knarrend dem Dorfe zu . Im Hintergrunde dieses Gewimmels sah man eine bunte Gruppe von vornehmeren Personen gelagert , die den Arbeitern zusahen und unter denen Leontin sogleich das schöne Fräulein wiedererkannte . Mitten unter ihnen ragte eine höchst seltsame Figur hervor . Ein hagerer Mensch nämlich in einem langen , weißen Mantel saß auf einem hochbeinigten Schimmel , der den Kopf fast auf die Erde hängen ließ . Von dieser seiner Rosinante teilte die abenteuerliche Gestalt im Tone einer Predigt Befehle an die Bauern aus , worauf jedesmal ein lautes Gelächter erfolgte . Leontin und Friedrich zweifelten nicht , daß jene Zuschauer die Herrschaft des Ortes seien , und da sie bemerkten , daß bereits alle Augen auf sie gerichtet waren , so übergaben sie ihre Pferde an Erwin und eilten , sich selber der Gesellschaft vorzustellen . Herr v. A. und seine Schwester , die sich seit dem Tode ihres Mannes beim Bruder aufhielt , erinnerten sich sogleich der ehemaligen freundschaftlichen Verhältnisse zwischen den beiden Häusern , und drückten ihre Freude , Leontin und seinen Freund bei sich zu sehen , mit den aufrichtigsten Worten aus . Das Fräulein wurde bei ihrer Ankunft über und über rot und wagte nicht , die Augen aufzuschlagen , denn sie erkannte beide recht gut wieder . Neben ihr stand ein ziemlich junger , bleicher Mann , in dem sie sogleich dieselbe Gestalt wiedererkannten , die gestern mit so einer ironischen Wut getanzt und musiziert hatte . Seine auffallenden Gesichtszüge hatten sich tief in Leontins Gedächtnis gedrückt . Aber es war heut gar keine Spur von gestern an ihm , er schien ein ganz anderer Mensch . Er sah schlicht , still und traurig und war verlegen im Gespräche . Es war ein Theolog , der , zu arm , seine Studien zu vollenden , auf dem Schlosse des Herrn v. A. Unterhalt , Freunde und Heimat gefunden und dafür die Leitung des Schulwesens auf den sämtlichen Gütern übernommen hatte . Der Ritter von der traurigen Gestalt dagegen schaute von seinem Schimmel während des Empfanges und der ersten Unterhaltung so unheimlich und komisch darein , daß Leontin gar nicht von ihm wegsehen konnte . Jeder Bauer , den seine Arbeit an ihm vorüberführte , gesegnete die Gestalt mit einem tüchtigen Witze , wobei sich jener immer heftig verteidigte . Leontin erhielt sich nur noch mit vieler Mühe , sich nicht dareinzumischen , als die Tante endlich die Gesellschaft aufforderte , sich nach Hause zu begeben , und alles aufbrach . Die sonderbare Gestalt setzte sich nun voraus in Galopp . Er schlug dabei mit beiden Füßen unaufhörlich in die Rippen des Kleppers und sein weißer Mantel rauschte in seiner ganzen Länge in den Lüften hinter ihm drein . Die Bauern riefen ihm sämtlich ein freudiges Hurra nach . Herr v. A. , der die Verwunderung der beiden Gäste bemerkte , sagte lachend : » Das ist ein armer Edelmann , der vom Stegreif lebt , ein irrender Ritter , der von Schloß zu Schloß zieht , und uns besonders oft heimsucht , ein Hofnarr für alle , die ihn ertragen können , halb närrisch und halb gescheut . « Als sie durchs Dorf gingen , wurden sie von allen Seiten nicht nur mit dem Hute , sondern auch mit freundlichen Worten und Mienen begrüßt , welches immer ein gutmütiges und natürliches Verhältnis zwischen der Herrschaft und ihren Bauern verrät . Sie kamen endlich an das Schloß und übersahen auf einmal einen weiten , freundlichen und fröhlich wimmelnden Hof . Alles war geschäftig , nett und ordentlich und beurkundete eine tätige Hauswirtin . Friedrich äußerte diese Bemerkung , wodurch sich die Tante ungemein geschmeichelt zu finden schien . Sie konnte ihre Freude darüber so wenig verbergen , daß sie sogleich anfing , sich mit einer Art von Wohlbehagen über ihre häuslichen Einrichtungen und die Vergnügungen der Landwirtschaft auszubreiten . Das Schloß selbst war neu , sehr heiter , licht und angenehm , das Hausgerät in den gemütlichen Zimmern ohne besondere Wahl gemischt und sämtlich wie aus einer unlängst vergangenen Zeit . Der Tisch in dem großen , geräumigen Tafelzimmer wurde gedeckt und man setzte sich bald fröhlich zum Abendessen . Die Unterhaltung blieb anfangs ziemlich stockend , steif und gezwungen , wie dies jederzeit in solchen Häusern der Fall ist , wo , aus Mangel an vielseitigen , allgemeinen Berührungen mit der Außenwelt , eine gewisse feste , ungelenke Gewohnheit des Lebens Wurzel geschlagen hat , die durch das plötzliche Eindringen wildfremder Erscheinungen , auf die ihr ewig gleichförmiger Gang nicht berechnet ist , immer eher verstimmt als umgestimmt wird . Herr v. A. , ein langer , ernster Mann , in seiner Kleidung fast pedantisch , sprach wenig . Desto mehr führte seine Schwester das hohe Wort . Sie war eine lebhafte , regsame Frau , wie man zu sagen pflegt , in den besten Jahren , eigentlich aber gerade in den schlimmsten . Denn ihre Gestalt und unverkennbar schönen Gesichtszüge fingen soeben an , auf ein vergangenes Reich zu deuten . In dieser gefährlichen Sonnenwende steigt die Schönheit mürrisch , launisch und zankend von ihrem irdischen Throne , wo sie ein halbes Leben lang geherrscht , in die öde , freudenlose Zukunft , wie ins Grab . Wohl denen seltenen größeren Frauen , welche die Zeit nicht versäumten , sondern im ruhigen , gesammelten Gemüte sich eine andere Welt der Religion und Sanftmut erbauten ! Sie verwechseln nur die Throne und werden ewig lieben und geliebt werden . Das Gespräch fiel während der Tafel auch auf die Erziehung der Kinder , ein Kapitel , von dem fast alle Weiber am liebsten sprechen und am wenigsten verstehen . Die Tante , die nur auf eine Gelegenheit gepaßt hatte , ihren Geist vor den beiden Fremden glänzen zu lassen , verbreitete sich darüber in dem gewöhnlichen Tone von Aufklärung , Bildung , feinen Sitten usw. Zu ihrem Unglück aber fiel es dem irrenden Ritter , der unterdes ganz unten an der Tafel mit