sollte , wurde mir bange , und ich dachte : ach , die Harfe ist so schwer ! wie ungeschickt wirst du damit hineinkommen ! Aber es ging besser , als ich dachte . Dicht neben der Thüre ist eine Erhöhung , auf diese kniete ich , und setzte die Harfe etwas tiefer vor mir nieder . Ich sagte nichts , sondern fing gleich an zu spielen und zu singen . Es überraschte den Fürsten ausserordentlich , und gefiel ihm über die Maassen ; denn er kam in grosser Bewegung auf mich zu , und sagte : was kniest du Engel ? Steh ' auf ! Ich aber blieb immer noch liegen , und spielte das Lied erst ganz aus , und sang die letzten Verse , welche die schönsten sind , viel besser als die ersten . Die grosse Freude , daß ich ihm mit so schönen Worten danken konnte , trieb alle Angst von mir weg , und die Harfe klang , wie im Traume . Er aber nahm sie mir aus dem Arme , und sagte wiederum : O , steh ' auf ! Wer kann dich so sehen ! - Nein ! - rief ich - gnädiger Herr ! lassen Sie mich Ihnen so danken für das Leben , was Sie mir gegeben haben ! Ach ich war todt vorher ! Nur jetzt leb ' ich wirklich ! fühle jeden Tag ein erhöhteres Leben ! Was soll ich , was kann ich thun , Ihnen zu danken ? O , möchten Sie etwas recht Schweres von mir fordern ! Etwas , das kein Mensch thun könnte , als ich . Steh ' auf ! - rief er wieder - Du lieber Engel ! was dir schwer wird , kann mir nicht frommen ! nur was dir leicht würde , könnte mich beglücken . O ! - rief ich wieder - gnädiger Herr ! ich will es lernen ! ich will es lernen ! bis es mir leicht wird . Er lächelte schmerzhaft , hob mich auf , und führte mich hinunter ins Zimmer . Nun sah er mich eine ganze Weile schweigend und gerührt an , und sagte dann : mich dünkt , du bist grösser geworden Gretchen ! Das glaub ' ich wohl , gnädiger Herr ! - antwortete ich - Es ist so lange , daß ich nicht zu Ihnen kommen durfte . Du wolltest also doch zu mir kommen ? Ich glaubte , du hättest nicht einmal an mich gedacht . Da wär ' ich wohl ein verabscheuungswürdiges Geschöpf , wenn ich an den nicht dächte , der mein grössester Wohlthäter ist . O , Nacht und Tag hab ' ich an Sie gedacht und Gottes Segen für Sie erfleht . Doch weiß ich Jemand , an den du noch viel mehr dachtest . Nun den möcht ' ich wohl sehen ! Wie ! - rief er erstaunt und sah mich wieder eine Weile forschend und schweigend an . Ich kann mir nun wohl einbilden , gnädiger Herr ! - sagte ich - daß Sie Herrn Stephani meinen . Aber von dem kann ich eben so wenig sagen , daß ich an ihn denke , als ich sagen kann , daß ich an mein Auge , oder an mein Herz denke . Er steht mir immerdar vor Augen , ich mag ihn sehen oder nicht . Ich habe auch meiner Mutter schon längst geschrieben : ich glaube er sey unser Verwandter , und habe immer zu uns gehört . Ich also - rief er ganz empfindlich - gehöre nicht zu euch ? Ach , gnädigster Herr ! - sagte ich - Sie sind ja ein Fürst ! wie können Sie denn zu uns gehören ? Freilich - setzt ' ich schnell hinzu : denn es fiel mir wie ein Stein auf ' s Herz , was er vormals von den Fürsten , und daß sie keine Freunde hätten , gesagt hatte - freilich ! wenn der Vater zu den Kindern , wenn Gott zu den Menschen gehört , wenn unsere innigste Liebe Sie uns zu eigen machen kann , so gehören Sie zu uns , und werden immer zu uns gehören . O , schweig ! - rief er - das klingt , als hättest du es von meinen Hofleuten gelernt . Es war mein Trost , daß du diese Sprache nie lernen würdest . Den wenigstens hättest du mir lassen können . Gnädiger Herr ! - sagte ich - Gott gebe , daß es Ihre Hofleute so gut mit Ihnen meinen , wie ich ! Dann wird Ihr Widerwille gegen sie sehr ungerecht seyn . Daß ich mich aber ungeschickt und unbesonnen ausdrücke , habe ich immer geglaubt , würden Sie mir zu gute halten . Davon ist nicht die Rede ! - sagte er verdrüßlich - Wenn ich dir etwas nicht zu gute halte , so ist es eben das Geschickte und Besonnene . Ach , gnädiger Herr ! - rief ich nun , und konnte das Weinen nicht mehr zurückhalten - ich habe es schon lange gemerkt , daß , so gütig und gnädig Sie auch gegen mich sind , doch etwas in mir seyn muß , was Ihnen zuwider ist . Ich bitte Sie flehentlich ! sagen Sie mir , was es ist ? Was ist das Geschickte und Besonnene ? Ich will es ablegen . Was man ernstlich will , sagte mein seliger Vater , das kann man auch , und der allwissende Gott ist mein Zeuge ! daß ich es ernstlich will . Aber gerade jetzt , da Sie mich geschickt und besonnen nannten , ging mir Ihr Zustand tief durch die Seele . Muß ich und kann ich das nun auch ablegen ? Nun kam er mit einemmale wieder ganz freundlich und gerührt auf mich zu und sagte : weine nicht , du heiliges Herz ! Ich will es überlegen , ja ich will es überlegen , ob es gut ist , daß ich dir sage