, er begann zu zweifeln , daß er irgendwo nötig gewesen sei . Die Gestalt seines umherirrenden Mündels verflüchtigte sich zu einem luftigen Märchenbilde . » Vielleicht « , rief er unmutig aus , » hatte ich hier an nichts , als an meine verlorne Brieftasche zu denken ! « Endlich war die Zeit hingegangen , und Hermann stand am bezeichneten Orte . Ein finstrer Tannenkamp umgab einen geräumigen Platz . Durch die schwarzen Kronen der alten Stämme sah ein bedeckter Himmel , ein grauer , melancholischer Tag . Hermann war früher da , als sein Gegner ; er vertraute sich , als dem besten akademischen Fechter seiner Zeit , und war entschlossen , den Feind zu schonen . Der Johanniter kam in einem kleinen Cabriolet angefahren . Man begrüßte einander . Hermanns Gegner ließ ihn unter den beiden mitgebrachten Degen wählen . Die Sache gewann wegen des Mangels an Sekundanten ein sehr unförmliches Ansehn , und ein gefährliches , da niemand des Arztes gedacht hatte . Man vereinigte sich , daß jeder das Recht haben solle , die Dauer des Ganges zu bestimmen , und daß ein Haltrufen nicht für unehrenvoll gelten dürfe . Die Streiter warfen die Röcke ab , der Hals wurde von der Binde entfesselt , Hermann legte sich aus , der Johanniter hieb aus . Schon nach den ersten Gängen merkte Hermann , daß er den Gedanken an Schonung aufgeben müsse . Er focht regelrecht auf den Hieb , wie der Universitätsbrauch ist , der Widerpart verfuhr dagegen nach dem komplizierten französischen Systeme von Hieb und Stoß , und machte ihm mit Finten und blitzschnellem Nachschlagen viel zu schaffen . Er hielt sich zwar brav , wie immer , war aber doch zerstreuter als sonst , unruhig von den durchwachten Nächten , und vom Getreibe der vergangnen beiden Tage . Indessen wäre dieser Handel , wie so mancher , durch die Ermüdung der Kämpfer wohl zum unblutigen Ziele gediehen , wenn nicht Hermann plötzlich während einer Pause in der Ferne zwischen den Bäumen eine Figur sich hätte bewegen sehn , die er für Flämmchen halten mußte . Seine Verwirrung nahm zu , er wollte den Kampf um jeden Preis zu Ende bringen , und suchte durch Heftigkeit den Mangel an Sicherheit zu ersetzen . Er drang gewaltsam vor , gab dabei eine Blöße , diese benutzte der Gegner , rasch einspringend , und die Terz hauend . Der Stahl zischte durch die Luft und fuhr in die rechte Seite . Die Degen sanken , das Blut tröpfelte aus der aufgeschlitzten Seite , quoll dann immer reichlicher hervor , floß und floß unaufhaltsam . Der Johanniter schlug sich wie ein Rasender vor den Kopf , und verwünschte den Streich , der ihn um seinen Posten bringen könne . Hermann war erschöpft zu Boden gesunken , und sagte mit matter Stimme : » Beruhigen Sie sich , eilen Sie nach der Stadt , holen Sie einen Arzt , und sagen Sie überall , Sie hätten hier einen Verwundeten liegen sehn . Ich bestätige jedes Ihrer Worte , und will versichern , daß mich ein Räuber angefallen habe . « Unterdessen war Flämmchen weinend und jammernd herbeigekommen . Sie fuhr mit entsetzlicher Gebärde auf den Johanniter zu . » Du hast ihn erstochen , meinen Gemahl , den Prinzen , er stirbt ! Ich werde nie eine Prinzessin werden ! « rief sie . » Aber dafür sollst du verdorren ! Ich weiß , wo die Hexenmeister wohnen , die einem den Schatten nehmen und das Spiegelbild rauben , und das Galgenmännlein verkaufen . « » Bist du verrückt ! « fuhr sie der Johanniter an . » Komm mit ! Welch ein Aufzug ! « » Bleib mir vom Leibe ! « rief die junge Furie . » Ich sage sonst , was du begangen hast , und sie sollen dir den Kopf abschlagen . « Hermann richtete sich halben Leibes empor . » Bringt Sie mein Blut nicht zur Besinnung ? « fragte er . » Ich beschwöre Sie , achten Sie die Tugend dieses Mädchens ! « Der Johanniter sah ihn starr an . » Ich alter Tor ! « brach er endlich aus , » über meine verdammte Hitze ! Sich beleidigt zu halten von einem Menschen , der seine fünf Sinne nicht beisammen hat ! « Er warf den Degen weit von sich in das Gebüsch , und jagte mit seinem Wägelchen im Galopp davon . Flämmchen warf sich zu dem Verwundeten an den Boden , stopfte Moos in die verletzte Seite , rief ihm die süßesten Namen zu , und dazwischen dem Johanniter gräßliche Verwünschungen nach . Hermann hörte und sah nichts mehr . Eine tiefe Ohnmacht hatte ihn überschattet . Sein Gesicht war totenbleich . Das Moos hemmte die Blutung nicht . So lag er unter den düstern Tannen , als ein Opfer seines guten Willens . Zweites Buch Das Schloß des Standesherrn Wo keine Götter sind , walten Gespenster . Erstes Kapitel Im Park , dem Schlosse gegenüber , saß die Gesellschaft , und erfreute sich des klaren Herbstabends . » Wie geht es unsrem Kranken ? « fragte der Herzog einen Mann von zuversichtlichem Äußern . » Nach Wunsch « , erwiderte der Arzt . » Das Fieber ist zwar noch vorhanden , doch schon im Abnehmen . Die Krisis ist überstanden . Wenn ich bedenke , daß zu den Folgen der schweren Verwundung sich noch die starke nervöse Affektion gesellt hatte , so muß ich über die Kraft dieser Natur erstaunen , welche so vereinigten Angriffen zu widerstehn imstande war . « » Hat man den Täter noch immer nicht entdeckt ? « fragte die Herzogin . » Der Verwundete konnte bis jetzt keine Auskunft geben . Jener Mann , der ihn gefunden und die Nachricht in das Städtchen gebracht hat , wußte auch nichts Näheres zu sagen . « » Und der Knabe , sein kleiner Diener ? « Der Arzt sah mit einem eignen Blicke vor