, hat der Oheim von den Orientalen genommen , die an allen Wänden die Sprüche des Korans mehr verehren als verstehen . « Juliette , ohne sich irren zu lassen , erwiderte auf obige Frage : » Umschreiben Sie die wenigen Worte , so wird der Sinn alsobald hervorleuchten . « Nach einigen Zwischenreden fuhr Juliette fort , weiter aufzuklären , wie es gemeint sei : » Jeder suche den Besitz , der ihm von der Natur , von dem Schicksal gegönnt ward , zu würdigen , zu erhalten , zu steigern , er greife mit allen seinen Fertigkeiten so weit umher , als er zu reichen fähig ist ; immer aber denke er dabei , wie er andere daran will teilnehmen lassen : denn nur insofern werden die Vermögenden geschätzt , als andere durch sie genießen . « Indem man sich nun nach Beispielen umsah , fand sich der Freund erst in seinem Fache ; man wetteiferte , man überbot sich , um jene lakonischen Worte recht wahr zu finden . Warum , hieß es , verehrt man den Fürsten , als weil er einen jeden in Tätigkeit setzen , fördern , begünstigen und seiner absoluten Gewalt gleichsam teilhaft machen kann ? Warum schaut alles nach dem Reichen , als weil er , der Bedürftigste , überall Teilnehmer an seinem Überflusse wünscht ? Warum beneiden alle Menschen den Dichter ? weil seine Natur die Mitteilung nötig macht , ja die Mitteilung selbst ist . Der Musiker ist glücklicher als der Maler , er spendet willkommene Gaben aus , persönlich unmittelbar , anstatt daß der letzte nur gibt , wenn die Gabe sich von ihm absonderte . Nun hieß es ferner im allgemeinen : Jede Art von Besitz soll der Mensch festhalten , er soll sich zum Mittelpunkt machen , von dem das Gemeingut ausgehen kann ; er muß Egoist sein , um nicht Egoist zu werden , zusammenhalten , damit er spenden könne . Was soll es heißen , Besitz und Gut an die Armen zu geben ? Löblicher ist , sich für sie als Verwalter betragen . Dies ist der Sinn der Worte » Besitz und Gemeingut « ; das Kapital soll niemand angreifen , die Interessen werden ohnehin im Weltlaufe schon jedermann angehören . Man hatte , wie sich im Gefolg des Gesprächs ergab , dem Oheim vorgeworfen , daß ihm seine Güter nicht eintrügen , was sie sollten . Er versetzte dagegen : » Das Mindere der Einnahme betracht ' ich als Ausgabe , die mir Vergnügen macht , indem ich andern dadurch das Leben erleichtere ; ich habe nicht einmal die Mühe , daß diese Spende durch mich durchgeht , und so setzt sich alles wieder ins gleiche . « Dergestalt unterhielten sich die Frauenzimmer mit dem neuen Freunde gar vielseitig , und bei immer wachsendem gegenseitigem Vertrauen sprachen sie über den zunächst erwarteten Vetter . » Wir halten sein wunderliches Betragen für abgeredet mit dem Oheim . Er läßt seit einigen Jahren nichts von sich hören , sendet anmutige , seinen Aufenthalt verblümt andeutende Geschenke , schreibt nun auf einmal ganz aus der Nähe , will aber nicht eher zu uns kommen , bis wir ihm von unsern Zuständen Nachricht geben . Dies Betragen ist nicht natürlich ; was auch dahinterstecke , wir müssen es vor seiner Rückkehr erfahren . Heute abend geben wir Ihnen einen Heft Briefe , woraus das Weitere zu ersehen ist . « Hersilie setzte hinzu : » Gestern machte ich Sie mit einer törigen Landläuferin bekannt , heute sollen Sie von einem verrückten Reisenden vernehmen . « - » Gestehe es nur « , fügte Juliette hinzu , » diese Mitteilung ist nicht ohne Absicht . « Hersilie fragte soeben etwas ungeduldig , wo der Nachtisch bleibe , als die Meldung geschah , der Oheim erwarte die Gesellschaft , mit ihm die Nachkost in der großen Laube zu genießen . Auf dem Hinwege bemerkte man eine Feldküche , die sehr emsig ihre blank gereinigten Kasserollen Schüsseln und Teller klappernd einzupacken beschäftigt war . In einer geräumigen Laube fand man den alten Herrn an einem runden , großen , frischgedeckten Tisch , auf welchem soeben die schönsten Früchte , willkommenes Backwerk und die besten Süßigkeiten , indem sich jene niedersetzten , reichlich aufgetragen wurden . Auf die Frage des Oheims , was bisher begegnet , womit man sich unterhalten , fiel Hersilie vorschnell ein : » Unser guter Gast hätte wohl über Ihre lakonischen Inschriften verwirrt werden können wäre ihm Juliette nicht durch einen fortlaufenden Kommentar zu Hülfe gekommen . « - » Du hast es immer mit Julietten zu tun « , versetzte der Oheim , » sie ist ein wackres Mädchen , das noch etwas lernen und begreifen mag . « - » Ich machte vieles gern vergessen , was ich weiß , und was ich begriffen habe , ist auch nicht viel wert « , versetzte Hersilie in Heiterkeit . Hierauf nahm Wilhelm das Wort und sagte bedächtig : » Kurzgefaßte Sprüche jeder Art weiß ich zu ehren , besonders wenn sie mich anregen , das Entgegengesetzte zu überschauen und in Übereinstimmung zu bringen . « - » Ganz richtig « , erwiderte der Oheim , » hat doch der vernünftige Mann in seinem ganzen Leben noch keine andere Beschäftigung gehabt . « Indessen besetzte sich die Tafelrunde nach und nach , so daß Spätere kaum Platz fanden . Die beiden Amtleute waren gekommen , Jäger , Pferdebändiger , Gärtner , Förster und andere , denen man nicht gleich ihren Beruf ansehen konnte . Jeder hatte etwas von dem letzten Augenblick zu erzählen und mitzuteilen , das sich der alte Herr gefallen ließ , auch wohl durch teilnehmende Fragen hervorrief , zuletzt aber aufstand und , die Gesellschaft , die sich nicht rühren sollte , begrüßend , mit den beiden Amtleuten sich entfernte . Das Obst hatten sich alle , das Zuckerwerk die jungen Leute , wenn sie auch ein wenig wild aussahen , gar wohl schmecken