verbeugten sich . » Ich danke Ihnen , meine Herren , « sagte Sloboda , die Schrift wieder zusammenrollend und an Heinrich zurückgebend . » Aber , mein Herr , was soll das ? « fragte Adrian , der von dem unerwarteten Auftritt ganz bestürzt war und nicht wußte , was er dazu sagen sollte . » Bitte , Herr Graf , lassen Sie sich nicht stören noch beunruhigen ! Haben Sie vielmehr die Güte , mir und meinem Freunde die noch übrigen Räume Ihrer ausgezeichneten Fabrik zu zeigen , die mich allein zu Ihnen geführt hat . Denn ich ließ mir nicht träumen , im Herrn am Stein den Sohn des Grafen Magnus zu finden ! Sie wünschten Aufschlüsse über die Zeit zu erhalten , die vor Ihrer Geburt über die Burg Ihrer Ahnen dahinrauschte . Ich werde mir erlauben , falls Sie die Gnade haben , mir und gelegentlich meinem Freunde zuhören zu wollen , Ihnen eine Geschichte von Ihren Vorfahren zu erzählen , aus welcher Sie mancherlei lernen können und die hoffentlich auch dazu dient , mich ungeachtet meines groben Rockes für Ihren Verwandten anzuerkennen ! Dürfen wir eintreten ? « Von der gewandten Höflichkeit des steinalten Greises besiegt , machte Graf Adrian lächelnd eine billigende Handbewegung . Sloboda und Heinrich traten in die Säle der Feinspinnmaschinen und betrachteten mit größter Aufmerksamkeit Alles , was ihnen bedeutend schien . Auch unterließ der Wende nicht , häufige Fragen an Adrian zu richten , welche dieser schon aus Höflichkeit zuvorkommend beantworten mußte . So gingen denn die beiden dem Herrn am Stein jetzt räthselhaft und unheimlich gewordenen Fremden von Gestock zu Gestock , von den Maschinen in die Weifsäle , aus diesen in die Packgewölbe , zu den Käutchenschlingern , und erst nach zweistündigem Umherstreifen und nachdem sie auch in die glühendheißen Wölbungen hinabgestiegen waren , wo cyclopenähnliche riesige Söhne der Haide die ungeheuren metallenen Oefen heizten , geleitete sie Adrian wieder über den Felsenpfad hinab in sein lichtes , freundliches Wohnhaus und lud sie , um ungestört und ausführlich mit ihnen sprechen zu können , ein , den Rest des Tages bei ihm zu verleben . Sloboda und Heinrich nahmen diese Einladung dankend an . Zweites Buch Erstes Kapitel . Die letzte Spinte . Ehe noch Adrian mit seinen Gästen das Haus am See erreichte , zeigte das Läuten der Glocke auf der Fabrik die Mittagsstunde an , die zugleich diejenige Zeit war , wo die Arbeiter einander ablösten , ohne den Gang der Maschinen zu unterbrechen . Es begegneten daher den vom Felsen Herabsteigenden eine Menge junger Burschen und Mädchen nebst einer hübschen Anzahl kaum achtjähriger Kinder , die zum Auszupfen der Wollenflocken aus den Rädern und Haken der Spinnmaschinen , so wie zum Auflesen verstreuter Wollbüschel unter den arbeitenden Maschinen verwendet wurden . Alle diese Kinder sahen krank und blaß aus , gingen in elenden , zerrissenen und geflickten Kleidern einher und hatten meistentheils aufgedunsene Gesichter , starke Leiber und krumme Beine , eine Folge der ungesunden Luft und des alltäglichen eilfstündigen Hockens unter den stählernen Rechen und Zangen , Walzen und Rädern , die ihre zarten Glieder mit den furchtbarsten Verstümmelungen bedrohten . Einen heitern Anblick dagegen bot der blaue See dar , der jetzt in hellem Sonnenschein wie eine Fläche geschliffenen Stahles unbeweglich dalag und mit hundert und mehr Kähnen bedeckt war , in denen die in den nahen Haidehütten wohnenden Arbeiter sich selbst zur Insel herüberruderten , auf dessen Granitgestein die glänzende Zwangsanstalt lag , die ihnen ein spärliches Brod gab und jetzt mit ihren hohen weißen Wänden und vielen hundert Fenstern wie ein Feenschloß schimmerte . Die schon bereit stehende Mittagstafel hinderte den Grafen , die Fremden sogleich mit weiteren Fragen zu bestürmen . Vornehm höflich lud er sie ein , sein Mahl mit ihm zu theilen , das keineswegs lucullisch genannt werden konnte ; denn Adrian war ein eben so großer Anhänger der Sparsamkeit , als sein Vater ein Freund der Verschwendung gewesen war . Selbst der Wein fehlte anfangs und ward erst auf einen Wink Adrians aufgesetzt . Von dieser außergewöhnlichen Frugalität abgesehen , zeigte sich der Graf durchaus als angenehmer Wirth , als gebildeter , unterhaltender Weltmann und als ein mit feiner Sitte wohl vertrauter Aristokrat . Erst nach Beendigung der Tafel bemerkte der lauernde Blick des schlauen Maulwurffängers , daß es Adrian schwer falle , nicht sogleich eine Erklärung von ihnen zu verlangen , und weil ihm selbst daran gelegen war , diesen auch ihm peinlichen Besuch möglichst abzukürzen , fragte er in seiner trockenen Weise : ob er die Geschichte seines alten Freundes jetzt anhören wolle ? Adrian beeilte sich , seine Bereitwilligkeit auszudrücken , worauf Heinrich um Erlaubniß hat , statt der ihm angebotenen Cigarre seine Pfeife rauchen zu dürfen , was Adrian natürlich auch gestatten mußte . Wir bitten jetzt unsere Leser , sich zugleich mit uns aus dem neunzehnten in das achtzehnte Jahrhundert zurückzuversetzen , wo sich die wechselvollen Begebenheiten , die wir jetzt erzählen müssen , zutrugen . Auch sei es uns gestattet , die Mittheilungen des Wenden und des Maulwurffängers nicht von diesen selbst erzählen zu lassen , sondern sie als eine eigene , in sich abgeschlossene Geschichte , aus welcher alle spätern Ereignisse hundertästig entsprossen , in einem , wir wünschen , unterhaltenden und ergreifenden Tone vorzutragen . Aschermittwoch fiel im Jahre 179 * Ende Februar , da Ostern erst Mitte April gefeiert ward . In einem jener regelmäßig gebauten wendischen Dörfer der Lausitz , die gleichsam die Grenze bilden zwischen den großen Ortschaften des Gefildes oder freien Landes und den zerstreut liegenden Wohnungen der Haidebauern , war von einer der vielen Spinngesellschaften , die sich nach altem Herkommen regelmäßig in allen sowohl wendischen wie deutschen Ortschaften des genannten Landstrichs bilden , eine recht fröhliche Feier des letzten Spinnabends , der jederzeit am Aschermittwochstage gehalten wird , beschlossen worden . Man nennt diese lustige Feier noch heutiges Tages » das Erstechen der Spinte « , eine Bezeichnung , die wir alsbald