Gottes Namen nicht breichen , sie möge es anfangen wie sie wolle . Dieses Gerede tat aber niemand mehr weh als Resli . Alles andere hätte er im Stillen ertragen wollen , wenn nur das nicht gewesen wäre . Ihm war es immer im Gemüte , als würde des Dorngrüter Bauern Tochter noch nach ihm fragen , als müßte sie vernehmen , wo er daheim sei . Und wenn sie jetzt fragte , was vernahm sie ? War nicht der alte , berühmte Name dahin ? Mußte es nicht heißen : Da gehe es nicht mehr gut . Lauter Streit und Zank sei im Hause , und wenn nicht Reichtum dagewesen wäre , so ginge es nicht mehr lange . Jetzt möchte es noch ein Weilchen halten , aber immer könne das nicht so gehen . Es müßte eine da zweimal luegen , ehe sie hineintrappe , sonst nehme sie einen Schuh voll heraus . Aber öppe ein rechtes Meitschi , das noch nicht zu äußerst am Hag sei , werde sich wohl hüten . Er wußte wohl , daß ein Name , welcher durch mehrere Geschlechter während einem ganzen Jahrhundert erworben worden war , in wenig Jahren ganz dahin gehe , und wer mußte es büßen als gerade er , der auf dem Hofe blieb ! Es kam ihm immer mehr vor , wenn schon zehntausend , ja zwanzigtausend Pfund verloren gegangen und nur der Friede geblieben wäre , so wäre er glücklich und wollte kein Wörtlein klagen . Es schien ihm , als würde ein Verlust alleine das Meitschi nicht abschrecken ; in ein Haus aber , wo nur Streit und Zank sei , da hinein wurde es um alles in der Welt nicht gehen ; das , meinte er , habe er ihm wohl angesehen . Je länger je weniger durfte er daran denken , sich im Dorngrüt zu zeigen . Jena Sonntag war ihm ein schöner Traum , der ihm aber oft das Wasser aus dem Herzen herauf in die Augen trieb . Er trug lange sein Leid alleine und meinte immer , die Mutter müsse in einer guten Stunde ihm dasselbe ansehen und darum fragen ; dann wolle er es ihr in der Liebe sagen , alles , was er auf dem Herzen hätte . Vielleicht könne sie es einsehen , wie es ihren Kindern auf diese Weise viel zu übel gehe . Aber die Mutter fühlte nur ihr Leid , hatte keine Augen mehr für Anderer Leid , und die gute Stunde kam ihr nicht . Endlich vermochte Resli sein ganzes Leid nicht mehr in sein Herz zu fassen , er klagte dasselbe seinem Bruder . Dieser hatte ihn als einen Günstling betrachtet , und da er ihn im gleichen Spital krank fand , wallte auch das gleiche Mitleid , welches er mit sich selbsten hatte , für den Bruder in ihm auf , und Beide wurden rätig , daß es je länger je schlimmer gehe und daß man da zu helfen suchen müsse , wie man könne und möge . Man müsse den Eltern , wenn sie zu kifeln anfingen , abbrechen , meinten sie , und ihnen sagen , das trage nichts ab , als daß sie verbrüllet würden . Wenn man es ihnen in der Manier sage , so würden sie es wohl annehmen und merken , daß sie unrecht hätten , bsunderbar wenn man dem , welches eigentlich die Urhab sei , zeige , daß es unrecht hätte und sich doch um Gottes und der Kinder willen besänftigen solle . Das fanden sie für das Beste , und als Christen noch an Reslis Liebe teilnahm und sagte , es müsse nicht zu machen sein oder Resli müsse des Dorngrütbauern Tochter haben , er wolle in den nächsten Tagen um das Dorngrüt herumstreichen , und wenn er das Nötige vernommen , ins Haus selbst zu kommen suchen , um zu sehen und zu hören , wie es um das Meitschi stehe : da war Resli wieder voll guten Muts und meinte , sövli bös seien doch die Eltern nicht , und wenn sie sehen , wie es ihnen daran gelegen sei , so würden sie sicher schon sich Gewalt antun , sie hätten allweg noch ein Herz für ihre Kinder . Dem Annelisi sagten sie nichts davon . Sie betrachteten es halb wie ein Kind und halb wie einen Hintersäß , welcher vor Zeiten in Gemeindssachen auch nichts zu reden harre . Bauernsöhne haben es fast wie die Katzen , welchen man es nachredet , daß sie sich mehr an die Häuser als an die Leute schlossen und hingen , während die Mädchen es haben wie die Täubchen , welche alle Tage ins Weite fliegen und ob fremden Tauben ihr Häuschen vergessend ihnen gerne folgen . Die Söhne sind die Aristokraten , die Mädchen die Radikalen ; die Erstern meinen , es gehöre ihnen alles von Rechts wegen , die Letztern flüchten sich je eher je lieber in fremdes Land , um unter fremdem Schutz desto sicherer und mächtiger gegen die brüderlichen Aristokraten aufzubegehren und aus ihren Klauen zu reißen so viel wie möglich . Die Brüder hatten Annelisi recht lieb , aber weil es zuweilen etwas gäuggelhaft tat , so trieben sie oft ihr Gespött mit ihm und sahen es so gleichsam über die Achseln an . Annelisi , welches sich wohl bewußt war , daß es nicht auf den Kopf gefallen sei und so gute Gedanken hätte als irgend ein Meitschi , nahm das übel und vergalt den Brüdern ihr vornehm Wesen durch manche Spottrede , manche Neckerei und verrätschte sie wohl zuweilen bei Vater und Mutter ; kurzweg gesprochen , es tat recht radikal gegen sie , wessen sie sich aber wenig achteten , sondern nur noch vornehmer gegen Annelisi wurden . Wie gut Christen und Resli es auch meinten , gut kam es ihnen nicht . Die Eltern verstunden sie nicht ; es ging ihnen , wie wenn Unkundige in einer Wunde herumfahren oder in eine Beule