; doch wenn es Ihnen einst das Herz verwundet hat 1 , dann , Ellen , vergessen Sie nicht , daß ich stets bereit bin mit Ihnen zu weinen , Sie zu trösten . - Ihrer Mutter Andenken macht es mir ewig zur geliebten Pflicht . « - Ich konnte nicht antworten ! - nicht , in meines Vaters , in Miß Arnolds Gegenwart , die bittern Empfindungen , die mich zerrissen , offenbaren . - Ja ich war elend genug , meine Hand aus der ihren loszureißen , und entfloh in ein einsames Zimmer . - Doch welchen Ort hatte ich gewählt ! - Es war meiner Mutter Schlafcabinet - bis zu meiner Rückkehr aus der Pension war es in seinem unveränderten Zustand geblieben , hatte es auf meine dringende Bitte keine Veränderung erfahren , jetzt trieb der Anblick der , ihr Andenken zurückrufenden , Umgebungen meinen Schmerz aufs höchste . Hier stand noch ihr Lehnstuhl , wo ich so oft , vor ihr kniend , ihren Abendsegen empfing , dort ihr Nähkästchen , aus dem ich die farbigen Seiden zum Spiel herausnahm , das Tischchen , auf dem sie mir Blumen malte - der Fußschemel , auf dem ich an ihrem Bett hinaufstieg , wie ich zum letztenmal ihre Leiche umarmte . - - O Mutter , Mutter ! rief ich , an diesem Bett auf meine Knie sinkend , du wardst mir entrissen , und die Freundin , die Rathgeberin , die du mir ließest , treibt meine hartherzige Thorheit krank und sterbend aus dem Hause ! - Eine Weile schluchzte ich , den Kopf auf die Polster gelehnt , als Fidel leise an mich hinaufsprang und mit seinen Liebkosungen mich zu trösten bemüht schien . Ein plötzlicher Gedanke riß mich auf : ich bin nicht würdig , dachte ich , dieses Thier zu pflegen , dessen Treue die meine zum Erröthen zwingt ; Miß Mortimer gebührt sein Besitz , an mir ist ja doch alle Liebe verloren . - Ich nahm den Hund auf den Arm und eilte nach der Thür , ihn zu Miß Mortimer in den Wagen zu bringen , als ich Miß Arnolds nichtssagende Stimme vernahm , welche der Abreisenden , die eben die Treppe herabstieg , eine gleichgültige Abschiedsformel zurief . - Vor dieser konnte ich mich jetzt nicht sehen lassen - ich schellte hastig und befahl dem eintretenden Bedienten , Fidel in Miß Mortimers Wagen zu setzen , mit der Bitte ihn zu verpflegen , da er mir höchst lästig zu werden anfinge . - So konnte ich mich , sogar bei dieser Handlung der Selbstbestrafung , nicht entschließen , meine wahren Empfindungen zu zeigen . Doch der Schmerz , mit dem ich jetzt kämpfte , war überhaupt nicht » der göttliche Schmerz , der niemand gereut ; « er war das peinigende Gefühl über die Folgen meiner Thorheiten , nicht die Einsicht in ihre strafbare Größe . Nicht Entschluß zur Besserung folgte ihm , sondern sehr bald die Bemühung ihn abzuschütteln , mich zu zerstreuen , und zu diesem Zweck forderte ich meinen Wagen , um den gewöhnlichen Kreislauf meiner Morgenbesuche zu beginnen . An Miß Arnolds Begleitung gewohnt , suchte ich sie auch diesesmal , ehe ich in den Wagen stieg , und wunderte mich , sie ohne mein Vorwissen ausgegangen zu finden ; weil nun der vornehmste Gegenstand , der in meiner Einbildungskraft arbeitete , die Furcht vor dem Mißbrauch war , den Lady Marie von der Wahrnehmung meiner Thorheit in der vergangenen Nacht machen würde , befahl ich , zur Lady St. Edmond zu fahren , da ich von dieser zuerst Aufklärung und Beruhigung über diesen beängstigenden Gegenstand erwarten konnte . Wie ich zu ihrer Thür kam , schien mich der Bediente am Aussteigen verhindern zu wollen ; doch da ich im Anfahren bemerkte , daß eine Miethkutsche , die schon vor der Thür hielt , meinem Wagen hatte Platz machen müssen , war ich überzeugt , sie zu Hause zu finden , und trat in das Haus . Zu meinem Befremden ward ich aber in ein Hinterzimmer geführt , wo mich Lady St. Edmond erst nach einigen Minuten aufsuchte , dann aber mit ganz besondrer Herzlichkeit sich entschuldigte , daß ein Geschäftsmann sie , mich zu vernachlässigen , genöthigt habe . Wir gingen nun in ihr Cabinet , und sie schmeichelte bald jede Sorge über die Vorgänge der gestrigen Nacht aus meinem Gemüth . Bei der Frage , wie nur der unbekannte Domino auf den Verdacht einer Entführung hätte kommen können ? rief sie nach einigem Nachdenken mit der Lebhaftigkeit einer Person , die eine erwünschte Auflösung findet : » Ach gewiß ließ Lord Friedrich den Wagen , in welchem er heute früh nach Lincoln abreisen wollte , gleich vor meine Thür kommen , um vom Balle dahin abzufahren . Davon wollen wir uns sogleich Gewißheit verschaffen . « - Mit diesen Worten eilte sie aus dem Zimmer , um einen ihrer Leute abzusenden , daß er sich , ob der Lord wirklich abgegangen sey , erkundige . Ohne an den Gegenstand , den ich in die Hand nahm , zu denken , übersah ich einen Haufen Visitenkarten , die vor mir auf dem Tisch lagen , bis mir eine mit Miß Arnolds Namen auffiel ; sehr flüchtig mit Bleistift geschrieben , standen die Worte auf ihr : » Ich bitte nur um fünf Minuten Gehör , ich habe etwas ganz besonderes zu sagen . « Sehr befremdet über den dringenden Ton einer Bitte , deren Wichtigkeit ich mir gar nicht erklären konnte , hielt ich Lady St. Edmond bei ihrer Rückkehr die Karte hin und fragte : was hatte denn Miß Julie für ein wichtiges Geschäft ? - Die Dame gerieth in sichtbare Verlegenheit , behauptete aber , sich der Sache gar nicht mehr zu erinnern - es sey wegen eines Huts , eines Federbuschs gewesen . - Halb überzeugte sie mich , halb wußte sie mich von dem Gegenstand zu entfernen , und in