, was fängst Du an ? Wirst Du denn niemals Ruhe finden ? Denkst Du nicht mehr , daß Du Brigitte eben so heiß geliebt , daß sie Dir auch das vollkommenste der Weiber dünkte ? Rede mir nicht mehr davon , daß Du noch bleiben willst ; wenn Dir Clementinen ' s Ruhe und Ehre werth sind , eile sie zu verlassen , ehe es für Euch Beide zu spät wird . Grade weil ich überzeugt bin , daß Clementine nie einen Andern liebte , als Dich , weil auch ich glaube , daß nur Vernunft und Pflicht sie an ihren Mann fesseln , weil ich ihre und Deine Leidenschaftlichkeit kenne und fürchte , grade darum mußt Du fort . Und was willst Du ? Sie zwingen , noch unglücklicher zu werden , als sie es vielleicht schon ist ? Vielleicht war es nur ihr reines Bewußtsein , das sie bisher aufrecht erhielt , willst Du ihr das rauben ? Willst Du die Ehre ihres Mannes , der Dich gastlich aufgenommen , ihren häuslichen Frieden , Deinen Wünschen opfern ? Du wirst es thun , aber sage mir nie mehr , daß Du Clementine geliebt hast . Robert an den Hauptmann . Den 29. December . Deinen Brief habe ich erhalten , lieber Feld ! Deine Vorwürfe vergebe ich Dir , weil ich sie nicht verdiene . Clementine ist mir heilig wie meine Ehre . Wie kannst Du aber Brigitten ' s nur erwähnen , im Vergleich zu Clementinen ? Jetzt fühle ich es mehr als je , daß nur Sinnlichkeit und Verblendung mich an Brigitte fesselten . Als ich sie zuerst sah , als der entzückte , stürmische Beifall des Publikums sie über sich selbst erhob und sie alle Leidenschaften , die das Herz der Orsina durchtobten , selbst zu fühlen schien , und nun dastand , ruhend in sich , abgeschlossen , fest und groß , mitten in einer untergehenden Welt , erschien sie mir so gewaltig , daß es mich trieb , dies Weib kennen zu lernen . Ich fand in ihr , was ich erwartet hatte , einen großen Charakter , ein glühendes Herz , versunken im Strudel des Lebens . Stunden des leidenschaftlichsten Entzückens hat sie mir gegeben . Liebe bedurfte sie nicht , flößte sie nicht ein . Ich war eitel darauf , sie zu besitzen , die Alle mir beneideten ; ich freute mich ihrer und schwelgte wie sie in ihren Triumphen . Wenn die Blicke der staunenden Menge trunken an ihr hingen und ihr kühnes Auge nur mich suchte , dann habe ich ein eigenthümliches Glück empfunden . Es liegt ein großer Reiz in der Hingebung einer Frau , die der Bühne , der Welt angehört . Sie regte meine Phantasie mächtig an , meine Sinne waren in dem höchsten Aufruhr , ich war außer mir . Ich hätte sie und den Grafen ermorden können , als sie mit ihm entfloh - ich hätte mit ihr die Welt durchziehen , mich mit ihr vernichten mögen ; aber nie ist es mir eingefallen , niemals , sie mir als meine Hausfrau zu denken , wie Clementine mir ewig vor Augen steht . Wäre Brigitte mir treu gewesen , ich hätte vielleicht nie an Haus und Weib gedacht , sie hätte mich fortgerissen . An ihr unstätes Leben gekettet , hätte ich mich über mich selbst , über sie , über Alles noch lange , wer weiß , ob nicht fast für immer getäuscht ; denn sie war eine Titanennatur , der man schwer widerstand . Nun aber ! Hättest Du Clementine , die schöne Geliebte meiner ersten Jugend , gesehen wie ich , in der züchtigen Haube , die Kinder um sie her und sie selbst ein frohes Kind mit ihnen : Du würdest wie ich keinen andern Gedanken haben , als sie . Wenn ich sie mir denke , als mein Weib , mit meinem Kinde , in den Zimmern meines Schlosses - ich wäre der seligste Mensch geworden . Ach ! » ich wollte unendlich glücklich sein oder unendlich elend - und jetzo bin ich elend . « Sie verlassen kann ich nicht ; genug , daß sie sich mir entzieht , so viel sie kann , daß ich sie fast nur in Gesellschaft sehe . Ich weiß es ihr Dank , daß sie mich flieht ; denn grade ihre Sittenreinheit ist es , die ich an ihr liebe . Und doch bleibe ich in Ihrer sanften Nähe . Ich weiß , sie und ich , wir haben Beide keine Hoffnung auf Glück , als das , uns in flüchtigen Momenten zu begegnen , die abzukürzen ich nicht den Muth habe . Denke von mir , was Du willst ; ich bleibe . Elftes Capitel Aus Clementinens Tagebuch . Am zweiten Weihnachtsabend . Gott im Himmel ! womit habe ich mein Loos verschuldet ? Wie wage ich es noch , Meining in das Auge zu sehen , mich auf seinen Arm zu stützen , während mein Herz Nichts mehr kennt , als jene unglückselige Liebe ? Ach , ich hätte mich so gern getäuscht ; ich wollte mich überreden , daß ich ihn jetzt mit Ruhe sehen , daß er mir ein Freund werden , daß er mein armes , einsames Leben verschönen könne . Und ein Kind mit seiner Einfalt muß mir die Falschheit meines Herzens aufdecken . Arme , kleine Emma ! was kannst Du dafür ? Ich wollte ihn nicht mehr sehen ; aber wie soll ich das machen , ohne Meining ' s Aufmerksamkeit zu erregen ? So muß ich ihm täglich begegnen , mich verstellen , lügen und kalt scheinen , während die heißeste Liebe mich zu ihm zieht , während ich fühle , wie er mich liebt . Und ich habe keine Wahl ! Ich muß fortschreiten auf dem Wege des Trugs ! Meining ' s Frieden , seine Ruhe müssen erhalten werden , Robert darf es nie erfahren , wie ich ihn liebe