: » ich danke Euch , ehrsame Frau . Wie glücklich seyd Ihr , solch ein Bild Euer zu nennen ! Der Maler muß den Heiligen selbst gesehen haben , denn dem schönen Ritter sieht gewiß kein Sterblicher gleich . « » Kein Jude freilich ; « spottete Margarethe bitter . » Der Maler fand aber unter den Rechtgläubigen das beste Vorbild , meinen ... hier erröthete sie schnell ... meinen Stiefsohn . « Esther sah sie überrascht an , mußte aber der herrischen Geberde gehorchen , mit der Margarethe sie aus dem Gemache wies . Gesenkten Hauptes schlich das Mädchen , unbemerkt , wie sie gekommen , über die marmorgefaßten Treppen zur weiten Hauspforte hinaus . Schnell flüchtete sie über den Liebfrauenberg weg , wo die vor dem Stifte spielenden Jungen ihren kindischen Muthwillen durch Schimpfworte und Steinwerfen gegen sie äußerten , weil sie an dem blaugestreiften Schleier die Jüdin erkannten . Wie ein Reh eilte sie an den Hütten der Scherer gegen dem Römer über , vorbei , vor denen Meister und Gesellen mit allerlei müßigen Gesindel in herkömmlichem Sonntagsgeschwätz verkehrten , und gern ihren schaalen Witz auf Kosten aller vorübergehenden Weiber übten . Nicht eher schritt sie langsamer , als bis sie in der Nähe der Domkirche gekommen war , aus welcher des Hochamts Orgeltöne feierlich zu ihrem Ohre drangen , und der bösen Lust der Vorübergehenden die Fesseln der Andacht anlegten . Wie gerne hätte sie vor der offenen Pforte verweilen , in das von Weihrauchdüften erfüllte Gotteshaus schauen , und sich unter all den Feierklängen , Kerzenflammen und pomphaften Gebräuchen den heiligen Rittersmann wieder vergegenwärtigen mögen , der in Diether ' s Hause sie so zauberisch berückt . Aber die Scheu vor roher Mißhandlung trieb sie von dannen , und sie durfte nur in sich hinein flüstern : Ihr Stiefsohn ist ' s ? Er , der Ritter , der mit mir und meinem Volke nichts zu schaffen hat ? Leider ist es so ! Nun , da der für mich bisher namenlose einen Namen trägt , ... nun , da ich ihn , aussprechen darf , ... nun ist er ganz für mich verloren ... auch für meine Träume . Gewiß ... o gewiß trennt ihn nicht sein Volk , sein Glaube , sein Stand allein von mir . Diese Hindernisse sind ja nichts für ein Herz , das nur im Erinnerungsbilde liebt , und allem Irrdischen entsagend , nur im Reiche der Einbildung glücklich zu seyn wünsche . Aber gewiß fesseln ihn andere Bande ... den Angebeteten . Konnte der schöne Mann seiner Stiefmutter gleichgültig bleiben neben den grauen Haaren ihres Gemahls ? Daß sein Bild in ihrer Kammer hängt , bürgt für ein geliebtes Andenken , und vereint hat sie die Liebe ! - Esthsr ' s Gesicht flammte auf in Schaam über die Ungerechtigkeit ihres Wahns . Die Liebe ? zürnte sie gegen sich selbst : Die Sünde hätte sie vereint , und Sünde ist dem Herrn meines Herzens fremd . Wahrlich ! wahrlich ! Wie könnte sonst sein Antlitz das Bild eines Heiligen seyn ? Verzeihe mir , Du , den ich über alles liebe , nicht zu nennen wage , und in dem Götzenbilde verehre , das mein Gesetz verdammt und verflucht . Nimmer soll eine Eifersucht , wie diese , Dein holdes Andenken schwächen ! An der Thüre ihrer Wohnung empfieng sie der Vater , der ihr gleichgültig im Gespräche mittheilte , daß es ihm bereits gelungen , die Eltern seines kleinen Christenfindlings zu ergattern . Esther fragte mit heftiger Neugierde nach deren Namen . » Du wirst es gut finden , wenn ich ihn verschweige , « antwortete Ben David mit scharfem und bestimmtem Tone : » Der Greis Jochai hat mir offenbart , welch unziemlich Gefühl Dich hinzieht zu dem Knaben . Die Thorheit muß nicht ferner genährt seyn ; denn unbegreiflich ist es ohnehin , wie Du Dich hinneigst zu den Söhnen und Töchtern Amaleks . Der fromme Vater , dem einst der Frieden sey , dringt darauf , daß ich Dich führe gen Worms , wo eine Schule blüht , und die Weisheit gelehrter Rabbinen . Er will gern die Traurigkeit auf sich nehmen , Dich nicht um sich zu sehen , wenn sein Angesicht bleich wird ; so Du nur wieder des Paradieses würdig wirst . « » Führe mich in den Tod , nur nicht nach Worms ; « sprach Esther entschieden und fest . » Worms ist Zodicks Vaterstadt , und folglich für mich der höllische Pfuhl , aus welchem die Teufel und Nachtgespenster stammen . Ich muß Dir gehorsamen , aber Dir vergebe dann der hochgelobte Gott ! « Sie entfloh in ihre Kammer , und schloß sich ein , allein mit ihrem Liebesbilde und ihrem Kummer . Der Vater blickte ihr wehmüthig lächelnd nach , schlug sich die Brust , und sah seufzend empor zum Himmel . Hier ahne ich böse Stürme ! sprach er zu sich . Der Ewige wolle Alles zum Guten wenden . Hierauf verbrachte er den Tag in geschäftreicher Muße ; ordnete seine Rechnungen , überzählte sein Geld , das er im Keller barg , une die übrige Habe , und kleidete sich gegen Abend in feinbürgerliche Tracht . Dann nahm er den Knaben , der ungestüm nach der Mutter verlangte , bei der Hand , und führte ihn mit sich an das Haus der Frosche , wo er mit dem Glockenschlage der siebenten Stunde , wie befohlen , anlangte . Willhild harrte an der zugelehnten Thüre , und so wie sie in der Dunkelheit den Mann und das Kind herannahen , und die Pfortentreppe besteigen sah , winkte sie ihm , näher zu kommen und einzutreten . Ben David folgte ihr durch das menschenleere Gebäude , bis in das Vorgemach der edeln Frau , die ihn alsobald zu sich herein bescheiden ließ . Er übergab den Knaben Willhild ' s Obhut , und ging bescheidnen und leisen Trittes in Margarethens Stube . Erwartung und