den goldenen Buchstaben C. im blauen Schilde trug . Diese Pflanze , dachte er bei sich , nimmt sie nicht in meiner Einbildung einen Teil von Constanzens eigenem Wesen an ? Ja , dieser herrliche Kelch , der aus seiner schneeigen Tiefe die mildesten Geister entläßt , diese dunkeln Blätter , die sich schützend und geschützt unter das stille Heiligtum der Blume breiten , wie schön wird durch das alles die Geliebte bezeichnet und was sie umgibt ! wie vertritt die Pflanze mir durch ihre ahnungsvolle Gegenwart die himmlische Gestalt ! Unversehens war Constanze wieder da , die Gesellschaft diesmal allein bedienend . Sie brachte endlich Theobalden die Tasse , und indes Larkens eine neue Anekdote zu allgemeiner Belustigung preisgab , nahm jener Anlaß , sich scherzhaft gegen Constanze wegen der vorenthaltenen Tuscharbeit zu beschweren . » Ei « , war die Antwort , » Sie haben ' s nicht um mich verdient , Sie haben mir neulich einen übeln Schrecken zugefügt , der mir wohl das Leben hätte kosten können , zwar bloß im Traume . « » Wie ? meine Gnädige , ich wäre so unglücklich gewesen ? und so glücklich doch , daß mein Bild im kleinsten Ihrer Träume - ? « » Das eben nicht - doch ja , Ihr Bild , ein Bild aus Ihrer Phantasie . « » Wieso , wenn ich fragen darf ? « » So hören Sie und lachen mich aus ! Vorige Nacht beliebte es Ihrer gespensterhaften Orgelspielerin , ungebührlicherweise aus dem Rahmen des schauerlichen Gemäldes herauszuschreiten und leibhaftig vor mich hinzutreten . « Nolten war bestürzt , ohne eigentlich zu wissen , warum . » Ja , ja , mein Herr ! mit recht kuriosen , hämischen Augen starrte sie mir tief ins Gesicht und sagte - nein ! das sollen Sie jetzt nicht hören . « » Ich bitte ! « » Nehmen Sie sich in acht - « » Sagte sie ? « » Nicht doch , das sag ich ; eben gleitet Ihnen ja die Tasse aus der Hand ! « » Wirklich fast - Aber was sprach der Geist ? « fragte Nolten dringend aufs neue , und nach einer Pause brachte die schöne Frau mit kaum unterdrückter Verwirrung die Worte hervor : » Constanze Josephine Armond wird auch bald die Orgel mit uns spielen « - » Aber , mein Gott « , erwiderte Nolten , » doch hat der Traum Sie nicht erschrecken können ? « » Bis zum Erwachen doch ; übrigens dank ich ihm , daß er mir Anlaß gibt , meinem etwaigen Berufe zu dieser Gattung von Musik , sowie meiner Aufnahme in so ernste Gesellschaft , auch ein wenig nachzudenken . « Theobald , wie er nun wieder allein stand , wußte nicht , was er aus den letzten Worten machen sollte ; dem Tone nach konnten sie nur für Scherz gelten , aber das Ganze hatte einen störenden Eindruck bei ihm zurückgelassen . Warum denn just diese Figur ? Er wußte zu gut , daß er gerade in ihr das getreue Porträt eines Zigeunermädchens , einer Person dargestellt hatte , welche einst verhängnisvoll genug in sein eigenes Leben eingegriffen hatte . Auf der andern Seite ließ sich alles und jedes ganz natürlich aus dem starken Eindruck erklären , welchen das Gemälde auf eine sehr empfängliche Einbildungskraft machen mußte . Was übrigens den Mut unsers Freundes noch weit mehr niederschlug , das war die aus dem Verfolg des allgemeinen Gesprächs für ihn hervorgegangene Gewißheit , daß Constanze damals wirklich nicht an der Maskerade teilgenommen , sondern bereits auf der Reise begriffen gewesen . Die nicht mehr erwartete Ankunft des Herzogs verursachte eine plötzliche Bewegung . Nolten aber , statt durch die Gegenwart seines Rivals nur immer trüber und unmächtiger in sich selbst zu versinken , fühlte sich dadurch zu einem gewissen Kraftaufwande genötigt , der , obgleich anfangs nur erkünstelt , doch bald , von Larkens ' ehrlicher Munterkeit unterstützt , eine wohltätige Wirkung auf das Ganze ausübte . Vorzüglich willkommen war es Theobalden , als man endlich auf den Wunsch des Herzogs selbst Anstalt machte , ein gewisses Spiel vorzunehmen , das auf eine sinnreiche Art drei verschiedene Künste in Verbindung brachte , den Tanz , die Malerei oder Zeichnung , und untergeordneterweise die Musik . Dies setzt jedoch folgende Bemerkung voraus . Constanze , bekannt als fertige und geistreiche Zeichnerin , war zugleich eine große Freundin des schönen künstlichen Tanzes und entwickelte namentlich bei Solopartien eine hohe Grazie . Nun hatte Nolten einmal gelegentlich den Einfall geäußert , es müßte eine artige Unterhaltung abgeben , wenn einige Personen in Zeit von einer kleinen Stunde zusammen ein Tableau , irgendeine Szene zeichneten , indem sie den Kreidenstift von Hand zu Hand gebend , nach einer langsamen Melodie tanzend , abwechslungsweise vor eine aufgerichtete Tafel träten und den darzustellenden Gegenstand immer nur um einige Striche weiter förderten , bis zuletzt eine harmonische Komposition zum Vorschein käme , über die man sich zuvor im allgemeinen verständigt , deren Einzelheiten aber der augenblicklichen Eingebung eines jeden überlassen war . Der Gedanke fand Beifall , und nach einigem Besprechen zeigte sich die Möglichkeit seiner Ausführung vollkommen , obwohl man anfangs verlegen war , die gehörige Anzahl von Tänzern , die auch zugleich gute Zeichner wären , und umgekehrt , zu finden . Doch hiezu wußte man Rat . Nolten selbst , obgleich ein abgesagter Feind alles des Schlendrians , um den sich unsere Ballbelustigungen gewöhnlich zu drehen pflegen , besaß doch Leichtigkeit der Glieder und reinen Sinn genug für eine edle rhythmische Bewegung . Die dritte Rolle mußte notwendig Herrn Tillsen übergeben werden , denn wenn vielleicht auch der ungeübteste Tänzer immer noch besser gewesen wäre als er , so blieb doch die andere Eigenschaft die wichtigere . » Und « , sagte er verbindlich zu der Gräfin , » neben Ihnen würde ein Vestris übersehen werden , glücklicherweise also auch Tillsen , der ich in diesem Stück zum voraus allem Neid