wiederum von Hypotheken erdrückt . An und für sich sind die Einkünfte dieser Güter sehr bedeutend . Tzztzztzzt « - hier trägt das Manuskript einen unaussprechlich schönen wasserpolackischen Namen , den wir dem Scharfsinn unserer Leser zu buchstabieren überlassen - also , » an und für sich sind die Einkünfte dieser Güter sehr bedeutend . Tzztzztzzt hat in ganz Deutschland die beste Zucht von Merinomutterschafen und Böcken . « - Ich bitte meine freundlichen Leserinnen höchst aufmerksam zu sein , da meine Skizzen über Herrn von Schnapphahnski in diesem Augenblicke sehr belehrend werden . - » Diese Merinomutterschafe und Böcke werfen allein jährlich einen Ertrag von 60.000 Talern Revenue ab , von denen Se . Hochgeboren indes damals nicht einen Heller besah . « - Armer Schnapphahnski ! Für 60.000 Taler Schafe und Böcke , und dann nicht einmal einen Pfennig Einkommen . - Das ist unbegreiflich , das ist entsetzlich ! Übrigens hat die Geschichte etwas sehr Patriarchalisches . Man denke sich den kleinen Schnapphahnski » sporenklirrend , schnurrbartkräuselnd « mitten zwischen seine Schafe und Böcke tretend . Zu seiner Rechten stehen die Schafe , zu seiner Linken die Böcke . » Verehrte Mutterschafe und Böcke « , beginnt Schnapphahnski , » ich bin im höchsten Grade erfreut , euch wiederzusehen . Ich habe viel gereist , und außerordentliche Taten bezeichnen meine Laufbahn . In O. in Schlesien setzte ich dem Grafen S. ein Paar Hörner auf ( hier unterbrach den Redner das freudige Geblök sämtlicher Böcke ) . In Troppau erschlug ich den wilden Menschenfresser , den Grafen G. ( allgemeines Erstaunen ) . In Berlin kostete ich den Lilienleib Carlottens ( alle Schafe schlagen verschämt die Augen nieder ) . In Spanien erwarb ich mir unsterblichen Ruhm unter Don Carlos ( Schafe und Böcke brechen in Oho und Bravo aus ) . In München erschoß ich den Herzog von ...... und wurde deswegen verbannt ( schmerzliche Rührung auf allen Gesichtern ) . In Wien drohte mich die Liebe der Damen zu erdrücken ( die Böcke wedeln und beißen einander in die Ohren )